EU-Fernsehrichtlinie Bauer befürchtet Print-Werbeminus von 1 Milliarde Euro durch TV-Liberalisierung

Freitag, 22. Juli 2016
Bauer-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf
Bauer-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf
Foto: Bauer Media Group

Warnsignal: Gegen den neuen Richtlinienentwurf der EU-Kommission für audiovisuelle Mediendienste (AVMD) regt sich Widerstand. Nach dem Gemurre der kleinen Sender, die eine Stärkung des TV-Duopols aus RTL-Gruppe und Pro Sieben Sat 1 befürchten, geht nun die Bauer Media Group für das Verlagslager auf die Lobby-Barrikaden.

Denn der AVMD-Entwurf sieht eine Lockerung der Regel vor, dass Fernsehsender pro Stunde nur 12 Minuten Werbung ausstrahlen dürfen. Stattdessen sollen sie künftig 20 Prozent ihrer täglichen Sendezeit frei mit Werbespots disponieren können. Mit dieser Liberalisierung will die EU-Kommission fairere Bedingungen fürs lineare TV schaffen im Wettbewerb mit den kaum regulierten Video- und Werbegiganten Youtube und Facebook. Bauer glaubt aber, dass die geplanten TV-Werbefreiheiten nicht nur nicht zum Ziel führen, sondern auch politisch unerwünschte Kollateralschäden für Zuschauer und Print-Vielfalt verursachen.

„Der Verbraucherschutz und der Erhalt der Pressevielfalt sind gute sachliche Gründe, die derzeitige Regulierung von TV-Werbung beizubehalten.“
Jörg Hausendorf
"Mit dem Wegfall der 12-Minuten-Regel würde zusätzliches Werbegeld in die attraktive TV-Primetime fließen", prognostiziert Bauer-Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf. Unter der Annahme, dass die Sender in den vier Primetime-Stunden täglich jeweils nur 2 Minuten mehr Spots platzieren als bisher, errechnet er Werbespendings in Höhe von 1 Milliarde Euro, die jährlich zusätzlich ins Fernsehen fließen. Doch dieses Volumen, befürchtet er, würden die Werbungtreibenden nicht etwa von Google/Youtube oder Facebook abzweigen – sondern von Print.

"Damit würde den Zeitungen und Zeitschriften endgültig der neben dem Vertrieb zweite Erlösstrom abgeschnitten", sagt Hausendorf. Dies würde die Medienlandschaft "erheblich verändern und die deutsche Pressevielfalt stark bedrohen". Er plädiert daher an die Politik, im anstehenden bis zu zweijährigen Verfahren – Endjustierung der Richtlinie in Brüssel und Umsetzung in nationales Recht in Berlin – auf die geplanten Fernsehfreiheiten zu verzichten. "Der Verbraucherschutz und der Erhalt der Pressevielfalt sind gute sachliche Gründe, die derzeitige Regulierung von TV-Werbung beizubehalten", so der Bauer-Manager.

Wie Hausendorf seinen Vorstoß genau begründet, was davon zu halten ist und warum ausgerechnet Bauer bei diesem Thema in die Bresche springt – das lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 29/2016, die am Donnerstag, 21. Juli erschien. rp

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