"Der Job ist noch lange nicht getan" HORIZONT-Medienmann des Jahres Brian Sullivan im Interview

Donnerstag, 19. Dezember 2013
Brian Sullivan in der Sky-Konzernzentrale in Unterföhring (Fotos: Andreas Mueller)
Brian Sullivan in der Sky-Konzernzentrale in Unterföhring (Fotos: Andreas Mueller)


Als Brian Sullivan 2010 beim Sky-Vorgänger Premiere antrat, glaubte kaum einer daran, dass das Unternehmen je schwarze Zahlen schreiben würde. Nun hat sich die Wahrnehmung gewandelt. Doch Sullivan sieht seine Arbeit noch lange nicht als erledigt an: "Viele scheinen zu denken, das Geschäft wäre jetzt einfach. Doch das ist es nicht, denn wir müssen uns unseren Kunden jeden Tag neu beweisen."
Herr Sullivan, als Sie 2010 nach Deutschland kamen, wehte Ihnen ein eisiger Wind entgegen. Pay-TV sei hier nicht profitabel zu betreiben, weil das Free-TV-Angebot zu stark ist und wichtige Sportrechte wie die Bundesliga nicht exklusiv zu bekommen. Wie haben Sie die erste Zeit empfunden?

Die Anfrage, ob ich nach Deutschland gehen möchte, um CEO von Sky zu werden, kam im November 2009, also sehr kurzfristig. Schon am 7. Januar 2010, meinem Geburtstag, habe ich hier angefangen. Ich hatte dadurch nicht viel Zeit, mich näher mit den Umständen zu befassen. Vielleicht war ich ein wenig naiv, aber ich glaube, das hat mir geholfen sogar sehr! Ich hätte vielleicht eine andere Haltung gehabt, wenn ich all die negativen Artikel vorher gelesen hätte. So habe ich mich in gewisser Weise geweigert, daran zu glauben, dass die Konsumenten hier völlig anders sein sollen als in jedem anderen Land der Welt. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen überall gute Unterhaltung mögen. Das war das eine.

Und was haben Sie noch gedacht?
Ich kann mich besonders dann gut motivieren, wenn Menschen zu mir sagen: Das ist nicht zu schaffen. Ich glaube, das liegt in der menschlichen Natur, die sich nicht damit abfinden will, dass etwas nicht geht. Unsere Aufgabe ist es, Pay-TV profitabel zu machen, und ich habe sie mit viel Enthusiasmus angenommen.

Brian Sullivan: Dieses Jahr ist für uns ein echter Meilenstein. Aber der Job ist noch lange nicht getan. “
2013 wird das erste Jahr in der 23-jährigen Geschichte des Unternehmens sein, in dem Sky auf einer operativen Basis Gewinn schreibt. Sind Sie stolz?
Stolz sollte man eher auf eine erledigte Aufgabe sein eine gut erledigte. Dieses Jahr ist für uns ein echter Meilenstein. Aber der Job ist noch lange nicht getan. Ich habe den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung von Pay-TV beinahe schon ins andere Extrem gekehrt hat: Viele scheinen zu denken, das Geschäft wäre jetzt einfach. Doch das ist es nicht, denn wir müssen uns unseren Kunden gegenüber jeden Tag neu beweisen. In diesem Sinne glaube ich auch nicht an den Begriff des Turnaround. Ich glaube vielmehr, dass sich das tägliche Geschäft ständig ändern und verbessern muss und dass diese Arbeit nie aufhört.

2010 zählte Sky rund 2,5 Millionen Abonnenten nun sind es 3,5 Millionen. Wann hat sich die Einstellung der Deutschen zum Pay-TV verändert?
Es gab nicht den einen Moment, aber einige Ereignisse, die meinen Glauben bekräftigt haben, dass bei Sky vieles möglich ist. Bei uns arbeiten eine ganze Reihe Menschen, die schwierige Zeiten im Unternehmen erlebt haben und die unglaublich hungrig danach waren, allen zu beweisen, dass Sky eine Erfolgsgeschichte sein kann. Und sie haben nie aufgegeben. Dieses Team hat fantastische Ideen, aber es hatte in der Vergangenheit nie genug Zeit und Ressourcen, sie auch umzusetzen. Wir haben den Mitarbeitern diesen Raum gegeben. Wir haben uns auch geöffnet und arbeiten sehr gut und vertrauensvoll mit unseren Partnern zusammen, was in einem Geschäft wie unserem entscheidend ist.

Das erklärt ein besseres Betriebsklima, aber nicht steigende Abozahlen.
Das stimmt. Wichtig war vor allem, das Produkt zu verbessern. In den Jahren, bevor wir angefangen haben, wurde die Marke Premiere stark beschädigt. Das lag auch daran, dass viele öffentlich gemachte Versprechen und Ziele nicht erreicht wurden. Außerdem fehlten Ressourcen, um in wichtige Dinge wie die Verbesserung von Kundenservice, Inhalten und Produkt zu investieren. Also mussten wir uns verändern für unsere Kunden sowie in der öffentlichen Wahrnehmung, damit die Leute bereit waren, uns überhaupt zuzuhören, wenn wir ihnen ein Angebot unterbreitet haben. Das war eine große Herausforderung.

Medienmann des Jahres: Sky-Chef Brian Sullivan
Medienmann des Jahres: Sky-Chef Brian Sullivan
Was haben Sie konkret getan?
Wir haben Sky durch eine Reihe von wichtigen Content-, Innovations-, Produkt- und Serviceverbesserungen interessanter und attraktiver für die insgesamt 40 Millionen TV-Haushalte in Deutschland und Österreich gemacht. Zum Beispiel haben wir die Entwicklung von High Definition angeführt und maßgeblich vorangetrieben, einen wirklich personalisierten Service mit dem Festplattenrekorder Sky+ sowie den weltweit ersten mobilen Zugang zu Programminhalten über unseren Over-the-Top-Service Sky Go eingeführt.

Sie haben auch stark in den Service investiert. Wie wichtig war das?
Sehr. Unsere Kunden überprüfen ihre Kaufentscheidung jeden Monat. Einen glaubwürdigen Service zu bieten, der zuverlässig liefert, ist deshalb so entscheidend. Ein sehr gutes Beispiel für all das ist unser 24-Stunden-Sportnachrichtensender Sky Sport News HD, der seit zwei Jahren erfolgreich auf Sendung ist.

Das ist ein schöner Sender, aber rechnet er sich auch?

Manche haben gesagt, das ist die dümmste Idee auf der Welt. Und in der Tat: Ein Nachrichtensender für Sport macht für einen Free-TV-Anbieter, der sich rein über Werbung finanziert, auch wirklich keinen Sinn. Aber zu uns als Premium-Sender passt das perfekt. Sky Sport News HD hilft uns, in einem Bereich, den unsere Kunden lieben, etwas anzubieten und dadurch die Abonnentenzahlen und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Wenn man an das glaubt, was man tut, ist es das Beste, Kritik einfach zu ignorieren. Diese Erfahrung haben wir auch bei Sky Atlantic HD gemacht, wo wir nur hochqualitative, exklusive Serien, einschließlich HBO-Inhalte, zeigen. Jeder hatte von uns erwartet, dass wir unseren eigenen General-Entertainment-Sender starten. Doch um offen zu sein: Die Free-TV-Sender machen einen fantastischen Job, damit können und wollen wir nicht konkurrieren. Als Abo-TV-Sender müssen wir immer etwas Einzigartiges bieten.

Die Programmqualität von Free-TV ist derzeit jedoch umstritten. Haben nicht auch frustrierte Zuschauer dazu beigetragen, dass Sky nun wächst?
Das glaube ich nicht. Ich bin zwar erst seit vier Jahren in Deutschland, aber aus meiner Sicht sind die großen privaten und die öffentlich-rechtlichen Sendergruppen unglaublich gut und stark. Sie sind groß, weil sie darin erfolgreich sind, einen Massenmarkt zu bedienen, und es ist schwer, das zu kritisieren. Dieser Wettbewerb ist eine Herausforderung für sich. Unser Ziel ist es, etwas Besonderes zu bieten und dadurch Interessierte dazu zu bewegen, sich für uns zu entscheiden.

Wie stark kann Sky noch wachsen? Zuletzt war zu lesen, Sie peilen 4 bis 5 Millionen Abonnenten an.
Ich habe versucht, keine Vorhersagen zu machen. Zum einen, weil dies in der Vergangenheit ein Thema für das Unternehmen war, zum anderen, da wir uns immer noch in einem unterentwickelten Markt bewegen. Zu den 4 bis 5 Millionen kommt man schnell, wenn man das sehr konstante Wachstum der letzten Jahre anschaut. Wir nennen jedoch keinen Zeitplan dafür und wir haben auch kein endgültiges Ziel. Sie können aber davon ausgehen, dass unser Anspruch größer ist. Doch auch wenn wir im Moment schnell wachsen - Sky Deutschland ist immer noch ein kleines Unternehmen und wir haben noch viel zu tun. Wir haben ein großartiges Team, wunderbare Partner und tolle Kunden. Wenn wir uns nach wie vor darauf konzentrieren, sieht die Zukunft sehr vielversprechend aus. Interview: Juliane Paperlein
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