Deutscher Medienkongress 2017 Miriam Meckel warnt vor Zersetzung der Meinungsbildung

Dienstag, 17. Januar 2017
Miriam Meckel bei ihrer Eröffnungs-Keynote auf dem Deutschen Medienkongress 2017
Miriam Meckel bei ihrer Eröffnungs-Keynote auf dem Deutschen Medienkongress 2017
Foto: Getty Images / Maja Hitij

Sie sind äußerst schädlich für unseren Organismus. Freie Radikale versetzen biologisches Gewebe in oxidativen Stress und zerstören es. Ähnliches passiert momentan mit unserer freien Meinungsbildung über das Internet, glaubt Miriam Meckel. Zum Auftakt des Deutschen Medienkongress hielt die Chefredakteurin der Wirtschaftswoche eine aufwühlende Keynote zum postfaktischen Zeitalter.

 "Freie Radikale: Das Internet, der Marktplatz der Ideen und der neue Kampf um die Wahrheit" - so der Titel von Meckels Vortrag, in dem sie die Entwicklung umriss, die der Prozess der Meinungsbildung durch das Internet nimmt. Meckel beklagt zum Auftakt das verlorene Vertrauen der Menschen in gesellschaftliche Institutionen. Aktuell belegt das der "Edelman Trust Barometer", der soeben auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlicht wurde. 53 Prozent der Weltbevölkerung glaubt, dass das gesellschaftspolitische System nicht mehr funktioniert. Das Vertrauen der Menschen in Politiker, Manager, Nichtregierungsorganisationen und auch die Medien (von 48 auf 43 Prozent) ist erdrutschartig gesunken.

Meckel macht dafür die "sozialen freien Radikale" im Internet verantwortlich. Statt des früher propagierten "freien Marktplatzes der Ideen" greife in der Realität die "Instant-Ideologie" um sich, analysierte Meckel die Folgen des Medienwandels für Journalismus und Gesellschaft. Menschen, so glaubt die Wirtschaftswoche-Chefredakteurin, machten sich zu wenig Mühe, Informationen, die sie im Web lesen, zu hinterfragen.
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Fake News im Internet fallen deshalb auf einen allzu bereiten Nährboden. Meckel nennt den amerikanischen Wahlkampf als Beispiel, der durch solche Falschmeldungen erheblich beeinflusst worden sei. Gefälschte Meldungen über einen angeblichen Kinderpornografie-Ring von Hilary Clinton in einer Pizzeria - das sogenannte "Pizzagate" - gipfelten darin, dass ein Bewaffneter besagte Pizzeria stürmte und wild um sich schoss.

Auch in Deutschland wird die öffentliche Menung zunehmend übers Internet gesteuert. Die Referentin nennt die immer wieder gestreuten Vergewaltigungsvorwürfe gegen Flüchtlinge als Beispiel. Es sei zu befürchten, dass auch der Bundestagswahlkampf 2017 massiv durch solche Mechanismen gesteuert werden solle. Meckel warnt eindringlich vor diesen trojanischen Pferden der digitalen Gesellschaft. "Sie werden eingeschleust in die Internet-Community, um sich dort irgendwann zu öffnen, böse Inhalte zu streuen und andere damit zu infizieren."

Alte Oper Medienkongress 2017
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Wobei man sich nicht einmal sicher sein könne, dass die Meinungsmache im Netz von Menschen komme - „Technologien machen Medien schneller und anders, als wir es gewohnt sind“, sagt Meckel. Als Beispiel nennt sie den Launch des Chatbots Tay von Microsoft. Anfangs waren die Worte des Chatbots: „Umso mehr man mit mir redet, umso schlauer werde ich.“ Doch schon kurz nach seinem Launch twitterte der Roboter bereits menschenverachtende Posts. „Die Software hat aus einem freundlichen Wesen einen Rassisten gemacht. Das ging in weniger als einem Tag“, so Meckel. „Tay hat diese Verhaltensweise von Menschen gelernt.“ Laut Meckel ist dies beispielhaft für die heutige Zeit, in der radikalisierte Meinungen Überhand gewinnen.

Das Internet basiert auf Algorithmen, die Informationen und Ähnlichkeiten suchen. „Diese Informationen werden an uns zurückgespielt. Dies verstärkt unsere Meinung und bestätigt uns“, sagt Meckel, laut der „Algorithmen nach dem Kriterium der Masse funktionieren“. Das heißt letztendlich, dass im Internet Masse immer bevorzugt wird. Das Massenprinzip sei aber nicht kompatibel mit dem, was wir uns in einer pluralisierten Demokratie vorstellen, stellt Meckel klar. So kostet es etwa nur wenige US-Dollar, um Tausende von Accounts zu kaufen.

Menschen müssten sich dieser Mechanismen bewusst werden und vor allem Verständnis für die Prozesse und Möglichkeiten der digitalen Meinungsmache aufbauen, rät Meckel den Anwesenden. Nicht die Politik könne das regeln. „Jeder einzelne muss  sich  mit diesen Dingen auseinandersetzen.“ vg

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