Detlef Haaks im Exklusivinterview "Süddeutsche.de wird sich komplett verändern"

Freitag, 30. Januar 2015
Detlef Haaks führt Print und Online zusammen
Detlef Haaks führt Print und Online zusammen
Foto: Süddeutscher Verlag

Sieht so die große Versöhnung von Print und Online aus? "Süddeutsche"-Geschäftsführer Detlef Haaks erläutert im Interview mit HORIZONT Online die neue Digitalstrategie der Münchner. Ab März treten die digitale Zeitungsausgabe und das Newsportal gemeinsam unter "Süddeutsche" auf. Haaks: "Der Auftritt von Süddeutsche.de wird sich komplett verändern. Die Zeitung der Zukunft stellt sich als integriertes Konzept dar, Online und Print gehören zusammen."

Mit dem neuen Auftritt soll auch die Zahl der Digital-Abos angekurbelt werden. Zielvorgabe bis Ende des Jahres sind 50.000 Abos. Der Umsatz dürfte in diesem Bereich dann die 10 Millionen Euro überschreiten.

Haaks äußerst sich in dem Interview auch zur Zukunft der beiden Zeitungsvermarkter Medienhaus Deutschland und NBRZ, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Haaks sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „So wie bisher kann es nicht weitergehen.“

Detlef Haaks...:

… über die Ergebnissituation bei der "Süddeutschen":
"Wir hätten natürlich gern eine zweistellige Umsatzrendite. Davon sind wir noch ein Stück entfernt, aber wir haben eine sehr stabile Ergebnissituation und schreiben verlässlich schwarze Zahlen. Das eröffnet uns auch die Möglichkeit, zu investieren, zum Beispiel in die Redaktion, wo wir für die Wochenendausgabe 10 neue Kollegen eingestellt haben, oder in den Ausbau unserer Digitalabteilung. Da haben wir inzwischen mehr als 50 Mitarbeiter an Bord."
SZ Digital
Bild: SZ

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… zur Aussage von Hubert Burda, das klassische Geschäftsmodell der Verlage funktioniere im Internet nicht:
"Ich verstehe Hubert Burda an dieser Stelle nicht. Hubert Burda ist einer der großen Pioniere im Digitalen, vor dem ich großen Respekt habe. Seine Absage an Paid Content halte ich aber schlichtweg für falsch."

… zum neuen Auftritt der Süddeutschen im Internet:
"Der Auftritt von Süddeutsche.de wird sich komplett verändern. Aus sz.de wird die vollständige Süddeutsche Zeitung, auch im Namen. Wir werden unter der Marke 'Süddeutsche Zeitung' im Netz drei Bereiche haben: die komplette Zeitung, sz.de als 24/7-Kanal und das SZ-Magazin mit einem erweiterten Lifestyle-Angebot. Wir haben im vergangenen Jahr viel Geld in unsere digitalen Systeme investiert, unter anderem in unsere Web-based Application. Der Leser muss sich nur ein einziges Mal registrieren, um auf alle unsere Inhalte und Serviceangebote zugreifen zu können – und das auf allen Endgeräten, also auf Tablets, Smartphones, PCs und Notebooks.  Das Digitalangebot von sz.de wird inhaltlich deutlich aufgeladen. Bis auf wenige Premium-Inhalte, zum Beispiel exklusive Interviews oder große Reportagen, ist für den Leser bis zu einer definierten Grenze alles frei zugänglich. Das ist der klassische  Metered-Model-Ansatz. Wenn der Leser eine bestimmte Anzahl an Artikeln überschritten hat, bieten wir ihm ein Probe-Abo an, das 14 Tage kostenfrei ist."

über die Wachstumsziele bei Digital-Abos:
"Wir hatten in den beiden vergangenen Jahren Zuwächse von 50 und 40 Prozent. In diesem Jahr trauen wir uns noch einmal ein Plus von 30 Prozent zu, wir wollen auf  50.000 Digital-Abos kommen. Print wird es noch sehr, sehr lange geben, gleichwohl streben wir längerfristig an, auf 200.000 Digital-Abos zu kommen. Wir sind auf dem besten Weg, die große Herausforderung der digitalen Transformation zu lösen."

… über das digitale Werbegeschäft:
"Im Digitalen gibt es die unterschiedlichsten Modelle, Targeting, Real Time Bidding – wir könnten das jetzt alles hier durchdeklinieren. Ich bin aber absolut überzeugt, dass es daneben einen großen Markt für klassische Markenwerbung in einem qualitativ hochwertigen Umfeld gibt.“

… über den Reformbedarf bei den Zeitungsvermarktern NBRZ und Medienhaus Deutschland:
"Wenn Ihre Frage lautet, ob wir hier Handlungsbedarf sehen, lautet meine Antwort: Ja, absolut. Die Gründung des Medienhaus Deutschland war ja schon eine erste Antwort auf den Veränderungsdruck in der nationalen Vermarktung von Regionalzeitungen. Heute müssen wir konstatieren: Das kann noch nicht das letzte Wort gewesen sein. Die NBRZ hat das Problem, aufgrund ihrer Gesellschafterkonstruktion zu unflexibel zu sein und zu wenig Neugeschäft zu generieren. Das Medienhaus Deutschland wiederum hat sich im Markt zwar erfolgreich etabliert, entwickelt sich aber bei weitem nicht so dynamisch, wie man sich das wünschen würde. Die große Frage lautet jetzt: Wie kann man die beiden Vermarkter zusammenbringen – oder müssen wir vielleicht sogar über eine ganz neue Organisation nachdenken? So wie bisher kann es jedenfalls nicht weitergehen. Die Zeit ist reif für einen neuen Ansatz."

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