Deutscher Medienkongress 2017 Überlebt das Fernsehen, Herr Kokko?

Montag, 07. November 2016
Petri Kokko verantwortet das Agenturgeschäft bei Google Deutschland
Petri Kokko verantwortet das Agenturgeschäft bei Google Deutschland
Foto: Google

Petri Kokko ist ein einflussreicher Mann. Bei Google ist der 50-Jährige für das deutsche Agenturgeschäft verantwortlich. Beim Deutschen Medienkongress 2017 wird er seine Vorstellung von der TV-Zukunft präsentieren. HORIZONT Online hat ihm vorab fünf Fragen gestellt.

In seinem ersten Leben war Petri Kokko ein hinreißender und international erfolgreicher Eiskunstläufer: Mit seiner Partnerin Susanna Rahkamo gewann der Finne unter anderem 1995 die Europameisterschaft im Eistanz.

Ab 2003 hatte er als Marketingmanager bei Nike wieder festen Boden unter den Füßen, 2006 wechselte er zu Google. Mittlerweile leitet der 50-Jährige das deutsche Agenturgeschäft des Internetkonzerns. Daneben gehört er zum Google-Team, das die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) betreut – bekanntlich ein heikles Projekt. Beim Deutschen Medienkongress 2017 wird Kokko mit Andreas Bartl, Geschäftsführer RTL II / El Cartel Media, und Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung SevenOne Media, über die Zukunft des Fernsehens diskutieren – und damit natürlich auch über das Reizthema Youtube. Zur Einstimmung fünf Fragen an den vielseitigen Director Agency.

"Bei der lokalen Werbung eröffnen sich riesengroße Möglichkeiten"

Herr Kokko, wird es in zehn Jahren noch lineares TV geben? Natürlich wird es auch in zehn Jahren noch lineares Fernsehen geben – aber die Distributionskanäle werden sich ändern. Vermutlich wird das gesamte Fernsehen IP-basiert sein. Und das Zusammenspiel von linearem TV und Online-Video-Communities wird von Werbungtreibenden und Content-Produzenten gleichermaßen besser verstanden werden.

Die Branche wartet ungeduldig darauf, dass sich Google mit der AGF auf eine einheitliche Quotenmessung einigt. Wie beurteilen Sie die Fortschritte auf diesem Weg aktuell? Sridhar Ramaswamy, Senior Vice President Ads & Commerce bei Google, hat das Thema ja in seiner Keynote auf der dmexco angesprochen. Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck gemeinsam mit unseren Partnern von der AGF daran – die Komplexität der Integration hatten beide Seiten ursprünglich aber unterschätzt.

Sie sind seit Anfang des Jahres für das Agenturgeschäft bei Google zuständig. Wo haben Sie den meisten Erklärungsbedarf? Welche Werbemöglichkeiten auf Google und Youtube werden noch nicht ausreichend genutzt? Das mobile Internet bedeutet nicht weniger als eine Revolution im Nutzerverhalten: Nutzer gehen heute nicht mehr online, sondern sie leben kontinuierlich online und nutzen das Internet in vielen kleinen Mikromomenten. Jedes Unternehmen muss daher überdenken, an welchen Touchpoints und in welchen Momenten im Rechercheprozess es potenzielle Kunden mit welcher Nachricht versorgt. Vor allem im Bereich der lokalen Werbung eröffnen sich hier riesengroße Möglichkeiten, die bisher noch nicht wirklich genutzt werden.

Gibt es typisch deutsche Eigenheiten im Werbegeschäft, über die Sie sich als Finne wundern? Die ungebrochene Wichtigkeit von TV finde ich faszinierend. Ich komme aus einem Markt, in dem es sehr schwierig ist, junge Zielgruppen über das Fernsehen zu erreichen. Manchmal wundert mich auch die mangelnde Bereitschaft, neue Ideen einfach mal auszuprobieren. Das Sicherheitsdenken ist immer noch stark verbreitet, in anderen Märkten ist die Testbereitschaft größer.

Stehen Sie noch ab und zu auf dem Eis? Oder haben Sie das Kapitel Eistanzen komplett beendet? Ich verfolge den Sport noch eng, aber ich selbst bin nur noch selten auf dem Eis. Ich habe einige Spieler der National Hockey League, also der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga, trainiert, was mir eine interessante neue Perspektive eröffnet hat.

Wie sich Petri Kokko und Susanna Rahkamo auf dem Eis schlugen, zeigt ein Video aus dem Jahr 1995. 
Zu sehen sind sie auch im Videoclip zu „Beyond The Invisible“ von Enigma aus dem Jahr 1996. 
Der Deutsche Medienkongress 2017 findet am 17. und 18. Januar 2017 in der Alten Oper Frankfurt statt. Top-Manager aus Unternehmen, Agenturen und Medien werden dort die wichtigsten Zukunftstrends der Branche diskutieren. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2016. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses

Deutscher Medienkongress 2017

Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1299 Euro. Wer sich frühzeitig für eine Anmeldung entscheidet, profitiert von einem reduzierten Preis von 999 Euro (bis 31. Dezember). HORIZONT-Abonnenten erhalten zusätzlich einen Rabatt von 100 Euro auf die Kongressgebühr. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2017 sind HORIZONT und dfv Conference Group.

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