"Die 2" im HORIZONT-Check Es braucht mehr "Helikopter-Momente"

Dienstag, 10. September 2013
Gruppenbild mit Dame: Günther Jauch, Moderatorin Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk
Gruppenbild mit Dame: Günther Jauch, Moderatorin Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk


Günter Jauch und Thomas Gottschalk gemeinsam in einer Prime-Time-Sendung bei RTL das ist, als würde Jogi Löw Michael Ballack und Oliver Kahn plötzlich wieder zur Nationalmannschaft einladen. Zwar ist das Können der beiden Showgiganten nach wie vor unbestritten, so richtig zugetraut hat man ihnen den großen Auftritt auf der Showbühne allerdings nicht mehr. Dabei haben Jauch und Gottschalk aus der Sendung viel rausgeholt mehr, als das Konzept eigentlich hergab.

Die Protagonisten:

Jauch und Gottschalk kennen sich mittlerweile seit über 30 Jahren und haben schon so manche TV-Schlacht geschlagen. Gerade bei Gottschalk war mit seiner Vorabendsendung bei der ARD auch ein vertaibler Flop dabei. Dennoch gilt: Dass sie etwas können, müssen sie nun wirklich niemandem mehr beweisen. Entsprechend entspannt ging es zunächst zu: Die beiden Showgiganten, von der souveränen Moderatorin Barbara Schöneberger wahlweise auch als "Alphatiere" tituliert, flachsten herum, flirteten mit der Moderatorin und zogen konsequent ihre "Good Cop Bad Cop"-Nummer durch: Jauch mimte den Staatsmann mit dem Schalk im Nacken, während Gottschalk wie zu besten Wetten dass -Zeiten für die Lausbubenscherze zuständig war. Beispiel gefällig? Als Schöneberger bekräftigte, dass sie keine Tätowierung habe, konterte Gottschalk mit einem trockenen "Dann ist ja noch viel Platz."

Das Konzept:

Angekündigt war die Sendung als großes Duell der beiden Showgiganten gegen Deutschland. Da erwartet man als Zuschauer eigentlich jede Menge ausgefuchster Frage-und-Antwort-Spielchen. Fragen a la "Wer wiegt mehr: Unser Saalpublikum oder 1 Million Euro in Centmünzen?" oder die Einlage, Autos mit verbundenen Augen ertasten zu müssen, vermochten jedoch nicht wirklich zu zünden. Hinzu kam, dass die Raterunden immer wieder unterbrochen wurden von jeder Menge Leerlauf. Dazu gehörten auch technische Pannen wie eine missglückte Live-Schalte nach Leipzig zu Otto Waalkes. Welch ein Glück, dachte man da, dass mit Jauch und Gottschalk zwei Meister des Zwischenspiels auf der Bühne standen. Schade, dass das immer wieder nur ansatzweise durchkam. Bei Gottschalk dominierte denn auch irgendwann ein gönnerhaftes Lächeln die Gesichtszüge, das auszudrücken schien: "Ich habe das hier doch eigentlich gar nicht mehr nötig."

Das Highlight:

Der Start der Sendung - Stichwort Leerlauf - verlief reichlich schleppend. Die Einspieler aus der Jugend der beiden Protagonisten hatten da beinahe noch den höchsten Unterhaltungswert. Fast zwei Stunden dauerte es, bis der Durchbruch geschafft schien: Als Günther Jauch, mehrere Meter über dem Boden an einer Helikopter-Stange hängend, durch den Saal gezogen wurde und Thomas Gottschalk währenddessen 26 Fragen von Schöneberger korrekt beantwortete, tobte das Publikum. Und man saß vor dem Fernseher und fragte sich: Warum nicht gleich so?

Die Quoten:

Für den Anfang war der Zuschauerzuspruch sehr ordentlich. Insgesamt sahen 6,85 Millionen Zuschauer zu und sorgten für 24,6 Prozent Marktanteil. Noch wichtiger für RTL: Vor allem beim jungen Publikum, das den Sender zuletzt zunehmend mit Liebesentzug gestraft hatte, war die Resonanz mit 2,59 Millionen Zuschauern und 23,9 Prozent Marktanteil ausgesprochen gut.

Fazit:

"Was wir hier machen, ist Grimmepreis-verdächtig", jubelte Schöneberger beim letzten Spiel (Aufgabe: Den Wert von einem Riesen-Haufen Pfandflaschen berechnen) mit viel Ironie in der Stimme. In der Tat ist "Die 2" damit wohl am besten beschrieben. Der Grundgedanke, zwei verdiente Größen des Showbusiness auf der Bühne sie selbst sein zu lassen, stimmt schon mal. Was die Sendung allerdings gut gebrauchen könnte, wäre ein wenig mehr Spannung. Heißt: Bessere Spiele in kürzerer Zeit knackig auf die Bühne gebracht. ire
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