EMV Gruner + Jahr verkauft Entertainment-Tochter an Timo Busch

Dienstag, 03. Juni 2014
Das Verlagshaus von EMV in München (Foto: Unternehmen)
Das Verlagshaus von EMV in München (Foto: Unternehmen)
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Game over nach sieben Jahren: Gruner + Jahr stößt seinen Fach- und Special-Interest-Verlag G+J Entertainment Media (EMV) in München ab. Käufer ist der Kölner Medienunternehmer Timo Busch. Am Dienstag wurden die knapp 100 Mitarbeiter informiert, G+J bestätigt den Deal. Am Beispiel EMV kann man plakativ frühere Ambitionen von G+J aufzeigen.
2007 hatte G+J den EMV gekauft, damals mit dem Ziel, das wachsende Themensegment Entertainment zu besetzen. Der EMV publiziert hier Fach- und Kundenzeitschriften ("Musikwoche", "Blickpunkt Film", "Games Markt", "Treffpunkt Kino"), Online-Medien (Kino.de, Mediabiz.de) sowie Datenbanken und Nachschlagewerke für B-to-B-Zielgruppen. Und etwas später, als der damalige G+J-Chef Bernd Buchholz mit digitaler Fachinformation ("Professional Publishing") eine neue Geschäftssäule aufbauen wollte, sollte die EMV-Expertise entsprechende Hilfe leisten und für Vernetzungen sorgen.

Der ehemalige EMV-Geschäftsführer Peider Bach
Der ehemalige EMV-Geschäftsführer Peider Bach
Längst vorbei. Seit vergangenem Jahr setzt G+J unter dem Vorstandstrio um Julia Jäkel bekanntlich auf jene Themengebiete ("Communties of Interest"), die G+J schon immer beackert hat, etwa Frauen, People/Mode, Food, Wohnen, Familie, Wissen und den "Stern". G+J hatte die Lust am EMV verloren und ihm Perspektiven und Investitionen versagt, anderes war wichtiger. Geschäftsführer Peider Bach hat im Herbst 2013 entnervt gekündigt - bis jetzt aber den Verkaufsprozess "loyal und konstruktiv begleitet", betont ein Verlagssprecher.

Insofern ist der Verkauf keine große Überraschung, HORIZONT hatte bereits darüber spekuliert (Ausgabe 11/2014). Nach Einschätzung von Marktkennern kassiert G+J einen höheren einstelligen Millionenbetrag für den EMV. Und wie beim Verkauf der US-Druckerei Brown Printing im April (für über 70 Millionen Euro) stellt sich auch hier wieder die Frage: Was tun mit dem Geld? An die Gesellschafter (Bertelsmann, Jahr-Familie) weiterreichen, die sich zuletzt mit mageren Gewinnen zufrieden geben mussten?

Oder investieren und akquirieren - aber was? Immerhin hat G+J hier zuletzt im Rahmen seiner Digitalstrategie Aktivitäten gezeigt, etwa durch die Einstiege bei den Feinkost- und Kinderartikel-Shops Delinero und Tausendkind, beim Bewegtbild-Vermarkter Advideum in Frankreich und zuletzt beim Empfehlungswerbung-Dienstleister TRND. Selber entwickelt hat G+J die Living-Community Roomido und den Kindergeburtstag-Shop Tambini.

Und der neue EMV-Eigner? Timo Busch ist trotz im Internet kursierender klangvoller Firmennamen (Busch Group, Busch Holding) bisher nicht als Großunternehmer aufgefallen, wohl aber als Kinokenner. Der heute 31-Jährige gründete schon vor zehn Jahren die Kinokundenzeitschrift "Kino & Co", deren Herausgeber er bis 2010 war, bis zum Verkauf an die S&L Mediengruppe. Im Handelsregister (Amtsgericht Köln) hat Busch gerade eine neue Firma eingetragen: Busch Business Media, mit Sitz in Ratingen. Unternehmenszweck ist danach "der Betrieb eines Fachverlags, insbesondere die Herstellung, Veröffentlichung und Vermarktung von Publikationen sowie die Realisierung von Veranstaltungen". Ob hinter der neuen Firma (Geschäftsführender Gesellschafter: Busch) weitere Geldgeber stehen - unklar. Busch Business Media will den EMV "am Standort München weiterführen und zusammen mit eigenen Aktivitäten ausbauen", so der Käufer.

Der EMV wurde 1980 von Ulrich Scheele gegründet, später stieg die Verlagsgruppe Ebner Ulm mit rund 83 Prozent ein. 2007 übernahm G+J dann 98 Prozent, ein Jahr später den Rest. Bis dahin war Scheele noch Co-Geschäftsführer, 2008 übernahm der frühere G+J-Vertriebsmanager Peider Bach das Ruder alleine. rp
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