Digitale Abendzeitung Spiegel Daily verliert Timo Lokoschat

Donnerstag, 19. Oktober 2017
Timo Lokoschat kehrt dem Spiegel dern Rücken
Timo Lokoschat kehrt dem Spiegel dern Rücken
© Spiegel Verlag

Wie auf der Durchreise: Nach nur eineinhalb Jahren verlässt Timo Lokoschat, einer der beiden Redaktionsleiter von Spiegel Daily, den Verlag schon wieder. Fünf Monate nach ihrem Marktstart drückt er der digitalen Abendzeitung "die Daumen, dass sich das Produkt weiterhin entwickelt".

Via Facebook annonciert Lokoschat seinen Weggang. Im Januar 2018 will er in Berlin einen neuen Job antreten, möglicherweise bei Axel Springers Bild (so herum ist ein Wechsel wohl statthaft, andersherum weniger). Für die Spiegel-Redaktion bedeutet dies nach zahlreichen Abgängen von Leistungsträgern aus der zweiten Reihe einen weiteren Brain-Drain – und speziell für das Projekt Spiegel Daily eine auch atmosphärisch schlechte Nachricht.

Denn Lokoschat war, das schreibt er nun selber, "einer der Geburtshelfer" von Spiegel Daily, das seit Mai 2017 werktäglich gegen 17 Uhr erscheint. Es war eine um ein Jahr verspätete Geburt, und es scheint nach wie vor eine schwere Geburt zu sein. Verkaufszahlen nennt der Verlag nicht und ermuntert so Spiegel(cover)kritiker – eine schon eigenständige und sehr beliebte Form des Medienjournalismus – zum hochfrequenten Raunen, Raten und Rechnen.

Vor dem Start von Spiegel Daily hieß es aus Redaktionskreisen, dass angeblich bereits eine fünfstellige Abo-Anzahl ausreiche, um das Produkt kostendeckend zu betreiben. Diese Marke ist jedoch noch nicht erreicht. Und vor allem auf der Verlagsseite, wo man möglicherweise mit etwas spitzerer Feder deckungsbeitragsrechnet, hat Spiegel Daily nicht nur Freunde. Allerdings hat das Haus von Anfang an durchblicken lassen, dass "Daily" Teil des Online-Bezahlkonzeptes Spiegel Plus sein soll, ob nun als eigenständiger Baustein oder – bei einem "Daily"-Totalflop – durch das Vererben einzelner Inhaltsformate.

Apropos Spiegel Plus: Das Bezahlmodell war im Sommer 2016 gestartet, ebenfalls mit deutlicher Verspätung. Zum Jahreswechsel soll die zweite Ausbaustufe zünden. Dem Vernehmen nach hat Chefredakteur Klaus Brinkbäumer seiner Redaktion das Konzept in dieser Woche vorgestellt, verbunden mit der freundlichen Erwartung, dass auch die Print-Kollegen dafür liefern mögen. Und im 1. Quartal 2018 tritt SZ-Mann Stefan Plöchinger als Leiter der Produktentwicklung an – und soll auch über die Gestalt von Spiegel Plus und Spiegel Daily mitentscheiden.

Dort, bei Spiegel Daily, führt Oliver Trenkamp die 15-köpfige Redaktion nach Lokoschats Abgang wohl vorerst alleine. "Ich drücke den Kollegen die Daumen, dass sich das Produkt weiterhin entwickelt (unter Oliver Trenkamp mach ich mir da allerdings keine Sorgen)", schreibt Lokoschat. Zum Abschied bezeichnet er das Projekt als "eines der spannendsten Paid-Content-Experimente der letzten Jahre", das sich ständig verändere, Kritik aushalte und von ihr profitiere und "stetig wächst". Lokoschat arbeitete seit 2002 für die Münchner Abendzeitung; 2016 holte ihn Brinkbäumer ins Entwicklungsteam von Spiegel Daily. rp

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