ESC 2016 Kommentatoren lassen kein gutes Haar an ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber

Montag, 23. November 2015
Im Zentrum der Kritik: ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber
Im Zentrum der Kritik: ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber
Foto: NDR/Marcus Krüger

Am Ende ging es ganz schnell: Nur zwei Tage, nachdem die ARD Xavier Naidoo zum deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2016 nominiert hatte, wurde die Entscheidung aufgrund harscher Kritik der Öffentlichkeit wieder zurückgenommen. Die Sendeanstalt und vor allem ihr Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber stehen nach Meinung der Medien nun doppelt dumm da. Ein Überblick.

Arno Frank, Spiegel Online

Peinlich ist, dass sich der NDR so traumtänzerisch auf den Holzweg begeben hat. Peinlicher ist, wie schnell er sich von seinem Holzweg wieder hat verbellen lassen. Er bewältigt ein Desaster, indem er ein noch größeres Desaster anrichtet. Jetzt ist, zusätzlich zur Ahnungslosigkeit der Verantwortlichen, auch ihre Rückgratlosigkeit publik. Und Xavier Nadioo wenn auch nicht vom Markt, sondern von der rechtschaffenen Meute erfolgreich auf eine Stufe mit Akif Pirinçci gestellt. Gut, dass wir das geklärt hätten. Deutschland ist gerettet. Für Europa wäre es vielleicht auch mal ganz nett, nähme "Deutschland" eine ESC-Auszeit.

Holger Kreitling, Die Welt

Die ARD sollte, wenn sie den ESC ernst nimmt und weiter die Show organisieren will, eine Raab-2.0-Lösung versuchen. Eine Musikerin, ein Musiker muss gefunden werden, der sich engagiert, der andere Musiker anspricht, überredet, der für Öffentlichkeit sorgt. Der ESC ist kein Gremientanz und kein Beamtenabend, er ist eine Musik-Show. Es genügt nicht ganz, einmal im Jahr die Akten beiseite zu legen und Entertainment zu versuchen. In Skandinavien, das seit Jahren die meisten Sieger des ESC stellt, ohne dass die Beiträge Schamesröte hervorrufen würden, sind die nationalen Wettbewerbe äußerst beliebte Shows und Festivals. Die Grundlage für internationalen Erfolg wird stets in den Ländern gelegt. Das muss die ARD erkennen und sich engagieren, auch wenn es teurer wird als die bisher sparsam inszenierten Vorentscheide.

Heiko Werning, taz

Im Grunde kann es jetzt nur eine vernünftige Lösung geben: Der NDR gibt die Betreuung des ESC vollständig ab und schickt alle dafür Verantwortlichen in die Wüste. 2016 verzichtet Deutschland einfach auf jede Teilnahme. Und die dadurch eingesparten Millionen werden der Flüchtlingshilfe zugesprochen.
Xavier Naidoo
Bild: NDR/Alexander Laljak

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Jochen Arntz, DuMont Hauptstadtredaktion

Man kann ja von Xavier Naidoo halten, was man will, aber wenn man von der ARD so schnell entsorgt wird, haben die Fernsehleute nicht nur Unterhaltungs- sondern vor allem Haltungsprobleme. In der Hand von deutschen Unterhaltungskoordinatoren möchte man jedenfalls nicht sein.

Michael König, Süddeutsche Zeitung

Es gibt nur Verlierer in dieser Affäre, inklusive des Wettbewerbs, der nun durch das Hin und Her belastet ist. Völlig offen, wie nun der deutsche Teilnehmer bestimmt wird. Er ist in jedem Fall nur die zweite Wahl, er - oder sie - ist nur der Nachfolger des gescheiterten Naidoo. Das hat er oder sie nicht verdient, und auch der ESC nicht, der doch ein Fest sein soll, ein Fest der Völkerverständigung. Das ist ein Anlass darüber nachzudenken, ob die ARD der richtige Sender für diese Veranstaltung ist. Eigentlich müssten jetzt Profis ans Werk.

Karin Christmann, Tagesspiegel

Wenn die deutschen Eurovision-Fans viel Pech haben, wird Ralph Siegel beim Blättern durch seine Personalkartei fündig. Selbst das wäre im Vergleich zu einem Auftritt Naidoos verschmerzbar. Oder aber die ARD unternimmt doch noch einen neuen Versuch. Stefan Raab hat zwar bald viel freie Zeit, aber vermutlich Besseres zu tun. Ohnehin sollte jetzt jemand Neues ran. Zum Beispiel bei der ARD. Vielleicht sucht die ja demnächst einen neuen Unterhaltungskoordinator.
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