Digitalisierung im TV RTL-Co-CEO de Posch: Monetarisierung ist entscheidende Frage

Dienstag, 09. Dezember 2014
Guillaume de Posch ist Co-Chief Executive Officer der RTL Group
Guillaume de Posch ist Co-Chief Executive Officer der RTL Group
Foto: RTL Group

Die Frage, wie sich im digitalen Geschäft Geld verdienen lässt, beschäftigt auch Guillaume de Posch, Co-CEO der RTL Group. "Das ist nach wie vor die entscheidende Frage. Und sie ist nicht einfach zu beantworten", sagt er in einem auf der RTL-Homepage veröffentlichten Interview, das auch im Bertelsmann-Intranet erschienen ist.
De Posch, der seit Anfang 2012 gemeinsam mit Anke Schäferkordt an der Spitze von Bertelsmanns wichtigster Cash-Cow RTL Group steht, sieht als eine Antwort die Entwicklung neuer Werbeformate. Denn während im TV mehrminütige Werbeinseln laufen, sind es im Netz nur Unterbrechungen von maximal zwei bis drei Spots, die zudem deutlich kürzer sind, als die im Fernsehen. Auf der anderen Seite sind die Produktionskosten der zumeist kürzeren Filme geringer. Entsprechend schwer fällt die Monetarisierung. "Wir müssen die wirtschaftlichen Aspekte von Produktion und Werbevermarktung im Netz anpassen", so de Posch. Dabei sei die Beteiligung an der Realtime-Advertising-Plattform SpotXchange ein entscheidender Schritt. Auf SpotXchange werden Werbeflächen in Echtzeit versteigert. Mehr als drei Milliarden Ad Impressions werden laut de Posch jeden Monat schon auf diesem Weg von SpotXchange verkauft.

Ein weiterer Weg sind die Beteiligungen an Broadband TV und Style Haul, die eigene Youtube-Kanäle aggregieren, betreiben und vermarkten und so die derzeitige Wachstumswelle bei Bewegtbild mitreiten. "An Youtube führt in Sachen Online-Video kein Weg vorbei", sagt de Posch.  Der Anteil an professionell produzierten Inhalten auf der Plattform wachse und auch die Qualität der gezeigten Inhalte. "Allerdings nimmt ein so starkes Portal wie Youtube auch einen kräftigen Anteil an den Werbeeinnahmen. Langfristig weden die Aggregatoren daher neue, zusätzliche Erlösströme aufbauen müssen", mahnt de Posch.

Profitieren dürfte von der steigenden Nachfrage nach professionell produzierten Onlinevideos Fremantle, die Produktionstochter der RTL Group. Diese hatte zuletzt spürbare Rückgänge hinnehmen müssen, auch weil die klassischen TV-Sender sparen. "Das merken wir bei Fremantle", so de Posch. Das Unternehmen soll nun zwar international erfolgreiche Formate wie "Bauer sucht Frau" und "Das Supertalent" weiterentwickeln, aber auch das von Shows dominierte Genre-Portfolio. So sollen mehr fiktionale Inhalte wie Daily Dramas hinzukommen, aber auch Serien für die Prime Time. Und drittens "werden wir den Anteil des Digitalgeschäfts deutlich erhöhen", kündigt de Posch an.

Dabei sollen die Multichannel-Netzwerke wie BroadbandTV und Stylehaul eine größere Rolle spielen, bestehende TV-Inhalte in die nicht-lineare Welt verlängert werden, aber auch originäre Web-Inhalte geschaffen werden. "Für alle drei Bereiche gibt es bereits starke Initiativen", so de Posch. pap

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