E-Publishing Marktforscher Florian Bauer über die drei größten Probleme der Printbranche

Freitag, 18. Oktober 2013
Florian Bauer (r.) ist Vorstand des Marktforschungsunternehmens Vocatus
Florian Bauer (r.) ist Vorstand des Marktforschungsunternehmens Vocatus


Für Florian Bauer, Vorstand des Marktforschungsunternehmens Vocatus, ist E-Publishing die größte Chance der Printbranche seit Erscheinen der ersten Zeitung im Jahr 1609. Aber: "Es gibt weder eine Innovationskultur noch existenziellen Druck", klagte der Pricing-Experte bei den Medientagen in München, außerdem sei der Leser nach wie vor ein unbekanntes Wesen was sich in drei verschiedenen Bereichen zeigt.

Problem 1: Neue Produkte werden entwickelt, ohne zu wissen, ob der Leser sie will

Für Bauer ein wiederkehrendes Phänomen: Die Entwicklung einer neuen App sei von Verlagen nur bis zum Zeitpunkt des Downloads geplant. Ob das neue Angebot dann aber auch funktioniert oder den Bedarf des Nutzers erfüllt, sei meist egal. "Wenn ein kleiner Produktmanager im Mobilebereich ein Tool launcht, das dann in der Praxis nicht funktioniert, ist er seinen Job los", vergleicht der Forscher. Ein Beispiel sei der "Je aktueller, desto besser"-Glaube, der dem wichtigsten Asset der Gewohnheit der Leser entgegenstehe: "Die meisten Nutzer wollen doch ein abgeschlossenes Produkt, das sie irgendwann einmal zu Ende gelesen haben, und nicht eines, das sie mehrmals am Tag aktualisieren müssen."

Problem 2: Das Portfolio orientiert sich nicht an den Bedürfnissen der Nutzer

Apps für Smartphones und Tablets, E-Reader und E-Paper, diverse Kombi-Angebote: Auch der "Mehr ist besser"-Glaube vieler Verlage führt laut Vocatus-Chef Bauer in die Sackgasse. Es bringe nichts, sein Produkt zu überfrachten, um möglichst jeden Anspruch zu erfüllen, denn: "Je mehr Auswahl der Kunde hat, desto glücklicher ist und desto weniger kauft er."

Problem 3: Der Leser braucht Möglichkeiten, sein Geld auszugeben

Die Aufgabe, die Verlage vermitteln müssen, ist alles andere als trivial: "Die Leute sind es gewohnt, online alles kostenlos zu bekommen", so Bauer das bedeute allerdings nicht, dass die Preisbereitschaft nicht genau wie ein Muskel auch wieder stärker werden könne. Dazu gehöre aber auch, einfache Möglichkeiten zu schaffen, überhaupt an die Online-Produkte zu gelangen, ohne im Voraus komplizierte Anmeldevorgänge absolvieren zu müssen. Zudem empfiehlt der Marktforscher, journalistische Inhalte wieder pro Kanal zu bepreisen, auf denen sie ausgespielt werden, also die Abkehr von den weit verbreiteten Bundles: Nur so kann der Mehrwert, den die einzelnen Kanäle bieten, deutlich werden." kl
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