Digital Innovators’ Summit Was technologischer Fortschritt mit dem 80-jährigen Bayer zu tun hat

Montag, 21. März 2016
Hearst-Manager Duncan Edwards auf dem Digital Innovator´s Summit
Hearst-Manager Duncan Edwards auf dem Digital Innovator´s Summit
Foto: Ole Bader/sandwichpicker.com

Mission Possible: Beim neunten Digital Innovators’ Summit von VDZ und FIPP diskutieren heute und morgen Branchenvertreter, die sich offenbar ziemlich wohlfühlen in der disruptiven, zunehmend virtuellen Welt. „Wir haben die Marken, auf die Menschen und Werbekunden achten“, sagt beispielsweise Duncan Edwards, CEO von Hearst Magazines, voller Selbstbewusstsein. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Mit seinem “Best-Practice”-Beispiel eröffnete Edwards die zweitägige Veranstaltung in Berlin, die mit mehr als 600 Besuchern aus 36 Nationen im Jahr 2016 erneut einen Teilnehmerrekord verzeichnet. Der Hearst-Chef, international unter anderem verantwortlich für Magazine wie „Cosmopolitan“, „Esquire“ und „Harper’s Bazaar“, schilderte dabei nicht nur den Weg seines Medienhauses, sich digital komplett neu zu erfinden, er forderte die Branche zudem zu gleich starken Entscheidungen im Digitalen auf: „Sie brauchen eine sehr klare Strategie, wie Sie Ihr Geld ausgeben wollen.“

Für Edwards sind Technologie, Produkt, Inhalt, Werbung und Verbreitung nicht mehr zu trennen. Ein globaler Anspruch, den Hearst auch global berücksichtigt: Beim Nutzer, der 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche mit für ihn optimierten Inhalten versorgt werden soll, und bei den jeweiligen Marken, für die Edwards zunehmend übergreifende Strukturen anstrebt. So will Hearst in diesem Jahr unter anderem Werbungtreibenden die Möglichkeit geben, international zu werben, gleichzeitig aber auch das Gesamt-Portfolio auf die wichtigsten Märkte ausrollen. Zählbare Erfolge verzeichnet Edwards mittlerweile auch mit neuen Werbeformen: Der meist gesehene Inhalt auf der Website von  „Marie Claire“ war im Jahr 2015 eine native Anzeige der Unilever-Marke Tresemme.

Technologie und Big Data prägen nicht nur die Zeitschriftenwelt von Hearst, sie sind auch bei Centaur Media in Großbritannien und Schibsted Norwegen zentral. Steve Newbold etwa, bei Centaur Managing Director und unter anderem für die B-to-B-Titel „Marketing Week“ und „The Lawyer“ verantwortlich, appellierte an die Zuhörer, mithilfe der Auswertung von Nutzerdaten ein besseres Verständnis für den User zu entwickeln. Dieses Vorgehen gebündelt mit Multi-Plattform-Content hat Newbold zufolge auch dafür gesorgt, dass man dem  „Lawyer“ nach extrem schlechter Performance im Jahr 2013 wieder zu Erfolg verhelfen konnte. Und auch über Print spricht der Centaur-Chef. Ein starkes Print-Produkt sei schließlich ein wichtiger Anker, der ein erfolgreiches Medienunternehmen in der digitalen Welt stütze. 

Schibsted-Manager Torry Pedersen
Schibsted-Manager Torry Pedersen (Bild: Ole Bader/sandwichpicker.com)
Dennoch: Die Disruption geht schneller und schneller, und für Tory Pederson, CEO des norwegischen Medienkonzerns Schibsted, gibt es noch viel zu tun. Vor allem, weil sich die Branche mittlerweile einer völlig neuen Form des Internets gegenüber sehe: Der Nutzer sei kein unbekanntes Wesen mehr und mittlerweile sehr gut zu identifizieren. Deshalb sei es notwendig, die bisherige Art des Arbeitens zu überdenken. „Hören Sie auf, einem 80-jährigen Bayern dieselben Inhalte anzuzeigen wie einer 22-Jährigen in Kreuzberg“, sagte Pederson und schilderte zudem vier Schritte, die er als „re-thinking the newsroom“ beschreibt:

1) Entdecke Neuigkeiten und Trends in Echtzeit,

2) Schreibe eine spannende Geschichte,

3) Kuratiere andere Inhalte, um den Nutzer zur richtigen Zeit und am richtigen Ort anzusprechen, und

4) Beobachte die Reaktionen der Leser in Echtzeit und lerne daraus.

Für Letzteres hat jeder Schibsted-Redakteur übrigens eine eigene App. kan

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