Deutsche Fachpresse Schickler-Studie prognostiziert "gewaltige Chancen" für Fachmedien

Dienstag, 10. Mai 2016
Rolf-Dieter Lafrenz, geschäftsführender Gesellschafter bei Schickler, prognostiziert den Fachmedien "gewaltige Chancen"
Rolf-Dieter Lafrenz, geschäftsführender Gesellschafter bei Schickler, prognostiziert den Fachmedien "gewaltige Chancen"
Foto: HORIZONT

Groß denken: Das könnte für die deutschen Fachmedien zum Motto des Jahres werden. Einer breit angelegten Studie der Unternehmensberatung Schickler zufolge, die die Deutsche Fachpresse heute bei ihrem Kongress in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt hat, ist der Markt für B-to-B-Medien und -Informationen deutlich größer als bislang angenommen. 28,3 Milliarden Euro groß, um genau zu sein. Das entspricht in etwa dem Forschungs- und Entwicklungsbudget aller Hochschulen und ist mehr als neunmal so viel wie der Jahresumsatz der Fachmedienhäuser im Jahr 2015. "Die Chancen sind gewaltig", sagt Schickler-Chef Rolf-Dieter Lafrenz.
Die Größenordnung resultiert aus einem neu angelegten und erweiterten Branchenbegriff. So teilt Schickler den Gesamtmarkt in zwei Bereiche mit jeweils drei Marktsegmenten: Auf der einen Seite positionieren sich die Unternehmen, die primär Content getrieben agieren, auf der anderen Seite all jene, für die Marketing im Mittelpunkt steht, mit fließenden Grenzen. Daraus ergeben sich sechs Segmente, die neue Handlungsoptionen bereithalten. Im Detail: Unter der größeren Säule "Content Solutions" – sie entspricht einem Umsatzvolumen von 18,7 Milliarden Euro – sind in der Analyse berufliche Weiterbildung inklusive Tagungen und Kongresse (7,1 Milliarden Euro), B-to-B-Publikationen und -Informationen (6,7 Milliarden Euro) sowie branchenspezifische Software (4,9 Milliarden Euro) gebündelt. Hier siedelt Schickler dementsprechend Fachzeitschriften, Lehr- und Fachbücher, aber auch Erlösfelder wie Veranstaltungen und Awards sowie technologische Angebote an.
Eine neue Studie der Deutschen Fachpresse und der Unternehmensberatung Schickler erfasst erstmals den Gesamtmarkt für Fachinformationen
Eine neue Studie der Deutschen Fachpresse und der Unternehmensberatung Schickler erfasst erstmals den Gesamtmarkt für Fachinformationen (Bild: Deutsche Fachpresse / Schickler)
"Die meisten Verlage aus diesem Bereich verfolgen ähnliche Strategien", sagt Rolf-Dieter Lafrenz, geschäftsführender Gesellschafter bei der Unternehmensberatung. "Mit neuen Produkten und Services verankern sie sich in die Arbeitswelten und Abläufe ihrer Kunden." Content bleibe dabei zweifellos wichtig, die Angebotsformen werden jedoch breiter. In den angrenzenden Markt der beruflichen Weiterbildung bewegen sich Verlage beispielsweise relativ automatisch hinein. Andere Bereiche wie die Entwicklung branchenspezifischer Software dagegen, die auf die speziellen Bedürfnisse einer Branche oder Funktion zugeschnitten ist, halten zwar ebenfalls großes Wachstumspotenzial bereit, sie erfordern im Moment allerdings noch deutlich mehr und neues Know-how.

Dem Bereich "Marketing Solutions" liegt die Erkenntnis zugrunde, dass werbungtreibende Unternehmen zwar weniger Anzeigen schalten, deshalb aber nicht weniger Marketingbudget zur Verfügung haben. Sie investieren es nur anders. Immerhin 9,6 Milliarden Euro groß soll der Markt sein, aufgeteilt in die Segmente Corporate Publishing (3,7 Milliarden), Marktforschung und Datengeschäfte (3,7 Milliarden) und B-to-B-Messen (2,2 Milliarden). Genau wie im Content-Bereich sind die deutschen Medien in fast allen in der Analyse definierten Geschäftsfeldern aktiv, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Die Arbeit von Instituten wie GfK, Nielsen, Comscore und Statista beschreibt Schickler zufolge das  Segment Marktforschung, die Tätigkeitsbereiche reichen von klassischen Datenangeboten und Studien bis hin zum Verkauf von segmentierten Adressdaten potenzieller Zielkunden.

„Die Studienergebnisse zeigen uns, dass Fachinformationshäuser erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen.“
Rolf-Dieter Lafrenz, Schickler
Aus dieser grundsätzlichen  Neudefinition des Marktes samt seiner teilweise noch ungenutzten Potenziale resultiert Schickler-Chef Lafrenz zufolge die Notwendigkeit für die Branche, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln: "Aus Fachverlagen werden moderne Informations-, Kommunikations- und Serviceunternehmen mit einer starken Technologiekompetenz." Vielen Fachmedien fällt dieser Gedanke zwar schwer, führt er doch ein Stück heraus aus der klassischen Medienwelt. Für Lafrenz gibt es jedoch keine Alternative. "Wenn die Kernmärkte stagnieren oder schrumpfen, liegt das Wachstum in angrenzenden Geschäftsfeldern."

Damit stehen die Fachverlage nicht allein. "Auch in anderen Industrien ist es üblich, sich als Service- und Lösungsanbieter für die Kunden zu positionieren", so der Schickler-Chef weiter. "Schnell wachsende Unternehmen wie Google, Apple und Linkedin sind über ihren Ursprungskern deutlich hinausgewachsen und in neue Bereiche vorgestoßen. Selbst die Automobilhersteller verstehen sich mittlerweile als Mobilitätsdienstleister.“ Sich aktiv mit der Erweiterung der Geschäftsfelder zu beschäftigen, sei angesichts der riesigen Potenziale oberstes Ziel: „Die Studienergebnisse zeigen uns, dass Fachinformationshäuser erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Die Chancen sind gewaltig."  kan
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