Digital Innovators' Summit "Vor einer Spreu-Weizen-Diskussion"

Montag, 24. März 2014
"Die Verlage haben ihre Hausaufgaben gemacht": ToFo-Vorstand Christoph Schuh
"Die Verlage haben ihre Hausaufgaben gemacht": ToFo-Vorstand Christoph Schuh


Die Verlagsangebote gehören sowohl bei Reichweite als auch beim Vermarktungsumsatz zu den führenden Angeboten im deutschsprachigen Internet. So weit die gute Nachricht für die Medienhäuser. Die weniger gute: Beim Werbeumsatz wird die Kluft zwischen den Big 4 (Apple, Amazon, Facebook, Google) und Axel Springer, Burda und Co größer - zwei zentrale Ergebnisse des Pressegesprächs im Rahmen des Digital Innovators' Summit des VDZ.
"Die deutschen Verlage haben ihre Hausaufgaben in Sachen Digitalpublishing gemacht." Christoph Schuh malt in seiner Bilanz zwar nicht in rosarot. Mangelndes Selbstbewusstsein kann man dem Vorstand von Tomorrow Focus und Leiter des Arbeitskreises Digitale Medien im VDZ aber auch nicht absprechen. Im Gegensatz zu den USA sei das Internet in Deutschland nach wie vor sehr von Verlagsangeboten geprägt, so Schuh. Sieben der Top-20-Websites seien Medien-Websites. Fast 50 Prozent der Top-20-Vermarkter seien Verlagstöchter (Google und Facebook außen vor gelassen). "Die Medienhäuser haben hierzulande frühzeitig und mit starken finanziellen Engagement ins Internet investiert."

Trotz aller Bemühungen und Investments muss der VDZ eingestehen: Die Umsatzkluft zwischen den Big 4 und den Verlagen ist größer geworden. Der Dauerkampf insbesondere gegen den Werbegiganten Google derzeit auch europaweit ausgetragen im Rahmen des EU-Kartellverfahrens gegen den Internet-Giganten ist nicht der einzige Punkte, der vielen Verlagen derzeit Kopfzerbrechen bereitet. "Wir befinden uns mitten in einer Transformation Richtung Mobile", so Schuh, "und wir werden noch eine neue Spreu-Weizen-Diskussion erleben." Die zunehmende Nutzung des Internets über Smartphones und Tablets werde dazu führen, dass, so Schuh, "wenige publizistische und profitable Leuchttürme übrig bleiben."

Mit mobilen Konkurrenzumfeldern kennt sich Schuh bestens aus. Das von Tomorrow Focus vermarktete Focus Online hat Spiegel Online im Januar erstmals vor allen Dingen auch dank einer Mobile first -Strategie und aggressiven Social-Media-Maßnahmen überholt. Dass Social Media für Verleger eine enorme Bedeutung gewonnen hat, hatte VDZ-Manager Alexander von Reibnitz schon in seiner Eröffnungs-Keynote betont. VDZ-Arbeitskreisleiter Schuh haut in die gleiche Kerbe: "Wenn man künftig zu den Leuchtturm-Medien gehören will, muss man über Vertrieb und Reichweite anders diskutieren als früher. Man darf sich nicht nur auf den guten Content seiner Redakteure verlassen, sondern muss sich Gedanken darüber machen, wie man potenzielle Leser erreicht. Mit anderen Worten: Man muss sich Gedanken über Social Media machen." vs
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