"Der Freitag" Jakob Augstein verteidigt Berufung von Jürgen Todenhöfer

Freitag, 09. Dezember 2016
Jakob Augstein
Jakob Augstein
Foto: Hartmut Müller-Stauffenberg/action press

Jakob Augstein hat sich im Interview mit der "taz" zu der überraschenden Berufung von Jürgen Todenhöfer zum Herausgeber seiner Wochenzeitung "Der Freitag" geäußert. Darin verteidigt der Verleger den umstrittenen Publizisten gegen Kritik - Todenhöfer sei für den "Freitag" ein Gewinn, seine Benennung "ein Experiment auf der Suche nach der Zukunft des Journalismus".
Als Herausgeber werde Todenhöfer die Chefredaktion beraten und an den Redaktionskonferenzen teilnehmen, beschreibt Augstein die Befugnisse des Herausgebers. Der 76-Jährige sei "ein unabhängiger Kopf, kontrovers und und deswegen passt er zu uns. Wir sind nicht in allem einer Meinung, aber mir war wichtig: Er ist kein Mainstreampublizist und der Freitag ist kein Mainstream-Medium." Nicht zuletzt erhofft sich Augstein, dass "Der Freitag" von der großen Fangemeinde des ehemaligen Burda-Vorstands bei Facebook profitiert: "Ich finde es paradox, dass jemand wie Todenhöfer – 76 Jahre alt, Politiker unter Kohl gewesen – so eine riesige Fangemeinde im Internet hat. Er ist einer der wenigen, vielleicht neben Sascha Lobo der einzige, völlig unabhängige Publizist, mit so einer Internet-Präsenz." Das zeige, dass den klassischen Journalisten die Deutungshoheit entrissen wurde und Todenhöfer verstanden zu haben scheine, wie er darauf reagieren könne. "Seine Benennung ist für uns auch ein Experiment auf der Suche nach der Zukunft des Journalismus." 

Zu der oft geäußerten Kritik an Todenhöfer, er habe dem syrischen Machthaber Assad 2012 mit einem unkritischen Interview eine Bühne gegeben, sagte Augstein: "Ich fand das Interview nicht unkritisch. Interessant ist doch, dass, wann immer es um Todenhöfer geht, dieses Assad-Interview rausgeholt wird." Viele Menschen würden sich an den Positionen des Publizisten stören und daher sein journalistisches Handwerk kritisieren. "Übrigens: Todenhöfer ist kein Journalist. Das muss er als 'Freitag'-Herausgeber auch nicht sein." dh
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