"Dreistes Politiker-Placement" Opposition kritisiert Auftritt von Markus Söder in BR-Serie

Donnerstag, 22. Januar 2015
CSU-Minister Markus Söder in "Dahoam is dahoam"
CSU-Minister Markus Söder in "Dahoam is dahoam"
Foto: BR
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Markus Söder BR Bündnis 90/Die Grünen Ulrich Wilhelm


Der Gastauftritt von Markus Söder in der BR-Serie "Dahoam is dahoam" schlägt hohe Wellen. In der jüngsten Folge durfte der bayerische Finanzminister die Leistungen der Landesregierung anpreisen. Die Grünen im Bayerischen Landtag kritisieren den Auftritt scharf, der BR verteidigt sich.
In der fraglichen Folge, die am Dienstag ausgestrahlt wurde, bleibt Söder mit seinem Auto auf einer einsamen Landstraße liegen. Dort liest ihn die Metzgerin und Bürgermeisterin Vroni mit ihrem Lieferwagen auf. Im Auto entspinnt sich dann ein Dialog, der klingt, als habe ihn die Presseabteilung der Bayerischen Landesregierung höchstselbst verfasst. Der Heimatminister darf unter anderem die Programme gegen Landflucht, für den Internetausbau, zur Kinderbetreuung und zur medzinischen Versorgung auf dem Land loben: "Da machen wir ne ganze Menge, mehr als jedes andere Bundesland. Bayern ist in der Beziehung Vorbild in ganz Deutschland." Stefan Niggemeier, der den fragwürdigen Auftritt von Söder zuerst thematisierte, hat den gesamten Dialog in seinem Blog fein säuberlich dokumentiert. Mittlerweile entwickelt sich die Folge im Freistaat zum Politikum. Die Grünen im Bayerischen Landtag haben den Gastauftritt scharf kritisiert. "Da bleibt einem die Luft weg!", teilte Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Landtags-Grünen, am Donnerstag mit. "Das ist dreistestes Politiker-Placement! Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren - und steht auch in keinerlei Zusammenhang mit Inhalt und Handlung. Ich kann nicht verstehen, wie sich der Bayerische Rundfunk hierzu herablassen konnte!"

Diese "billige Werbung" für die Seehofer-Administration könne nicht folgenlos bleiben. Man werde das Thema im Rundfunkrat des BR zur Sprache bringen, außerdem forderten die Grünen BR-Intendant Ulrich Wilhelm zu einer Stellungnahme auf.

Wilhelm, zu Zeiten der schwarz-gelben Koalition in Berlin Regierungssprecher, äußerte sich bislang zwar nicht selbst, der BR veröffentlichte am Donnerstag aber eine Stellungnahme. Darin verteidigt der BR den Gastauftritt von Söder als "Gemeinschaftsidee" von Autoren, Produktionsfirma und Redaktion von "Dahoam is dahoam". Als Spiegelbild des täglichen Lebens greife die Serie immer wieder aktuelle Themen, auch aus der Politik auf, verteidigt der BR den Auftritt des Ministers. Auftritte von Politikern anderer Parteien seien bereits geplant.

Den Dialog der Serienfigur Vroni mit Söder habe ein sechsköpfiges Autorenteam geschrieben, der "ohne jeglichen Einfluss von außen" entstanden und zudem von der zuständigen Redakteurin beim BR abgenommen worden sei. Söder habe sich "inhaltlich an das Drehbuch gehalten".

Söder war früher selbst für den BR tätig: Er hat bei dem öffentlich-rechtlichen Sender volontiert und als Redakteur gearbeitet. Derzeit konkurriert der 48-Jährige mit seiner Parteikollegin Ilse Aigner um die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. In einer Szene von "Dahoam is dahoam" richtet sich der Minister übrigens auch an die Presse. Sein Rat: "Ihr Journalisten, schreibt's halt endlich mal was Gscheits." dh
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