"Der Fisch stinkt vom Kopf her" Pressestimmen zum ADAC-Skandal

Montag, 20. Januar 2014
Der ADAC und Geschäftsführer Karl Obermair stehen in der Kritik (c) ADAC
Der ADAC und Geschäftsführer Karl Obermair stehen in der Kritik (c) ADAC


Der Skandal um geschönte Teilnehmerzahlen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" schlägt hohe Wellen: Kaum ein Medium kommt heute an der Story vorbei, die den Automobilclub in eine tiefe Vertrauenskrise stürzt. Bei der "Süddeutschen Zeitung", die im Vorfeld der Preisverleihung über Manipulationen beim "Gelben Engel" berichtet hatte und dafür von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair heftig angegangen worden war, greift sogar der Chefredakteur persönlich zur Feder. Hier einige ausgewählte Pressestimmen zum ADAC:

Kurt Kister, Suddeutsche.de

"Vor allem im Interesse der Mitglieder ist zu wünschen, dass die Führung aus dem Skandal lernt. Das beginnt mit ehrlicher Selbstkritik. Nötig ist der Abschied von der Freund-Feind-Mentalität, dass jeder böswillig ist oder lügt, der den guten, anständigen ADAC kritisiert. In der Zentrale wäre moderne, auf Mitsprache ausgerichtete Mitarbeiterpolitik nicht schlecht. Und die eine oder andere personelle Veränderung weit oben könnte auch nicht schaden."

Gabor Steingart im "Handelsblatt Morning Briefing"

"Jetzt warten wir auf den Rücktritt von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Keiner polemisierte so wortgewaltig - "blanker Unsinn", "Unterstellung", "in der Zeitung von gestern kann man Fisch einwickeln" - gegen die "Süddeutsche Zeitung", die den Skandal aufgedeckt hatte. Dabei gilt auch für den ADAC: Der Fisch stinkt vom Kopf her."

Florian Gathmann, Spiegel Online

"Der Vertrauensverlust ist das eine, seine ökonomischen Folgen das andere: Der ADAC ist mit seinen zig Millionen Mitgliedern und all den Geschäftsfeldern ein gigantisches Unternehmen geworden, über eine Milliarde Euro soll das Clubvermögen betragen. Nun werden durch den Betrugsfall ganz allgemeine Fragen aufgeworfen: Ist der ADAC für diese Aufgaben richtig aufgestellt? Wer kontrolliert eigentlich die Entscheidungsträger?"

Einar Koch, Bild.de

"Auch wenn es 'nur' um das persönliche Versagen eines einzelnen Mitarbeiters geht, der Umfrageergebnisse kurzerhand mit dem Faktor 10 multipliziert hat, um sie (ge-)wichtiger erscheinen zu lassen der ADAC braucht dringend eine neue TÜV-Plakette für mehr Transparenz! Das 'System ADAC' insgesamt muss durchsichtiger werden. Der ADAC ist eine mächtige Lobby, ein milliardenschwerer Wirtschaftsfaktor, aber keine Geheimloge! Deshalb ist es richtig, wenn die ADAC-Mitglieder künftig zum Beispiel ihr 'Lieblingsauto' unter notarieller Aufsicht wählen, um auch jeden Anschein von Schiebung zu vermeiden."

Holger Appel, Faz.net

"Die Bruchlandung der Gelben Engel zieht eine ganze Branche mit in den Strudel und wirft Fragen auf: Welchen Preisen kann der Verbraucher noch vertrauen? Wie stark spielen geschäftliche Abhängigkeiten in die Ergebnisse? Werden als bestes Auto des Jahres oder Car of the year nur gekürt, wer zu opulenten Veranstaltungen einlädt? Bekommt das goldene Lenkrad oder die Auto Trophy, wer ein schönes Anzeigenpaket schnürt? Jenen, die sich um objektive Ergebnisse bemühen, hat der ADAC einen Bärendienst erwiesen."

Lutz Haverkamp, Tagesspiegel.de

"Der inzwischen geschasste ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hat einen auf dicke Hose gemacht. Nur 3409 von rund 19 Millionen Mitgliedern wählten einen Volkswagen zum deutschen Lieblingsauto. Vielleicht ist das auch ein Hinweis darauf, dass den Deutschen ziemlich egal ist, welcher Autohersteller diesen Preis bekommt. Und noch besser wäre es, wenn es ein Hinweis darauf wäre, dass dem Auto in dieser Gesellschaft nicht mehr der Status zugemessen wird, wie das vielleicht in der Vergangenheit der Fall war. Denn Autos gibt es in diesem Land viel zu viele. Die ADAC-Stauprognosen sind dafür immer ein sicherer Beleg gewesen. Aber vielleicht waren die auch manipuliert."

"Zeit Online" hingegen lässt auf Twitter ein Zitat des zurückgetretenen Kommunikationsleiters des ADAC sprechen:

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