Deutscher Medienkongress 2017 Richard David Precht: „Zeitungen und TV bilden kein großes Meinungsspektrum mehr ab“

Freitag, 09. Dezember 2016
Richard David Precht kommt zum deutschen Medienkongress
Richard David Precht kommt zum deutschen Medienkongress
Foto: Amanda Berens

„Wohin steuert die Mediengesellschaft?“ Unter diesem Titel wird Richard David Precht beim Deutschen Medienkongress 2017 eine Keynote halten. HORIZONT Online hat dem Philosophen und Bestsellerautoren vorab fünf Fragen zum Thema gestellt.

Herr Precht, dokumentiert der Wahlsieg von Donald Trump einen Bedeutungsverlust der klassischen Medien in den USA, die sich ja sehr deutlich für Clinton ausgesprochen haben? Ja, das kann man so sehen. Allerdings haben die klassischen Medien in den USA ohnehin eine andere Rolle als in Deutschland, zum Beispiel gibt es im Vergleich deutlich weniger Qualitätsjournalismus.

Sehen Sie (auch) in Deutschland die Gefahr, dass die journalistischen Medien die Deutungshoheit über politische Entwicklungen verlieren? Aus dem genannten Grund halte ich die Gefahr in Deutschland für geringer.

Gibt es im deutschen Mediensystem – wie häufig unterstellt – Konsensbildungen, die eine ergebnisoffene Auseinandersetzung über bestimmte Themen verhindern? Ja, die gibt es, ohne Zweifel! Die großen Zeitungen, die Fernsehsender ohnehin, bilden kein allzu großes Meinungsspektrum mehr ab, sondern haben sich auf eine Mitte – Bewahrung des Status Quo – eingerichtet. Selbst der Sprachgebrauch ist auffallend uniform, zum Beispiel wenn in kürzester Zeit während des arabischen Frühlings oder in Syrien aus „Regierungen“ über Nacht „Regime“ werden.  „Der Spiegel“ und „Bild“ – einst Pole im Meinungsspektrum – sind sich in der Bewertung der meisten politischen Ereignisse erschreckend ähnlich geworden.

Deutscher Medienkongress 2017

Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1299 Euro. Wer sich frühzeitig für eine Anmeldung entscheidet, profitiert von einem reduzierten Preis von 999 Euro (bis 31. Dezember). HORIZONT-Abonnenten erhalten zusätzlich einen Rabatt von 100 Euro auf die Kongressgebühr. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2017 sind HORIZONT und dfv Conference Group.

Immer mehr Menschen informieren sich in erster Linie über das Internet und soziale Netzwerke. Wie groß ist die Gefahr, dass Google und Facebook zu den entscheidenden „Gatekeepern“ von Informationen werden? Die Gefahr ist enorm groß und wird noch immer völlig unterschätzt.

Mit den sozialen Medien war zunächst eine große Hoffnung auf mehr Partizipation der Bürger am politischen Diskurs verbunden. Hat sich diese Hoffnung angesichts der aktuellen Flut von Hasskommentaren zerschlagen? Das muss man differenziert sehen. Das Internet macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer. Wer sich umfassend informieren will,  kann das heute sehr viel besser als je zuvor in der Geschichte. Wer seine Vorurteile bestärken will, kann das auch sehr viel besser. Richtig ist, dass durch die Anonymisierung das Netz ein Tummelplatz für Trolle und übellaunige Zeitgenossen geworden ist, die sich früher immerhin die Zeit nehmen mussten, einen Leserbrief zu schreiben und zu überlegen, ob sie für das, was sie da schreiben tatsächlich mit Namen verantwortlich sein wollen.

Deutscher Medienkongress 2017

Der Deutsche Medienkongress 2017 findet am 17. und 18. Januar 2017 in der Alten Oper Frankfurt statt. Top-Manager aus Unternehmen, Agenturen und Medien werden dort die wichtigsten Zukunftstrends der Branche diskutieren. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2016. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses

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