Deutscher Medienkongress 2018 Datenschutz aus Brüssel - Wie schlimm wird’s wirklich?

Dienstag, 07. November 2017
BVDW-Justiziar Michael Neuber spricht beim Medienkongress über Datenschutz
BVDW-Justiziar Michael Neuber spricht beim Medienkongress über Datenschutz
© BVDW

Je mehr Daten, desto mehr Macht im Werbegeschäft. Aber welche Informationen darf man in Zukunft noch sammeln, wenn es nach den EU-Plänen geht? Und hat man überhaupt noch eine Chance gegen die "Alles-Wisser" Google, Facebook und Amazon? Diese Fragen diskutieren hochkarätige Experten beim Deutschen Medienkongress 2018.

Alarmstimmung in der Werbewirtschaft: Ende Oktober hat die E-Privacy-Verordnung eine wichtige Hürde genommen: Das EU-Parlament sprach sich mit knapper Mehrheit für einen verschärften Datenschutz im Internet aus. Das Papier sieht vor, dass Unternehmen Daten nicht mehr ohne Einwilligung der Nutzer verarbeiten dürfen. Browser und Betriebssysteme sollen automatisch die datenschutzfreundlichste Voreinstellung erhalten. Zudem sind "Tracking Walls" verboten – man darf also keine Nutzer aussperren, die Cookies nicht zulassen. Ob die Verordnung in dieser Form im Mai 2018 deutsches Recht wird, steht aber noch nicht fest. Wenn ja: Wäre das eine "Katastrophe" und "das Ende des freien Internets", wie die Kritiker glauben? Die Antwort gibt beim Deutschen Medienkongress ein ausgewiesener Fachmann: Michael Neuber, Justiziar und Leiter Recht und Regulierung beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). 

Das Thema Daten beunruhigt die Unternehmen aber auch aus einem anderen Grund: Google, Facebook und Amazon wissen immer mehr über ihre Nutzer und Kunden – so viel, dass sie vor allem in der Werbevermarktung zur übermächtigen Konkurrenz werden. Aber die deutschen Firmen steuern mit Datenallianzen dagegen: Im Mai startete Verimi, eine Plattform von Allianz, Axel Springer, Daimler, Deutscher Bank, dem Kartendienst Here, Deutscher Telekom, Lufthansa und der Bundesdruckerei. Mit einem digitalen Generalschlüssel für das Internet will Verimi einen Gegenpol zu den großen Login-Plattformen wie Facebook liefern. 

Zudem gründeten Pro Sieben Sat 1, die RTL-Gruppe und United Internet ein Bündnis, dem mittlerweile auch Zalando beigetreten ist. "Es ist meine feste Überzeugung, dass wir im globalen Wettbewerb mit Verimi die einzigartige Chance haben, zum ersten Mal einen deutschland- und europaweiten Standard für nutzerfreundliche digitale Geschäftsmodelle zu etablieren", sagt die ehemalige Springer-Managerin Donata Hopfen, die nun als CEO an der Spitze von Verimi steht. 

Aber können die Datenallianzen den US-Konzernen wirklich Paroli bieten? Und vor allem: Was dürfen sie mit ihren gemeinsamen Daten anstellen – und was nicht? Über diese Fragen diskutiert Donata Hopfen beim Deutschen Medienkongress mit Johannes Caspar, Hamburger Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, und Jan Oetjen, Vorstand bei United Internet – man darf sich auf eine kontroverse Diskussion freuen. kj 

Deutscher Medienkongress 2018

Der 10. Deutsche Medienkongress 2018 findet am 16. und 17. Januar 2018 in der Alten Oper Frankfurt statt. Top-Manager aus Unternehmen, Agenturen und Medien werden dort die wichtigsten Zukunftstrends der Branche diskutieren. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT AWARD an die Männer und Frauen des Jahres 2017. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses.
Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1399 Euro. Frühbucher-Tickets sind bis zum 15. Dezember zum reduzierten Preis von 1099 Euro erhältlich. HORIZONT-Abonnenten erhalten zusätzlich jeweils einen Rabatt von 100 Euro auf die Kongressgebühr. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT AWARD. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2018 sind HORIZONT und dfv Conference Group.

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