Digital News Initiative Einfach und schnell durch die mobile Verlagswelt - mit Google

Donnerstag, 08. Oktober 2015
Google reagiert auf die Klage der VG Media
Google reagiert auf die Klage der VG Media
Foto: Foto: Google

Knapp ein halbes Jahr, nachdem sich acht europäische Verlage (darunter FAZ, Süddeutsche Zeitung und Zeit Online) mit dem Internetkonzern Google zur Digital News Initiative zusammengeschlossen haben, vermeldet der Verbund Fortschritte in einem Bereich, in dem es für alle Beteiligten wohl den größten Nachholbedarf gibt: Mobile. Sogenannte Accelerated Mobile Pages (AMP) sollen die Performance von Websites im mobilen Internet verbessern, in dem sie unter anderem schnellere Ladezeiten selbst für große Datenmengen ermöglichen.

Dass das für Medienseiten, die in der Regel viele Bilder und immer mehr Videos und interaktive Infografiken enthalten, Sinn macht, weiß jeder Nutzer, der außerhalb der App Zeitungsartikel mobil lesen will. Kommen noch aufwendige Anzeigen dazu, dauert es noch länger, bis sich die Seiten auf dem Smartphone aufbauen - eine Schwäche, die nicht nur Anbietern von Adblockern in die Hände spielt, sondern auch die mobilen Nutzerzahlen der Verlage nicht gerade explodieren lässt.

Ermöglicht wird die beschleunigte Darstellung von AMP durch eine Version des Darstellungsformats HTML, das Google AMP HTML nennt. Es soll mobile Seiten "leichter" machen. Zudem sorgt der Konzern für responsives Design, sodass Inhalte plattform- und geräteübergreifend in der gleichen Form genutzt werden können.
Mit Accelerated Mobile Pages (AMP) will Google für schnellen mobilen Erfolg sorgen
Mit Accelerated Mobile Pages (AMP) will Google für schnellen mobilen Erfolg sorgen (Bild: Google)
Über 30 Verlage habe sich dem Projekt bereits angeschlossen. Interessant: Neben deutschen Häusern wie Frankfurter Allgemeine Zeitung und Zeit Online sowie Zeitungen wie der "New York Times" kooperiert Google auch mit Twitter, Pinterest und Linkedin. Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von FAZ.net, erwartet von AMP einen spürbaren Schub in der mobilen Nutzung und dementsprechend steigende Werbeeinnahmen.

Der Suchmaschinenkonzern beschreibt AMP als "Open Source"-Initiative, die ständig weiterentwickelt werden kann. Die redaktionellen Inhalte verbleiben dabei auf den jeweiligen Verlagssites – anders als beispielsweise bei Facebooks Instant Articles, mit denen das Netzwerk ebenfalls mehr mobilen Komfort verspricht, in dem es den Content über den eigenen Server ausspielt.

Wie schon zum Start der Digital News Initiative gibt sich Google auch bei der Vorstellung von AMP großherzig: Der Konzern wolle es Publishern auf der ganzen Welt ermöglichen, ihren "großartigen Journalismus" technologisch einwandfrei auf allen Plattformen zu verbreiten. Zudem wolle man sowohl digitale Bezahlmodelle unterstützen als auch die nutzerfreundliche Darstellung von Anzeigen ermöglichen.

Im Leistungsschutzrechtsstreit mit deutschen Verlegern bleibt der Konzern dagegen hart und bekräftigt immer wieder, nicht für die Darstellung kleiner Text-Ausschnitte zu bezahlen. Verlage könnten selbst entscheiden, ob und wie ihre Inhalte bei Google angezeigt werden. kan

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