Doch kein "Sex-Mob" in Frankfurt "Bild" entschuldigt sich für falsche Berichterstattung

Dienstag, 14. Februar 2017
"Bild" berichtete Anfang Februar über den vermeintlichen "Sex-Mob" in Frankfurt
"Bild" berichtete Anfang Februar über den vermeintlichen "Sex-Mob" in Frankfurt
© Screenshot Bild.de

"Bild" hat seine Berichterstattung über einen vermeintlichen "Sex-Mob", der in der Silvesternacht in der Frankfurter Innenstadt gewütet haben soll, revidiert. Recherchen der Polizei und anderer Medien haben ergeben, dass es keine massenhaften Übergriffe gegeben hat. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat gegen die Zeugen eingeleitet.
"Bild" hatte am 6. Februar unter der Überschrift "37 Tage nach Silvester brechen Opfer ihr Schweigen – Sex–Mob in der Freßgass" über vermeintliche Übergriffe in der Frankfurter Innenstadt durch angetrunkene Ausländer berichtet. Dabei berief sich die "Bild" auf einen Frankfurter Gastronom und eine Frau, die eigenen Angaben zufolge sexuell belästigt wurde. Laut den vermeintlichen Zeugen handelte es sich bei den Tätern um Araber beziehungsweise Nordafrikaner.
Nachdem andere Medien über die vermeintlichen Übergriffe berichtet hatten, stellte die Polizei eigene Ermittlungen an - fand allerdings keine Hinweise auf massenhafte Randale oder sexuelle Übergriffe. Die in den Raum gestellten Vorwürfe seien "haltlos und entbehrten jeder Grundlage", teilte die Polizei am Dienstag mit.

Die "Bild" hat sich mittlerweile für die falsche Berichterstattung entschuldigt. "Mit Bedauern muss die Redaktion feststellen, dass die wiedergegebenen Aussagen und Anschuldigungen der vermeintlichen Opfer in keiner Weise von der Polizei bestätigt werden und gänzlich haltlos sind. Sowohl das Einsatzprotokoll aus der Silvesternacht, als auch die Ermittlungen in Folge der Berichterstattung lassen keinen Rückschluss auf die beschriebenen Tathergänge zu", teilt die "Bild" auf ihrer Website mit.

Man entschuldige sich ausdrücklich "für die nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung" und die erhobenen Anschuldigungen. "Diese Berichterstattung entspricht in keiner Weise den journalistischen Standards von Bild". Man werde intern klären, wie es dazu kommen konnte. An die Entschuldigung in eigener Sache schließt sich ein Text der dpa über die Ermittlungen der Polizei an.

Für den Wirt und die Frau, die von den vermeintlichen Übergriffen berichtet hatten, könnten ihre Aussagen unangenehme Folgen haben: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet. Außerdem prüft die Polizei, ob sie die Kosten der Ermittlungen geltend machen kann. dh
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