"Der Postillon" NDR bringt Satire-Nachrichten in TV und Radio

Montag, 10. März 2014
"Postillon24" läuft künftig beim NDR (Bild: Screenshot youtube.com/postillon24)
"Postillon24" läuft künftig beim NDR (Bild: Screenshot youtube.com/postillon24)


Der Wahnsinn bekommt ein Programm: Ab dem 25. April werden die Nachrichten der erfolgreichen Satire-Website "Der Postillon" im Programm des NDR auftauchen. Die Sendeanstalt bringt ab dem 25. April immer freitags um Mitternacht die 15-minütige Sendung "Postillon24 - Wir berichten, bevor wir recherchieren", die es auch bereits als Webshow gibt. Der Jugend-Radiosender N-Joy wird "Postillon24" voraussichtlich ab Mitte Mai ausstrahlen. Außerdem ist geplant, die Beiträge des "Postillon" auch auf ndr.de zu veröffentlichen. Von der TV-Show sind zunächst sechs Folgen geplant, laut Sueddeutsche.de gibt es aber eine Option auf eine zweite Staffel. Moderiert wird "Postillon24" von Anne Rothäuser und Thieß Neubert, die die Sendung auch im Netz präsentieren. Das klar auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitte Format dürfte auch den späten Sendezeitpunkt rechtfertigen. Frank Beckmann, NDR Programmdirektor Fernsehen, sieht den "Postillon" bei sich im Programm jedenfalls gut aufgehoben: "Mit 'extra 3' hat der NDR die traditionsreichste Satire-Sendung im deutschen Fernsehen, die bei jüngeren Menschen und online sehr erfolgreich ist. Das wollen wir mit dem Postillon ausbauen und freuen uns auf die einzigen Nachrichten bei uns im Programm, die man nicht ernst nehmen muss."

Das sieht auch Norbert Grundei so, Programmchef von N-Joy: "Der Postillon passt perfekt in die N-Joy Morningshow mit Kuhlage und Hardeland. Wir sind froh, dass wir Deutschlands beste Nachrichtensatire jeden Morgen in unserem Programm haben werden." "Postillon"-Gründer Stefan Sichermann kommentiert die Nachricht mit dem ihm eigenen Humor: "Wir sehen den NDR als ideales Sprungbrett. Wir gehen davon aus, dass die Postillon24 Nachrichten spätestens im kommenden Jahr täglich von 20.00 bis 20.15 Uhr im Ersten laufen werden." Gegenüber Süddeutsche.de gab der Betreiber der erfolgreichen Satire-Website zu Protokoll, dass es gegenüber dem Web-Format kleine, aber feine Änderungen geben soll: "Bezüglich Themenauswahl und Intonierung werden sich die Postillon24 Nachrichten nicht verändern. Wir werden jedoch ein paar Rubriken ergänzen, es wird Reporterschalten geben und Wettermeldungen sind auch geplant."

"Der Postillon" wird derzeit täglich von mehr als 50.000 Menschen angesurft, die für über 10 Millionen Seitenabrufe im Monat sorgen. Seit ihrem Start im Jahr 2008 wurden die Seite und ihr Gründer mit Preisen überhäuft: So kürte Das "Medium Magazin" Sichermann kürzlich zum "Journalisten des Jahres" in der Kategorie Kultur/Unterhaltung, außerdem erhielt er zweimal den Grimme Online Award. Den Deutschen Webvideopreis 2013 gab es für den Online-Film "Mutter bei der Geburt vertauscht".

Womöglich gibt es bald noch weitere Preise. Immerhin hielt Sichermann zu Beginn des Jahres weite Teile der Netzgemeinde zum Narren, als er die Meldung, dass der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn wechselt, auf seiner Seite veröffentlichte und kurzerhand vordatierte. So entstand der Eindruck, sämtliche Qualitätsmedien seien auf eine Satire-Nachricht hereingefallen. ire
Meist gelesen
stats