"Digitale Hehlerei" Bild.de-Chef wirft Focus Online Themenklau vor

Mittwoch, 04. Juni 2014
Bild.de-Chef Julian Reichelt attackiert seinen Kollegen Daniel Steil
Bild.de-Chef Julian Reichelt attackiert seinen Kollegen Daniel Steil


Starker Tobak: Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, geht hart mit seinem Kollegen Daniel Steil von Focus Online ins Gericht. Sein schwerwiegender Vorwurf: Focus Online bediene sich systematisch bei Bild Plus, um exklusive Geschichten reichweitenoptimiert auszuschlachten.
Diese Methode sei für Focus Online doppelt attraktiv, da Paid Content bei Google nicht angezeigt werde. "Er schlachtet sie aus und lässt sie durch die berüchtigte Focus.de-Google-Optimierung laufen. Wenn User dann nach einem Thema suchen wie zum Beispiel Ärger bei WhatsApp, landen alle bei Focus.de, nicht bei Bild.de", ärgert sich Reichelt im Interview mit Turi2 über das Vorgehen von Focus Online. Das sei "nichts anderes als digitale Hehlerei. Klauen, auseinander bauen und als vermarktbare Reichweite weiterverticken." Vom Kerngeschäft des Journalismus entferne sich Steil und die Marke Focus immer mehr: "Klauen, klauen, klauen und an die Reichweite denken", ereifert sich der Chefredakteur von Bild.de.

Juristisch habe man keine Handhabe gegen diese Methode: "Als Jurist ist Kollege Steil sehr geschickt darin, so zu klauen, dass er es gerade noch so als Zitieren tarnen kann", legt Reichelt nach. Mittelfristig mache er damit aber "echten Journalisten" das Geschäftsmodell kaputt, nämlich gute Storys zu liefern und dafür selbstbewusst Geld zu verlangen. "Es tut mir ein bisschen leid um ihn, weil er eigentlich ein netter Kollege ist, aber er ist auf die dunkle Seite gewechselt", so Reichelt abschließend.

Focus Online hat seine Reichweite in den vergangenen Monaten stark ausgebaut und im Januar erstmals Spiegel Online überholt - unter anderem durch eine konsequente Vernetzung mit sozialen Netzwerken wie Facebook und ein überdurchschnittlich starkes Wachstum seines mobilen Portals. Gegenüber dem "Kress Report" hatte Steil kürzlich betont, dass man sich dabei vor allem auf seine eigenen Stärken konzentriere: "Wir achten nicht zwanghaft darauf, was die Konkurrenz macht", sagte er. "Der Blick auf die Mitbewerber führt zu nichts, er macht uns mittelmäßig." Wenn überhaupt orientiere man sich an den internationalen Playern auf dem deutschen Markt: "Mit der 'Huffington Post' ist uns das größtmögliche Entree in diesem Zukunftsgeschäft gelungen ein Erfahrungsschatz, von dem wir zehren und weiter profitieren werden." Bei Hubert Burda Media wollte man die Vorwürfe von Reichelt nicht kommentieren. dh
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