"Die richtige Konsequenz" So kommentieren die Medien das Aus für "Wetten, dass ..?"

Montag, 07. April 2014
Aus nach 33 Jahren: "Wetten, dass ..?" wird zum Jahresende eingestellt
Aus nach 33 Jahren: "Wetten, dass ..?" wird zum Jahresende eingestellt


Nun ist es also passiert: Das ZDF hat angekündigt, "Wetten, dass ..?" zum Jahresende einzustellen. In den Feuilletons regieren seither Analysen über die Gründe für das Aus, persönliche Erinnerungen von Autoren sowie Nachrufe auf den Show-Dino, der nun nach 33 Jahren abtreten muss. HORIZONT.NET zeigt ausgewählte Pressestimmen und Twitter-Reaktionen zum Aus für "Wetten, dass ..?".

Alexander Kühn, Spiegel Online

Aus einer Sendung ist nicht zwangsläufig die Luft raus, nur weil sie wie "Wetten, dass..?" schon seit 33 Jahren läuft. Das beste Beispiel für Markenpflege ist der noch gut zehn Jahre ältere "Tatort" im Ersten. Der steht zwar langfristig in der Gefahr, zu Tode eventisiert zu werden, mit immer neuen Kommissaren, die immer seltener ermitteln wollen. Gerade aber stellen die Teams alle paar Wochen ihre persönliche Zuschauerrekorde auf. Der Sonntag ist der neue Samstag. Und der "Tatort" das neue "Wetten, das..?". Das, was man schaut, weil's alle schauen.

Michael Hanfeld, Faz.net

Es war eine zuletzt ausweglose Situation, aus der das ZDF die richtige Konsequenz zieht. Und dabei noch immer sehr viel besser dasteht als die Konkurrenz, bei der Dieter Bohlen weder für gute Unterhaltung noch für großes Publikum sorgt. Von dem Gedanken, alle erreichen zu müssen, sollten sich die Fernsehmacher verabschieden, es sei denn, sie produzieren einen Tatort oder zeigen Fußball. Die Zeit der Familienfernsehabende ist vorbei. Und die Zeit der harmlosen Wetten auch. Gewettet wird heute nicht im Fernsehstudio auf kleine Kunststücke, sondern an den Finanzmärkten auf den Kollaps von Staaten. Topp, die Wette gilt!

Holger Gertz, Sueddeutsche.de

Diejenigen, die Wetten dass..? nicht lange kennen, haben keinen Grund, jetzt traurig zu sein. Und auch bei demjenigen, der sich noch gut an die erste Wette bei Thomas Gottschalk erinnern kann (Werner Steinhausen aus Dortmund wollte 50 Hunderassen an ihren Ohren erkennen, scheiterte aber an den Ohren eines englischen Terriers) hält sich die Wehmut über das Aus von Wetten, dass..? in Grenzen. Erst recht nach der Sendung vom Samstag.

Richard Herzinger, Welt Online

Die Gelegenheit, es in Würde zu beerdigen, als Deutschlands ewiger Lieblings-Goldjunge Thomas Gottschalk die Moderation hinwarf, hat man verpasst, Statt dessen ließ man die farb- und konturlose Dampf-Plaudertasche Markus Lanz das legendäre Image dieser Sendung, die einmal das herzerwärmende Lagerfeuer der deutschen TV-Gemeinde bildete, verramschen und damit alle verbliebenen wehmütigen Gefühle tilgen, die einen beim Abschied von dem Fernseh-Dinosaurier noch hätten beschleichen können. Doch es wäre ungerecht, dem ohnehin viel gescholtenen Lanz die Schuld für das absehbare Desaster in die Schuhe zu schieben. Er stand vielmehr von vorneherein auf verlorenem Posten und hätte für seine Bereitschaft, das Himmelfahrtskommando der Rettung eines offensichtlich überlebten Unterhaltungsgenres zu übernehmen, eher einen Tapferkeitsorden verdient.

Felix Müller, Morgenpost.de

Das Familienfernsehen, wie es jahrzehntelang von "Wetten, dass..?" verkörpert wurde, hat aufgehört zu existieren. Der Druck, der davon ausgeht, etwas nicht verpassen zu dürfen: Dieses Format vermag ihn nicht mehr zu erzeugen, schon lange nicht mehr. Und damit könnte man sogar seinen Frieden schließen. Man könnte sagen, dass mehr als sechs Millionen Zuschauer ein guter Wert ist, besser immer noch als die erfolgreichsten Formate des Privatfernsehens. Aber so viel Realismus ist offenbar bei "Wetten, dass..?" nicht zu haben. (...) Alle wollen, dass "Wetten, dass..?" das Flaggschiff bleibt, das es schon lange nicht mehr ist. So hat die Sendung keine Zukunft.

Jan Freitag, Zeit Online

Das waren Zeiten, nein es war eine Epoche, als der mediale Fahnenappell sechs, sieben Mal im Jahr drei Viertel aller fernsehenden (West-)Deutschen vorm Zweiten dreier Programme bannte. Gut, der Zuspruch sank und sank und sank keinesfalls erst auf der Schleimspur von heute. Er sank, weil plötzlich Privatsender gegenansendeten. Weil das Internet Aufmerksamkeit abzog. Weil ein selbstgerechter Moderator in lockigem Blond nur um sich selbst kreiste. Er sank also lange vor dem Oktober 2012.







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