Deutscher Medienkongress Franziska Augstein liest den Verlagen die Leviten

Mittwoch, 21. Januar 2015
Franziska Augstein ist Redakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung"
Franziska Augstein ist Redakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung"
Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Diese Sätze von dieser Absenderin muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Pressehäuser müssen ihre Ansprüche an die Rendite zurückschrauben, mehr als 10 bis 15 Prozent werden in der Regel nicht mehr drin sein – und auch damit kann man leben." Sagte Franziska Augstein auf dem Deutschen Medienkongress. Ein bemerkenswertes Statement, aus mehreren Gründen. Und vorausgegangen war ihre nicht minder bemerkenswerte Rede.

Franziska Augstein ist Redakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung", Tochter und Miterbin des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein sowie Mitgesellschafterin des Spiegel-Verlags. Damit erhält sie nach dem Millionenerbe vor über zehn Jahren (Rudolf Augstein starb Ende 2002) seitdem Jahr für Jahr früher höchste und heute immer noch hohe Ausschüttungen aus den Millionengewinnen des "Spiegel", der früher Umsatzrenditen von 20 bis 30 Prozent einfuhr – und heute wohl immer noch die Hälfte, immerhin.

Wenngleich, das möchte man an dieser Stelle hinzufügen, so mancher Verlag dieser Tage selbst von Renditen von 10 Prozent oder gar 5 Prozent nur träumen kann, Effizienzprogramme also nicht immer nur der Gier der Gesellschafter dienen, sondern bisweilen auch schlicht dem Geschäftserhalt.

Zuvor hatte die Journalistin die in der 1. Reihe versammelten Chefs der Großverlage furios, sarkastisch und süffisant dafür kritisiert, dass deren aktuelle Strategien, Sparprogramme und neuen Geschäftsmodelle oft so gar nicht zu ihren Sonntagsreden pro Journalismus und pro Print passten. Augstein vermied Namensnennungen – aber jeder im Saal wusste, wer gemeint war. Die einen Häuser verscherbelten florierende Titel (Springer), einige vermarkteten alles Mögliche, von Anzeigen bis Tierfutter (Burda), andere feuerten "nur" schreibende Redakteure, um "agile Kompetenzteams" aus Freien zu bilden (hier zitierte Augstein die offiziellen Sprachregelungen, mit denen G+J seine Entlassungen bei "Brigitte" schönredete).

Und das alles nur, weil die Strategen in den Verlagen meinten, die Goldgräberzeiten für Zeitungen und Zeitschriften seien vorbei. "Print-Verlage in der digitalen Welt sind wie Eisberge in Zeiten des Klimawandels" – diese fatale Sicht aufs eigene Geschäft stellt Augstein in vielen Häusern fest. Da heiße Inhalt plötzlich Content ("Das klingt nach Container, in die man alles kippen kann"), der Leser werde zum User umgedeutet. Doch hat die Verlagszunft tatsächlich keine Zukunft? Augstein bezweifelt diese Unkenrufe und klagt den Zahlenzauber in vielen Präsentationcharts an: "Allein eine Prognose macht aus einem florierenden Unternehmen eine lahme Ente."
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Wo bleibt da der Journalismus, fragte Augstein in den Saal. Vor allem der investigative Journalismus? "Ein Missstand in einer Kleinstadt twittert sich nicht von selbst in die Welt hinaus." Das Internet sei als zusätzlicher Recherchekanal wichtig, aber es könne kompetente, findige und mutige Journalisten niemals ersetzen. Der professionelle Journalismus müsse danach streben, besser zu sein als die Hobby-Kommentatoren im Netz, objektiver, analytischer und gleichzeitig sich selbst weniger wichtig nehmend.
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Die Zukunft des Journalismus, auch die seiner Geschäftsmodelle, liegt im Internet? "Abwarten, ich bin da nicht so sicher", so Augstein: "Bisher wird hier mehr Profitabilität unterstellt als gerechtfertigt." Sie empfahl deshalb, auf "überflüssige Hektik" beim Abbau von Print und bei der Umstellung aufs Netz zu verzichten: Solange Online noch keine Renditen erziele, um Qualitätsjournalismus zu finanzieren, "solange dürfen wir Print nicht in die Tonne treten". Andernfalls missachte man zudem breite Leserschichten, die berufstätig seien und nicht den ganzen Tag Zeit haben zum Surfen im Netz. Und man vernachlässige fahrlässig die gut verdienenden und Millionen-starken Zielgruppen über 50 Jahren. "Die Verlagsstrategen sollten nicht nur das Nutzungsverhalten ihrer Kinder im Kopf haben", so Augstein. rp

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