Digital Out-of-Home Warum man digitale Infoscreens in der Frankfurt City vergeblich sucht

Dienstag, 27. Juni 2017
Frankfurt nennt sich "digitale Hauptstadt" - bietet aber fast keine Möglichkeit, digitale Außenwerbung zu schalten
Frankfurt nennt sich "digitale Hauptstadt" - bietet aber fast keine Möglichkeit, digitale Außenwerbung zu schalten
© Stadt Frankfurt
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Frankfurt am Main Infoscreen Mark Gellert VGF


Die Agentur Ep Communication ist ratlos. Sie scheiterte bei dem Versuch, für einen Kunden digitale Out-of-Home-Werbung in Frankfurt am Main zu schalten. Weil es digitale Werbeträger angeblich nur an Bahnhöfen, am Flughafen und anderen privaten Orten, aber eben nicht in der City gibt. Nun wenden sich die Werber mit einem offenen Brief an die Stadt. HORIZONT Online hat bei der Stadt Frankfurt nachgehakt.
Der offene Brief mit dem Titel "Entsetzlich peinlich! Warum ihr gerade mit offenen Augen ins digitale Verderben rennt" hat es in sich. Ep Communication berichtet darin von seinem gescheiterten Vorhaben, für einen Kunden eine bundesweite digitale Out-of-Home-Kampagne zu starten. In Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf klappte das offenbar reibungslos - nicht so in Frankfurt am Main. Denn hier habe man der Agentur, die Kunden aus den Bereichen Bau, Industrie, Mode und Verbände betreut, mitgeteilt, dass digitale Außenwerbung nur in Bahnhöfen geschaltet werden könne. Doch Werbung am Bahnhof reicht den Werbern nicht. Sie möchten digitale Werbe- und Informationsmöglichkeiten in der Innenstadt buchen, dort, wo sich ebenfalls viele Menschen tummeln. Tatsächlich ist es schwer vorstellbar, dass es keine digitalen Werbeflächen an öffentlichen Plätzen im Herzen Frankfurts gibt - bezeichnet sich die Stadt auf der Homepage doch als "digitale Hauptstadt der Bundesrepublik". "Wir sind enttäuscht und fordern, dass die digitale Hauptstadt auch endlich ernst macht und wie alle Metropolen digitale Screens aufbaut", formuliert die zehnköpfige Agentur ihr Anliegen in dem offenen Brief.

Be Berlin 2017
Bild: Berlin Partner / goenz.com

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In dem Schreiben wird auch auf die Ausschreibung der Werberechte in Frankfurt angespielt, in der keine digitalen Out-of-Home-Medien genannt werden. Dort werden nur City-Light-Anlagen, -Poster, -Säulen, -Vitrinen, Großflächen und Plakatsäulen, Gewerbehinweisanlagen und Uhrensäulen sowie Wechselrahmen als Werbeflächen aufgezählt und angeboten. 

HORIZONT Online fragte bei der Stadt nach, was an der Sache dran ist. Auf Anfrage bestätigte Mark Gellert, Pressesprecher des Dezernats Planen und Wohnen, dass Werbeträger im öffentlichen Raum tatsächlich nicht digital bespielt werden können. Dies sei ausschließlich auf privaten Flächen wie beispielsweise an Hauswänden, am Flughafen sowie in Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen möglich, die von anderen Institutionen, etwa von der Deutschen Bahn, verwaltet werden. Deswegen werden diese Werbeflächen nicht in der Ausschreibung der Werberechte berücksichtigt.

An dem Werbe-Zustand, den die Stadt bietet, wird sich fast ein Jahrzehnt lang nichts ändern. Denn laut Gellert erstrecken sich die ausgeschriebenen Werberechte auf die nächsten acht Jahre. Erst dann werde man eine neue Lösung präsentieren: "Bis zu einer Folgeausschreibung wird die Stadt Frankfurt ein fundiertes Konzept zur Frage von künftigen digitalen Werbemöglichkeiten erarbeiten. In dieses werden auch die dann gegebenen Erfahrungen anderer Städte einbezogen", erklärt Gellert. Außerdem werde in der Zwischenzeit entschieden, ob es eine gemeinsame Ausschreibung mit der Nahverkehrsgesellschaft geben soll.

Wenn es nach Gellert geht, müssen zunächst Pros und Kontras abgewogen werden, bis digitale Werbeträger in Frankfurt zum Einsatz kommen können: "Die Werbung mit digitalen Medien ist für die Werbewirtschaft wirtschaftlich attraktiv, geht aber auch mit erheblichen Wirkungen in den öffentlichen Raum einher. Dies gilt es zu beachten und zu regeln." Den Vorwurf von Ep Communication, den Bürgern würden durch mangelnde digitale Werbung Informationsmöglichkeiten genommen, kann er nicht nachvollziehen: "Digitale Informationsmedien für die Bürger werden in der Argumentation der Werbewirtschaft gerne vermengt, stellen sich aber als ganz anderer Themenbereich dar." Trotzdem werde sich die Stadt auch hier konzeptionell positionieren. bre 

Hier kann der ganze offene Brief gelesen werden: Offener Brief an die Stadt Frankfurt - digitale Werbung
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