Der neue Sat-1-Vorabend im HORIZONT-Check Quietschsüß, knallbunt und irgendwie total von gestern

Dienstag, 08. September 2015
"Mila" und "Unser Tag" konnten zum Auftakt nicht überzeugen
"Mila" und "Unser Tag" konnten zum Auftakt nicht überzeugen
Foto: Sat 1

Mit der täglichen Romantic Comedy "Mila" und dem Magazin "Unser Tag" will Sat 1 seinen kränkelnden Vorabend endlich wieder in Schwung bringen. Ob das gelingt, erscheint aber fraglich: Die Formate sind routiniert produziert, unterhaltsam und hübsch anzuschauen - aber wirken im Jahr 2015 wie aus der Zeit gefallen.
Susan Sideropoulos ist "Mila"
Susan Sideropoulos ist "Mila" (Bild: Sat 1)

"Mila" - "Sex and the City" meets Berlin

Den Anfang des neuen Vorabends macht seit diesem Montag ab 19 Uhr "Mila", eine Daily Soap im Stil der Romantic Comedys, die bei Sat 1 seit Jahren durchaus verlässliche, aber selten überragende Einschaltquoten erzielen. Mila ist Anfang 30, Single und freie Mitarbeiterin bei einem hippen Lifestyle-Magazin - arm, aber sexy und mit ihrem Leben eigentlich rundum zufrieden. Bis ihre kleine Schwester sich verlobt und ihre Mutter sie als Fall für die Resterampe bezeichnet. Da macht es klick, und Mila beschließt, bis zur Hochzeit ihrer Schwester in 287 Tagen den Mann für's Leben zu finden. So weit, so vorhersehbar - dass "Mila" den Zuschauer aber irgendwie ratlos zurücklässt, hat andere Gründe. "Mila" soll und will ganz offensichtlich eine Feelgood-Serie sein, mit der man gemütlich den Feierabend einläutet - die rosarote Brille, die Sat 1 seinen Zuschauer aufsetzt, ist allerdings ziemlich groß und ziemlich rosa geraten. Die Suche einsamer Großstädter nach der großen Liebe ist im Fernsehen spätestens seit "Sex and the City" auserzählt - jüngere Erfolgsserien wie "Girls" oder "New Girl" loten mit ihren oft hoffnungslos neurotischen Hauptfiguren daher schonungslos die Untiefen menschlicher Sehnsüchte und Beziehungen aus. Die Suche nach der großen Liebe ist zwar ein zeitloses Thema - bei "Mila" ist die Interpretation aber reichlich schlicht und altmodisch geraten. Das ist durchaus schade: Denn die sympathischen Hauptdarsteller können überzeugen, die Produktionsqualität ist überdurchschnittlich und auch die Dialoge sitzen.

Aber nicht nur in dieser Beziehung hinkt die Serie ihrer Zeit hinterher. Auch das Berlin-Bild, das die Serie zeichnet, erscheint angesichts des bonbonbunten Looks eigenartig realitätsfern - trotz der durchaus vorhandenen Anspielungen auf aktuelle Themen wie Gentrifizierungstendenzen und Hipstertum. Ausländer im Berlin von "Mila"? Fehlanzeige. Da war "Berlin, Berlin" schon vor zehn Jahren wesentlich weiter. "Mila" macht die Welt, wie sie ihr gefällt - ist dabei aber irgendwo auf dem Weg in die Gegenwart hängengeblieben.

"Unser Tag" - Nachrichten vom Wühltisch

Mara Bergmann präsentiert "Unser Tag"
Mara Bergmann präsentiert "Unser Tag" (Bild: Sat 1)
Zu wenig Realitätssinn kann man auch dem neuen Magazin "Unser Tag" ankreiden. Die Sendung wirkt wie ein Kessel Buntes: Auf das aktuelle Thema Flüchtlinge in Deutschland folgte ein Service-Beitrag, danach ein paar Promi-News, ein Ranking und ein Interview mit "Mila"-Hauptdarstellerin Susan Sideropoulos. Ein konkreter Anlass war bei vielen Themen nicht erkennbar. Die einzelnen Beiträge waren dabei durchaus gut gemacht, die Moderation durch Mara Bergmann ohne Fehl und Tadel - eine klare redaktionelle Linie war bei der ersten Sendung allerdings nicht erkennbar. Die ganze Sendung wirkte wie vom Nachrichten-Wühltisch zusammengeklaubt.

Das erklärte Vorbild von "Unser Tag" ist das erfolgreiche "Sat-1-Früchstücksfernsehen" - doch während am frühen Morgen ein bunter Mix aus Nachrichten, Promi-News und Servicethemen gut funktioniert, erscheint am Abend eine stärkere Fokussierung notwendig. Denn für fast alle Einzel-Elemente von "Unser Tag" gibt es am Vorabend derzeit bessere Alternativen: "Leute heute" und "Exclusiv" für Promi-News, "Wiso" oder zahlreiche Formate in den Dritten für Servicethemen, "Brisant" oder "Explosiv" für die bunten Geschichten - wenn "Unser Tag" sich hier durchsetzen will, muss der Zuschauer auch wissen, was ihn bei "Unser Tag" erwartet.

Allerdings stellt sich schon nach der ersten Folge die Frage, wie viel Zeit Sat 1 dem Format geben wird: Zum Auftakt kam "Unser Tag" im Gesamtpublikum mit gerade einmal 880.000 Zuschauern nicht über einen desaströsen Marktanteil von 3,6 Prozent hinaus, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lief es mit 5,0 Prozent Marktanteil nur unwesentlich besser. Auch "Mila" kam nur schwer aus den Startlöchern: Insgesamt 1,02 Millionen Zuschauer schalteten die erste Folge ein - ein Marktanteil von 4,9 Prozent. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen blieb die Daily Soap mit 6,4 Prozent Marktanteil weit unter dem Senderschnitt. Ob Mila tatsächlich 287 Zeit hat, um ihren Mr. Right zu finden, wird sich zeigen. dh
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