Digitalplattformen vs. Verlage "FAZ"-Geschäftsführer Lindner: "Paradigmenwechsel im Newsgeschäft möglich"

Dienstag, 28. Juli 2015
FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
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Sind Digitalplattformen die Verlage der Zukunft? Manches spricht dafür - und die Verantwortlichen der möglicherweise betroffenen Häuser sprechen dagegen. An diesem Dienstag meldet sich Thomas Lindner zu Wort, Geschäftsführer der "FAZ".

Darum geht es: Soziale Netzwerke, Distributionsplattformen und Onlinekioske übernehmen immer mehr Verlagsfunktionen. Und immer öfter geht es nicht mehr nur um komplette Ausgaben oder gar Abos, sondern um einzelne Texte, aus denen die Plattformen neue eigene Angebote zusammenstellen. Die ersten beginnen sogar, Journalisten anzuheuern. Die Frage, ob diese Plattformen die Verlage der Zukunft werden könnten, haben HORIZONT (zuletzt in seiner Bezahlausgabe 30/2015 vom 23. Juli) sowie HORIZONT Online in den Wochen zuvor ausführlich erörtert. Und nach "SZ"-Digitalchefredakteur Stefan Plöchinger und G+J-Digitalchef Stan Sugarman beurteilt heute "FAZ"-Geschäftsführer Thomas Lindner die Lage.

"Es ist gut möglich, dass die neuen Produkte von Apple und Facebook einen Paradigmenwechsel im Newsgeschäft bedeuten", sagt Lindner und betrachtet Facebooks Instant Articles und die Apple News-App "mit vorsichtiger Neugierde". Man sehe die Chancen, ohne eigenen technischen Aufwand Zielgruppen zu erreichen, die bisher und in weiten Teilen noch wenig Markenaffinität zur "FAZ" hätten. Wobei, das wisse der Verlag aus den Nutzerdaten, die "FAZ" den Usern von Apple näher sei als denen von Facebook.
„Es ist gut möglich, dass die neuen Produkte von Apple und Facebook einen Paradigmenwechsel im Newsgeschäft bedeuten“
Thomas Lindner
Für die Nutzer könnten die Plattformen attraktive Produkte zusammenstellen, auf die sich die Verlage selber wegen ihrer Konkurrenzbeziehung in dieser Form nicht einlassen würden, so der "FAZ"-Chef: "Das geht nur über einen Dritten, so bitter diese Erkenntnis auch sein mag."

Dennoch betrachtet Lindner die Aggregatoren auch kritisch: "Sie drängen glaubwürdige und vertraute Medienmarken in den Hintergrund und stellen uns zudem vor massive rechtliche Probleme, da wir mit einer Veröffentlichung beispielsweise auf Facebook die rechtliche Hoheit über unsere Texte verlieren", sagt der "FAZ"-Geschäftsführer mit Blick auf mögliche Verletzungshandlungen Dritter, die man dann kaum mehr verfolgen könne.

Zudem versperre wiederum Apple den Medien durch seine neue Adblocker-Technologie den Zugang zu Erlösen und "zwingt uns stattdessen faktisch in sein eigenes System, wenn wir mit unseren Inhalten und in diesem Kanal weiter Erlöse generieren wollen". Das finde er problematisch – "vom Umgang mit unerwünschten Inhalten ganz abgesehen".

Generell begrüßt Lindner aber jeden Weg, in der digitalen Welt Bezahljournalismus zu etablieren: "Für die 'FAZ' als eine Art Fachmedium für die Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur ist Paid Content ungeachtet dieser Entwicklungen nach wie vor das wichtigste strategische Ziel." rp

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