Deutscher Radiomarkt Bauer beklagt „verkrustete Strukturen und Kleinstaaterei“

Freitag, 29. Juli 2016
Bauer-Manager Andreas Schoo
Bauer-Manager Andreas Schoo
Foto: BMG

Antennen ausgefahren: Die Bauer Media Group hadert mit dem hiesigen Radiomarkt. Der Familienverlag ist in etlichen europäischen Ländern seit langem ein großer Hörfunkplayer – und würde hier gerne auch in Deutschland investieren. Wenn da nur eines nicht wäre.

„Es gibt wenig Wettbewerb, dafür eine hohe Regulierungsdichte und eine Blockadehaltung gegenüber neuer Technologie – das bremst die Weiterentwicklung der Gattung“, beklagt Bauer-Konzerngeschäftsleiter Andreas Schoo im HORIZONT-Interview „verkrustete Strukturen und Kleinstaaterei“. Eben deshalb sei hierzulande der Radioanteil am Werbemarkt viel geringer als in anderen Ländern.

Über den Digitalstandard DAB plus hofft Bauer nun den Einstieg ins deutsche Radiogeschäft zu finden. Und würde – wie bereits in England – auch in den dafür notwendigen Aufbau einer weiteren Verteilstation („Multiplex“) investieren, wenn die Politik die „Überregulierung“ im deutschen Rundfunksystem („kein Paradebeispiel für Marktwirtschaft“) behebe. Zudem solle die Politik neue Radiolizenzen nur noch dann erteilen, wenn die Sender auch DAB plus bedienen. „Wenn auf diese Weise Hörernachfrage entsteht, werden die Gerätehersteller und auch die PKW-Industrie für ihre Autoradios von ganz alleine reagieren“, sagt Schoo.

Die Politik müsse erkennen, dass DAB plus der Radiolandschaft durch höhere Reichweiten und entsprechend bessere Vermarktungsmöglichkeiten „ganz neue Impulse geben würde“. Überhaupt Radio: „Wir sehen weltweit einen starken und teils dramatischen Rückgang der TV-Reichweiten, daher wird Radio für viele Werbekunden zu einer echten und effizienten Alternative.“ Hier bräuchten mögliche neue Player wie Bauer aber Investitionssicherheit.

Außerdem spricht Schoo über die Herausforderungen in Australien („Zeitschriftenwerbung hat dort nur noch einen Marktanteil von 2 Prozent“) und im US-Vertriebsmarkt sowie über die Lehren daraus fürs Deutschlandgeschäft („Eine gewisse größere Anzahl an Grossisten ist förderlich fürs Gesamtsystem“), ferner über die Annäherung internationaler Lesegewohnheiten und Bauers Erkenntnisse nach 15 Jahren weltweitem Digitalgeschäft.

Mittlerweile kann Schoo auch dem BGH-Urteil gegen Bauer etwas Gutes abgewinnen, das bestätigt hatte, dass der Grosso-Verband die Handelskonditionen zentral verhandeln darf: „Der Vorteil der neuen Situation ist, dass auch wir Verlage uns jetzt bei den Handelspreisen absprechen und zentral verhandeln dürfen.“ In den kommenden Handelsspannen-Verhandlungen könnten die Verlage „in einer Phalanx auftreten“, was früher kartellrechtlich verboten war. In der Tat hat das positionierende Säbelrasseln hier längst begonnen. rp 

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