Deutscher Medienkongress Chefredakteure und die Lust am eigenen Untergang

Dienstag, 20. Januar 2015
FAZ-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron beim Deutschen Medienkongress
FAZ-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron beim Deutschen Medienkongress
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Mathias Müller von Blumencron auf Zeitreise: Wie in eine Diskussionsrunde aus dem Jahr 2005 fühle er sich zurückgesetzt, klagte der rührige Online-Chefredakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) am Dienstag beim Deutschen Medienkongress in Frankfurt, als er mit seinen Kollegen über den Journalismus im Netz diskutieren sollte. "Wir sind von der Realität weiter entfernt, als wir es sein dürften", die digitale Revolution habe längst das Verhalten der Menschen erfasst und verändert. Insgesamt sei das Internet das Beste, was der Branche habe passieren können - "wenn man das Geschäftsmodell außer Acht lässt".
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Dabei ist gerade die Diskussion über eine neue Form des Eskalationsjournalismus' im Netz und die Frage, wie Verlage und Journalisten die Jagd nach dem schnellen Klick in Bezug zu inhaltlichen Aspekten setzen, aktueller denn je. Der Begriff der "Lügenpresse" findet sich nicht nur auf den Plakaten der Pegida-Demonstranten, er bahnt sich seinen Weg noch schneller durch die sozialen Netze und verbreitet sich dort wie ein "Brandbeschleuniger" (Peter Klöppel, RTL) - woraus wiederum eine besondere Verantwortung für die Medienbranche resultiert: "Pegida hat das Rechtstabu in Deutschland gebrochen", sagt Müller von Blumencron. "Damit müssen wir uns auseinandersetzen - auf kämpferische Art und Weise". Eine Ausgrenzungsstrategie bringe jedenfalls nichts, ergänzt Brigitte Fehrle, Chefredakteurin der "Berliner Zeitung". 
„Pegida hat das Rechtstabu in Deutschland gebrochen.“
FAZ-Digital-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron
Um diese "Stimme der Vernunft" laut werden zu lassen, werde Papier beziehungsweise die gedruckte Zeitung immer mehr zum Hintergrundmedium, prognostiziert der "FAZ"-Online-Chefredakteur und forderte seine Kollegen dazu auf, ihre digitale Präsenz relevanter zu gestalten. Die Unterschiede zu Print seien dabei nicht so groß wie immer wieder beklagt: "Der 'Stern' oder der 'Spiegel' hat schon immer sehr genau darauf geachtet, was auf den Titel kommt. So funktioniert auch der Online-Journalismus." Die drei bestgeklickten Artikel auf FAZ.net seien ein Portrait über einen Mann, der in den sozialen Netzwerken Streit sucht, der Kommentar zum Gaucho-Dance der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft und eine Analyse über die Entmystifizierung der Liebe. Relevante Musterbeispiele, die (noch) nicht unbedingt repräsentativ für den Online-Journalismus sind, denn: "Bei uns war der Artikel über den Hund, der sich in den Dachsbau gräbt und dann nicht mehr herauskommt, über Tage die bestgeklickte Meldung", erzählt Fehrle von der "Berliner Zeitung".
Die Chefredakteursrunde beim Deutschen Medienkongress
Die Chefredakteursrunde beim Deutschen Medienkongress (Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images)
Auch Thomas Ammann, stellvertretender Chefredakteur beim "Stern", wollte nicht so ganz auf die Online-Lobeshymnen einstimmen: "Ich kenne keine andere Branche, in der die Lust am eigenen Untergang so ausgeprägt ist wie in unserer." Dabei gebe es keinen Grund, Print tot zu reden. Nach dem Terroranschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" habe der "Stern" wegen des Erscheinungstages am Donnerstag erst eine Woche später ausführlich über die Ereignisse berichten können. Laut Ammann war das Heft eines der bestverkauftesten der letzten 18 Monate, was zeige, dass der Bedarf nach Einordnung nach wie vor groß sei und noch immer den etablierten (Print-)Titeln zugeschrieben werde.
Horizont Alte Oper
Bild: dfv

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Viel wichtiger als die Diskussion über Print und Online ist laut Fehrle deshalb die Frage nach dem Überleben des Journalismus' im Allgemeinen - und dessen Finanzierbarkeit: "Wir brauchen eine Balance zwischen den Erlösrückgängen in Print und den Erlöszuwächsen im Netz." Dem stimmte auch ihr Kollege von der "FAZ" zu: "Im Internet Geld zu verdienen ist noch schwieriger als derzeit auf Papier." Das wiederum könnte die Branche auch in zehn Jahren noch beschäftigen. kl
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