"Die Triumphantin" Die Medienschau zur Bundestagswahl

Montag, 23. September 2013
Angela Merkel dominiert die Titelseiten der großen Tageszeitungen
Angela Merkel dominiert die Titelseiten der großen Tageszeitungen


Der überragende Wahlsieg der CDU ist am Montag das dominierende Thema in allen Medien. Bundeskanzlerin Angela Merkel strahlt von den Titelseiten fast aller großen Tageszeitungen. Nur die "taz" lässt es sich nicht nehmen, der tief gefallenen FDP noch ordentlich einen mitzugeben. HORIZONT.NET präsentiert die Titelseiten der großen Tageszeitungen und ausgewählte Kommentare zum Ausgang der Bundestagswahl 2013.
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"Bild"

"Merkels größter Triumph!" jubelt die "Bild". Noch-Vize-Chefredakteur Nikolaus Blome kommentiert auf Seite 2: "Angela Merkel hat gesiegt. Es ist IHR Triumph. (...) Es ist ein phänomenaler Sieg der Frau, zu der eine Mehrheit der Deutschen Vertrauen hat - und nur das scheint an den Urnen gezählt zu haben. Nicht Steuern, Grechtigkeit oder der Euro waren entscheidend, sondern diese Frage: Wem Trauen die Bürger ruhige Vernunft und gute Nerven im Kanzleramt zu?"

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"Süddeutsche Zeitung"

Die "Süddeutsche Zeitung" hat offenbar noch bis zuletzt an ihrem Aufmacher gefeilt. Während Merkel auf Teilen der Auflage noch mit dem braunem Blazer abgebildet ist, den sie bei der Stimmabgabe trug (Überschrift: "Klarer Sieg für Merkel"), lächelt sie in der endgültigen Version in dem blauem Blazer von der Titelseite, den sie am Wahlabend getragen hat. Auch die Überschrift "Merkel triumphiert, FDP erlebt Debakel" wurde im Verlauf des Abends noch einmal angepasst.

Heribert Prantl
ruft die Bundeskanzlerin in seinem Kommentar zur "Triumphantin" aus: "Triumphator ist ein Wort, das es eigentlich nur in der männlichen Form gibt; Angela Merkel macht das Wort weiblich. Sie erringt einen Wahlsieg, der nicht nur Sieg ist, sondern Triumph. Es ist ihr Triumph, weniger der Triumph der Union. Sie als Person, sie als Kanzlerin hat ihn errungen, mit Beliebtheitswerten, die in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig sind."

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"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Auch von der Titelseite der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" grüßt Merkel. In der Bildunterschrift hat die konservative Zeitung sogar einen ironischen Seitenhieb auf den SPD-Kanzlerkandidaten untergebracht: "Sie kann es" steht dort - eine Anspielung auf das "Spiegel"-Interview, in dem Altkanzler Helmut Schmidt Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten der SPD empfahl.

Berthold Kohler hebt in seinem Kommentar ebenfalls die Rolle der Kanzlerin hervor: "CDU und CSU haben in diesem Wahlkampf nicht auf ein Programm gesetzt, sondern auf eine Person: die Kanzlerin. Das Kalkül ist aufgegangen. Die Union wurde, von einem warmen bayerischen Aufwind unterstützt, wieder mit Abstand stärkste politische Kraft. Sie hat deutlich mehr Stimmen bekommen als in den letzten beiden Bundestagswahlen, in die sie auch schon unter Führung von Angela Merkel gezogen war. Die Kanzlerin gewann seither so viel an Ansehen, dass sie als klare Siegerin aus dieser Wahl hervorgeht. Das Ergebnis ist eine Bestätigung ihrer Politik wie auch ihres Politikstils."

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"Die Welt"

"Merkels Triumph" titelt "Die Welt". Thomas Schmid fordert die Kanzlerin in seinem Kommentar auf, endlich aus der Deckung zu kommen.

"Angela Merkel hat ohne ihre Partei gewonnen. Sie gefällt den Deutschen so gut, weil sie so unauffällig, scheinbar ganz ohne Narzissmus ihrer Arbeit nachgeht und die Bürger weder nervt noch behelligt. Sie macht das schon. Doch wird das reichen? Ihr Sieg war ein Sieg ohne Klarheit und Richtung, es war ein Sieg des So-Seins. Nun hat Angela Merkel nichts mehr zu verlieren. Sie könnte aus ihrer Deckung kommen. Sie sollte ihre vermutlich letzte Legislaturperiode nutzen, um nicht nur in Europa, sondern auch daheim reformerisch tätig zu werden. Noch einmal vier Jahre wird sie nicht vom Erbe Gerhard Schröders zehren können."

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"Welt Kompakt"

Gewohnt frech macht die "Welt Kompakt" auf illustriert Angela Merkels Triumphzug bildhaft

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"Hamburger Morgenpost"

Die "Hamburger Morgenpost" zeigt wenig Respekt vor dem Triumph von Angela Merkel und titelt: "Mutti kriegt sie alle klein"

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"Handelsblatt"

"Handelsblatt"-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs sieht vor allem Merkels "Dauereinsatz" bei der Rettung des Euro als Grund für ihren großen Wahlsieg: "Der Euro wart das Schicksal der Angela Merkel bei dieser Bundestagswahl, die so außerordentlich gut für sie ausgegangen ist. Mit knapp 42 Prozent und damit dicht an der absoluten Mehrheit der Sitze im Bundestag, hat sie ein Ergebnis eingefahren, das an die Erfolge der CDU-Legende Helmut Kohl heranreicht. Damit hat die Bundeskanzlerin erkennbar von ihrer europäischen Krisenpolitik in den vergangenen Jahren profitiert."

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"taz"

Die "taz" schert mal wieder aus: Chefredakteurin Ines Pohl twitterte gestern Abend den Titel der Hauptausgabe, auf der die linksalternative Zeitung der FDP noch einmal schön einen mitgibt. Auch Kommentator Stefan Reinecke erfreut sich vor allem am Ausschieden der Liberalen aus dem Bundestag: "Es ist angesichts der Merkel-Mania der Deutschen nicht leicht, dieser Wahl Erfreuliches abzugewinnen. Aber es gibt Positives. Eine Regierung ohne FDP bedeutet: Das Bremserhäuschen in der nächsten Regierung bei Mindestlohn, höheren Steuern für Reiche und bei der Energiewende ist erstmal leer. Ob der einst mächtige, aber seit Fukushima ratlose und personell dünne Wirtschaftsflügel der Union diese Rolle einfach übernehmen kann, ist zumindest offen." dh
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