Discovery zu Olympia-Plänen "Frei empfangbares Fernsehen nimmt die bedeutendste Rolle im Medienmix ein"

Freitag, 02. Dezember 2016
Deutschlandchefin von Discovery: Susanne Aigner-Drews
Deutschlandchefin von Discovery: Susanne Aigner-Drews
Foto: Discovery

Die Nachricht, dass Discovery bei der Übertragung der Olympischen Spiele auf ARD und ZDF verzichten und stattdessen komplett auf den eigenen Sender Eurosport setzen will, schlug in dieser Woche einige Wellen. Gegenüber HORIZONT Online nimmt Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland, Stellung zu einigen der offenen Fragen, die sich nun zwangsläufig stellen.
Aus wirtschaftlicher Perspektive ist sicherlich die Frage am drängendsten, wie Eurosport die immensen Rechtekosten wieder einspielen will. Insgesamt zahlt Discovery 1,3 Milliarden Euro für das Rechtepaket, das die Olympischen Sommer- und Winterspiele zwischen 2018 und 2024 umfasst. Hierzulande verfügt Eurosport sowohl über Free-TV (Eurosport 1) als auch über Bezahlangebote (Eurosport Player, Eurosport 2). "Schon im Sommer stand für uns fest, dass die exklusive Übertragung bei Eurosport ein möglicher Weg für uns ist", erklärt Aigner-Drews. "Und Sie können sicher sein, dass wir unsere Entscheidung grundsätzlich nach unternehmerischen Gesichtspunkten treffen. Das ist für ein kommerziell agierendes Unternehmen das A und O." Ein Weg für Eurosport wäre, mehr Werbung auf Eurosport 1 zu zeigen. Auf allzu lange Werbeblöcke können Zuschauer allerdings reichlich sensibel reagieren. Zumal dann, wenn sie Werbung im Rahmen einer Übertragung kaum gewohnt sind - so wie bei den Olympia-Übertragungen in Deutschland bislang. "Unsere Planungen laufen in jedem Bereich unseres Unternehmens momentan auf Hochtouren", sagt Aigner-Drews, zu konkreten Produktions- und Umsetzungsplänen könne man sich derzeit aber nicht äußern. "Nur so viel: Wir treffen unsere Entscheidungen in jedem Fall im besten Sinne unserer Zuschauer."
Peter Hutton Eurosport
Bild: Eurosport

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Ein weiterer Ansatzpunkt: Stärker auf Paid Content zu setzen und attraktive Inhalte im Bezahlfernsehen oder im Eurosport Player zu zeigen. Noch hat Eurosport keine Details zu Programmplänen bekannt gegeben. Aigner-Drews betont jedoch, dass man es im Rahmen der Vereinbarung mit dem IOC "als unerlässlich" ansieht, "dass das frei empfangbare Fernsehen die bedeutendste Rolle im Medienmix der Übertragungen der Olympischen Spiele einnimmt."

Gemäß den Vorgaben des IOC hat sich Discovery darauf verpflichtet, mindestens 200 Stunden der Sommer- und 100 Stunden der Olympischen Winterspiele im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. "Und wir werden dieser Verpflichtung nicht nur nachkommen, sondern wir werden sie übertreffen", so Aigner-Drews. "Das heißt, die Fans haben die Möglichkeit, die größten Momente, darunter auch die deutschen Medaillenentscheidungen im frei empfangbaren Fernsehen bei Eurosport 1 zu sehen."
„Wir treffen unsere Entscheidungen in jedem Fall im besten Sinne unserer Zuschauer.“
Susanne Aigner-Drews
Was man bei Eurosport unter den "größten Momenten" versteht, muss derzeit noch offen bleiben. Man lehnt sich aber wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man vermutet, dass Eurosport so viele Inhalte wie irgendmöglich im Netz zeigen wird. Eines der Hauptargumente des IOC dafür, die Medienrechte im Sommer 2015 an Discovery zu vergeben, war die Multiplattform-Strategie des Unternehmens. Dem Internet kommt dabei besondere Bedeutung zu, wie schon allein die Einrichtung eines "Olympic Channel" durch das IOC zeigt.

Warum man sich in Lausanne einen Partner wünscht, der vor allem digitales Bewegtbild einsetzt, zeigt ein Blick auf die zurückliegenden Sommerspiele in Rio: Es handelte sich dabei um die digitalsten Spiele aller Zeiten. Zahlen des IOC zufolge, die HORIZONT Online vorliegen, wurden Video-Inhalte auf den Social-Media-Plattformen der Broadcasting-Partner des IOC, aber auch der Nationalen Olympischen Kommittees, des IOC selbst und der Internationalen Verbände insgesamt sieben Milliarden Mal abgerufen. Die Zahl beinhalte sowohl Live-Bilder als auch Highlights sowie Nicht-Wettkampfbilder. Insgesamt wurden im Rahmen von Rio 2016 Inhalte für 350.000 Stunden Bewegtbild produziert - 75 Prozent mehr als vier Jahre zuvor in London. Davon waren 240.000 Stunden digital.
Ingo Rentz
Bild: Thomas Fedra

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Sowohl Discovery als auch das IOC erhoffen sich von ihrer Partnerschaft, den Olympischen Spielen zu einer höheren Reichweite zu verhelfen: "Beträchtliche Investitionen und ein erfahrenes Team werden dazu beitragen, mehr Menschen über mehr Bildschirme als jemals zuvor zu erreichen", kündigt Aigner-Drews schon jetzt an. Zudem sei es ein gemeinsames Ziel, "die Olympischen Spiele einem neuen und jüngeren Publikum zugänglich zu machen."

Inwieweit die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Scheitern ist jedenfalls keine Option - das zeigen schon die großen Hoffnungen, die deutsche Olympioniken in den neuen Medienpartner setzen: "Der Ausstieg von ARD und ZDF ist nicht nachvollziehbar und enttäuschend", sagte Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen gegenüber der "Bild". Damit werde den Sportlern "eine ganz große Bühne genommen", so der 29-Jährige, der nach Rio seine Karriere beendet hatte. "Ich setze jetzt aber voll auf Eurosport, die sich in der Vergangenheit turnbegeistert gezeigt haben." Der ehemalige Kapitän der Hockey-Nationalmannschaft Moritz Fürste, ebenfalls nach Rio zurückgetreten, äußerte sich ähnlich: "Natürlich ist es unglaublich, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Spiele nicht mehr zeigen. Aber was ARD und ZDF zuletzt angeboten haben, hat mich nicht überzeugt. Vielleicht bringt Eurosport ja frischen Wind rein." ire
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