DuMont Mediengruppe Fiedler geht zum "Kölner Stadt-Anzeiger" / Zusammenarbeit mit "Express" im Test

Donnerstag, 01. September 2016
Carsten Fiedler übernimmt zum 1. Januar 2017 die Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeigers"
Carsten Fiedler übernimmt zum 1. Januar 2017 die Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeigers"
Foto: DuMont

Das Medienhaus DuMont Rheinland konkretisiert das mit der „Perspektive Wachstum“ ausgerufene Programm und baut bei den am Standort Köln erscheinenden Zeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ um. Im Zuge dessen übernimmt der derzeit amtierende „Express“-Chefredakteur Carsten Fiedler ab Januar 2017 die Chefredaktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“, Peter Pauls wird Chefautor.

Damit und mit der Definition neuer Wachstumsfelder reagiert der Verlag auf die Herausforderungen der Digitalisierung und die nach wie vor angespannte Lage im Anzeigenmarkt. „Wir müssen denken und handeln wie ein Start-up, selbst wenn unser Medienhaus über 200 Jahre alt ist“, sagt Geschäftsführer Philipp M. Froben im Gespräch mit HORIZONT – und scheut sich nicht davor, alte Strukturen aufzubrechen.

„Wir müssen denken und handeln wie ein Start-up, selbst wenn unser Medienhaus über 200 Jahre alt ist.“
Philipp M. Froben, Medienhaus DuMont Rheinland

Mehr Boulevard für die Tageszeitung?

Die Redaktionen von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ prüfen, ob und wie sie künftig enger zusammenrücken können, vor allem online, aber durchaus auch in Print. Der lokale Boulevard-Marktführer tauscht Inhalte mit der klassischen Tageszeitung? „Nicht automatisch und in jedem Fall - bis Ende des Jahres wollen wir uns hier ein klares Bild der Möglichkeiten gemacht haben“, kündigt Froben an. Aktuell arbeiten die Redaktionen an einem gemeinsamen Projekt, das Vor- und Nachteile einer Zusammenarbeit ausloten soll. Federführend dafür verantwortlich ist Thilo Knott, Chefredakteur Digitale Transformation bei der DuMont Mediengruppe.

Fiedler folgt auf Pauls

Peter Pauls zieht sich zurück, bleibt dem "Kölner Stadt-Anzeiger" aber als Chefautor erhalten
Peter Pauls zieht sich zurück, bleibt dem "Kölner Stadt-Anzeiger" aber als Chefautor erhalten (Bild: DuMont)
„Express“-Chefredakteur Fiedler wechselt im Zuge dessen im Januar zum „Kölner Stadt-Anzeiger“, die Suche nach einem Nachfolger für ihn läuft bereits. Die Karriere des 46-Jährigen hat in der Euskirchener Lokalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ begonnen, später war er Parlamentskorrespondent für „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ in der Hauptstadt und bis 2013 Leitender Redakteur und zentraler Blattmacher bei der „Rheinischen Post“. Der amtierende "Kölner Stadt-Anzeiger"-Chefredakteur Pauls zieht sich von seinem Posten zurück, bleibt dem Blatt aber als oberster Autor erhalten. Der heute 63-Jährige ist seit 40 Jahren für DuMont tätig. Begonnen hat er als Lokalredakteur in Bergisch Gladbach, er war Leiter des Politikressorts, als Korrespondent in Afrika, stellvertretender Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Chefredakteur der „Mitteldeutsche Zeitung“. Von 2002 an war er sieben Jahre lang Beauftragter des 2015 verstorbenen Herausgebers und Verlegers Alfred Neven DuMont, ehe er 2009 Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde.

Metered Modell gescheitert

Im Zuge der Umstrukturierung packt Geschäftsführer Froben auch das Monetarisierungsmodell beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ an. Statt des Metered Modells, das sich ihm zufolge „nicht bewährt“ hat, experimentiere man derzeit mit einem Registrierungsansatz, bei dem sich Leser von Dossiers oder längerer Hintergrundartikel lediglich mit ihren Adressdaten anmelden müssen, nicht aber direkt zur Kasse gebeten werden. „Die ganze Branche ist noch immer auf der Suche nach einem Monetarisierungsmodell im Digitalen“, sagt Froben. Parallel dazu gingen die TKPs online und mobil immer weiter nach unten. „Nur“ Inhalte zu verkaufen, reiche deshalb nicht mehr aus. „Wir müssen verstärkt über den Aufbau neuer Geschäftsfelder nachdenken“, so der DuMont-Mann weiter. Konkrete Möglichkeiten sieht er dabei vor allem in den Bereichen Logistik, Corporate Publishing und Digitalagenturen. In der Umsetzung setzt DuMont auch auf Kooperationsmodelle und die Zusammenarbeit mit Partnern. „In fast allen Segmenten werden wir nicht alles selbst machen“, kündigt Froben an.

Neuer Personalabbau möglich

Zusammenarbeit ist auch in der Vermarktung Gebot der Stunde. Über alle zum Medienhaus gehörenden Gattungen – Tageszeitungen, Anzeigenblätter und Radio - hinweg will Froben „gesamtheitliche Marketinglösungen“ finden und die organisatorische Vernetzung vorantreiben. Auch Prozessoptimierung spielt, wie in allen Geschäftsbereichen, eine zentrale Rolle. Dass damit auch ein neuerlicher Personalabbau einhergehen könne, daraus macht der DuMont-Rheinland-Chef keinen Hehl. „Wir müssen uns personell neu aufstellen. Das bedeutet: Wir stocken in einigen Bereichen auf – und werden in anderen schlanker.“ Das wichtigste sei, den Mitarbeitern eine neue Kultur nahe zu bringen: „Wir müssen lernen, dass von 10 Dingen, die wir ausprobieren, 8 möglicherweise nicht funktionieren. Aber auch diese 8 müssen wir ausprobieren.“ kan

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