"Digitaler Freiheitskampf" Gabor Steingart ruft zu Google-kritischer Koalition auf

Dienstag, 24. Juni 2014
Gabor Steingart forciert den digitalen Freiheitskampf" (Bild: VHB)
Gabor Steingart forciert den digitalen Freiheitskampf" (Bild: VHB)


Das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bleibt ein Ort der Google-Kritik: Nach Springer-Chef Mathias Döpfner und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel fordert nun "Handelsblatt"-Chef Gabor Steingart in einem Gastbeitrag zum Bruch des Google-Monopols auf. Das gehe aber nur, wenn Verlage, Leser und Politik sich verbündeten. Steingarts Beitrag beginnt mit einer Einsicht: Googles Marktmacht sei nur unter tätiger Mithilfe der Verlage zustande gekommen. Jeder Inhalt, der über die Suchmaschine gefunden und angesteuert werden kann, sei "von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden und - Vorsicht: jetzt kommt die Täterbiographie des späteren Opfers zum Vorschein - den Google-Suchmaschinen freiwillig überreicht worden."

Hier liegt für Steingart allerdings auch die Chance für die Medienhäuser, die derzeitige Situation umzukehren: "Die Gegenwehr beginnt am besten damit, dass wir aufhören, die Texte unserer Journalisten kostenfrei an Google auszuliefern. Dieser Jahrhundertfehler der Verleger muss korrigiert werden." Die Texte sollten dabei nicht ganz aus der Suchmaschine verschwinden - "denn wir wollen ja weiter gefunden und gelesen werden" - der eigentliche Inhalt müsse aber kostenpflichtig sein.

Damit wäre Punkt eins einer "Google-kritischen Koalition" abgesteckt. Als weitere Stütze sieht Steingart hier die Leser. Deren Daten seien eine Goldmine, "in der Google ungeniert Data Mining betreibt". Dasselbe Interesse hegen aus Steingarts Sicht allerdings auch viele Medienhäuser, die gegen Google wettern. Kundendaten gehörten jedoch allein dem Kunden. Wenn beide Seiten dies berücksichtigen, so Steingarts Hoffnung, wäre dies die beste Voraussetzung für eine starke Phalanx gegen Google: "In einer großen Koalition von Autoren und Lesern, von Verlagen und ihren Kunden läge die Stärke der Google-kritischen Bewegung."

Doch es gibt noch eine weitere Größe, die im Kampf gegen Googles Marktmacht unverzichtbar sei: Die Politik. Diese habe erfreulicherweise "ihren Dämmerschlaf beendet" schreibt Steingart und verweist auf den Debattenbeitrag von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel für das "FAZ"-Feuilleton. Dieser hatte seinerzeit angeregt, durch Wirtschaftsministerium und Bundeskartellamt prüfen zu lassen, ob Google seine marktbeherrschende Stellung ausnutze. Als Ultima Ratio sah der SPD-Mann die Entflechtung des Konzerns, wie sie einst bei Strom- und Gasnetzen durchgesetzt wurde.

Steingart schließt mit den Worten: "Die Zeit zum Losschlagen ist gekommen." Der Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt deutet in seinem Essay also jene Angst vor Google, zu der Mathias Döpfner sich an gleicher Stelle bekannte, in Kampfbereitschaft um. An Steingarts Paid-Content-Forderungen regt sich allerdings bereits Kritik. So mahnt etwa Ralf Dieter Brunowsky, einst "Capital"-Chefredakteur und Inhaber der Beratungs-Agentur Brunomedia: "Jeder Journalist googelt heute, bevor er in die weiteren Recherchen einsteigt. Er müsste also bei jeder Recherche für den ganzen Artikel zahlen, wenn ihm der Teaser geeignet erscheint. Würden ihm die Verlage das erlauben?" ire
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