"Die müssen raus aus Bayern" Horst Seehofer verärgert (über) Journalisten

Dienstag, 27. August 2013
Horst Seehofer legt sich mal wieder mit der Presse an (Bild: CSU)
Horst Seehofer legt sich mal wieder mit der Presse an (Bild: CSU)

Horst Seehofer sorgt mal wieder für eine Medien-Kuriosität: Der bayerische Ministerpräsident, der Journalisten schonmal als "Bluthunde" bezeichnet, hat sich aktuell auf die ARD eingeschossen. Das Vorgehen eines Reporterteams der WDR-Sendung "Monitor" veranlasste Seehofer zu dem Satz: "Die müssen raus aus Bayern". Was war passiert? Vergangenen Freitag fand in Würzburg eine Wahlkampfveranstaltung der CSU statt. Die Journalisten um den WDR-Mann Stephan Stuchlik wollten eigentlich Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm einige Fragen zu einem Bericht des Obersten Bayerischen Rechnungshofes zur so genannten Verwandten-Affäre stellen. Die CSU-Politikerin fühlte sich jedoch bedrängt und verweigerte eine Stellungnahme - nicht jedoch, ohne den Reportern "schlechtes Benehmen" zu attestieren, wie die "Mainpost" berichtet. Dazu gab es bereits eine Vorgeschichte: Telefonischen Anfragen sei Stamm ausgewichen, schließlich habe sie das Interview abgesagt mit der Begründung, sie habe die Sorge, in einem falschen LIcht dargestellt zu werden. So berichtet es Stuchlik gegenüber "Spiegel Online".

Laut "Mainpost" bekam Seehofer, der auf der selben Veranstaltung in Würzburg weilte, Wind von der Sache und machte sich auf die Suche nach dem "Monitor"-Team. Dieses war jedoch bereits abgereist. Den anwesenden Journalisten der "Mainpost" zufolge sagte der CSU-Parteichef zunächst: "Das geht so nicht, da werde ich mich sofort drum kümmern" Und dann: "Die müssen raus aus Bayern." Dabei habe Seehofer "richtig genervt" gewirkt, wie "Mainpost"-Reporter Henry Stern Spiegel Online sagte.

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn (Bild: WDR/Herby Sachs)
WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn (Bild: WDR/Herby Sachs)
Sein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit bringt dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht nur Schelte von der Opposition ein, auch der Koalitionspartner FDP heißt Seehofers Verhalten nicht gut. Zugleich reagierte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn reichlich gelassen: "Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind. Aber wir stellen sie, auch in Bayern. Auch dort gilt die Rundfunkfreiheit", so Schönenborn. Allerdings sehe er mit Sorge, wie oft bei unbequemen Themen aus allen politischen Parteien Interviewtermine trotz mehrfacher Anfragen immer wieder verweigert würden. Das sei nicht nur ein bayerisches Problem.

Auch die für "Monitor" verantwortliche Inlandschefin des WDR-Fernsehens Sonia Mikich zeigte sich verärgert: "Unser Team hat sich korrekt verhalten. Es ist unser Job, direkt und wenn notwendig auch mehrmals nachzufragen." Und Stuchlik? "Ich finde es als gebürtiger Bayer seltsam, dass man mich aus meinem Heimatland rauswerfen will", so der Journalist. Doch hierfür hat Mikich eine Lösung: "Falls der freundliche Passauer Stephan Stuchlik nicht mehr über die bayrische Landesgrenze kommen darf, bekommt er gewiss politisches Asyl im liberalen NRW." ire
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