Debatte um Fake News "Bild" ernennt Ernst Elitz zum Ombudsmann

Mittwoch, 22. Februar 2017
Ernst Elitz ist Ombudsmann der "Bild"
Ernst Elitz ist Ombudsmann der "Bild"
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"Bild" mischt sich in den Kampf gegen Fake News ein: Das Boulevardmedium reagiert mit der Ernennung eines Ombudsmanns auf die Debatte um Fake News und die zunehmende Skepsis vieler Menschen gegenüber der Berichterstattung der Medien. Ernst Elitz, ehemaliger Intendant des Deutschlandradios, ist für die Leser ab sofort Ansprechpartner bei Beschwerden. Außerdem schafft die "Bild" ein eigenes Team, das bei besonders sensiblen Geschichten Fakten und Quellen ein weiteres Mal überprüfen soll. 
"Bild"-Leser können sich ab sofort direkt an Ernst Elitz wenden, wenn sie Zweifel am Wahrheitsgehalt einer Geschichte haben oder Fragen zur Quellenlage. Auch wenn sie eine politische Ansicht oder Debatte falsch oder verzerrt dargestellt finden, können sie sich an den Ombudsmann der "Bild" wenden. Kontaktieren kann man Elitz unter der E-Mail-Adresse ombudsmann.elitz@bild.de oder per Post.  Um mögliche Vorwürfe aufzuklären, hat Elitz direkten Zugang zur Chefredaktion. "Er darf in Ihrem Auftrag bei uns in der Chefredaktion recherchieren, ob wir falsch gelegen haben. Wir werden keinen Einfluss auf sein Urteil nehmen und es veröffentlichen, wann immer er es von uns verlangt," schreiben die "Bild"-Chefredakteure Julian Reichelt und Tanit Koch in einem Beitrag in eigener Sache.

Vorgestellt wird Elitz als "herausragender Journalist", ehemaliger Intendant des Deutschlandradios und Honorarprofessor der Freien Universität Berlin. Dass der 75-Jährige seit einigen Jahren auch regelmäßig (und teilweise nicht unumstrittene) Kommentare für die "Bild" verfasst, wird nicht erwähnt.

Außerdem bemüht sich die "Bild" um mehr Transparenz und direkten Kontakt mit den Lesern: Ab sofort können Leser bei Kommentaren und besonders relevanten Artikeln direkt mit den Autoren oder einem Mitglied der Chefredaktion live per Video diskutieren. Die entsprechenden Artikel werden mit einer Uhrzeit veröffentlicht, zu der die Redaktion erreichbar ist. Besonders sensible Berichte über Themen, zu denen häufig Fake News kursieren, sollen künftig außerdem von einem zusätzlichen Team "über die normalen Prozesse hinaus" noch einmal überprüft werden. Erst kürzlich musste die "Bild" einen Bericht über einen angeblichen "Sex-Mob" in der Sylvesternacht in der Frankfurter Innenstadt revidieren und sich für die falsche Berichterstattung entschuldigen.
Bild Sex Mob
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Nicht zuletzt fordern Reichelt und Koch die Leser auf, den direkten Kontakt zu der Redaktion zu suchen: "Wenn Sie das Gefühl haben, dass wir in der Zeitung oder online der Realität Ihres Alltags nicht gerecht werden, wenn wir Dinge anders schildern und beschreiben, als Sie das täglich erleben, dann schreiben Sie uns." Man werde dann Reporter schicken und von Fall zu Fall auch selbst vor Ort mit den Lesern sprechen. dh
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