Debatte um Adblock Plus Wer zahlt für die Durchwink-Liste?

Montag, 08. Juli 2013
Adblock Plus wirbt mit einem Online-Spot um die Gunst der Internetnutzer
Adblock Plus wirbt mit einem Online-Spot um die Gunst der Internetnutzer

Die Debatte um Ad Blocker im Allgemeinen und das Geschäftsgebaren des führenden Anbieters Adblock Plus im Besonderen lenkt den Blick auf dessen sogenannte Whitelist - also auf die Auflistung jener Sites, die von Adblock Plus von der Blockade freigestellt sind. Größere Sites müssen dafür zahlen. Welche das sind und wie viel welcher Publisher zahlt, ist unklar. Das erweckt den Verdacht, dass sich Sites durch eine Art "Schutzgeld" von der Blockade freikaufen können. Umso interessanter ist ein Blick auf diese "Whitelist": Man entdeckt dort namhafte Websites. Die Wortwahl von Adblock Plus klingt geradezu altruistisch: "Wir wollen das Internet verbessern", heißt es. Mit Adblock Plus können User "störende und aufdringliche Werbung" unterdrücken. Tüftler können damit an ihren Browser-Filtern basteln - doch die breite Masse der User benutzt einfach die vorgefertigten Filterlisten, die von einer angeblichen Community gepflegt werden, deren aktiver Teil aber möglicherweise vor allem aus Adblock-Leuten besteht.

Auf ähnlich umstrittene Weise entsteht auch die erwähnte Whitelist: Laut Adblock Plus können sich Publisher, die "an der Initiative für Akzeptable Werbung teilnehmen möchten", bei der angeblichen Community um Aufnahme bewerben. Fragt man hingegen bei manchen Publishern nach, ist die Rede davon, dass Adblock-Plus-Verantwortliche ihnen ein "Angebot" unterbreitet hätten. Verhandlungsbasis: 30 Prozent Provision.

Wie auch immer: Adblock Plus macht keinen Hehl daraus, dass ein Platz auf der Durchwink-Liste nur für "kleinere Webseiten und Blogs kostenfrei" ist. Doch die Pflege der Whitelist verursache "erheblichen Aufwand", "daher werden wir von einigen größeren Parteien bezahlt, die unaufdringliche Werbung unterstützen", so Adblock Plus.

Auch wenn sie etwas versteckt ist - die Whitelist ist einsehbar. Rund 80 Sites (Stand: 5. Juli) sind mit bestimmten Werbeformaten dort freigestellt, darunter neben Google auch Amazon, Ebay*, United-Internet-Sites wie 1&1, außerdem Freenet, Gutefrage.net (Holtzbrinck), das regionale Zeitungs-Kleinanzeigenportal Kalaydo, die Axel-Springer-Sites Meinestadt.de und Finanzen.net, sowie Focus.de und die IT-Portale Heise.de, Chip.de und Golem.de.

Hier hat HORIZONT.NET nachgefragt: (1) Haben sich diese Sites bei Adblock Plus wie beschrieben "freigekauft"? (2) Und sind manche von ihnen gar - auch dieser Verdacht kursiert hier und da - als Gesellschafter, Investoren, Geldgeber oder sonst wie verbunden mit Adblock Plus oder dem Unternehmen dahinter, der Kölner Eyeo GmbH?

Erstes Fazit: Google, United-Internet-Marken wie 1&1 und wohl auch Freenet gehören offenbar zu den Provisionszahlern. Beteiligt an dem Blockierunternehmen scheint dagegen keine der Sites zu sein. Die Antworten von Amazon und Finanzen.net stehen noch aus. rp

United Internet: (1) "Adblocker blenden kommerzielle Suchergebnisse, die dem Nutzer gerade für kaufspezifische Recherchen meist sehr relevante Treffer liefern, aus. Um den Nutzern der Web.de-, GMX- und 1&1-eigenen Suche ein vollständiges und damit qualitativ hochwertiges Suchergebnis liefern zu können, nutzen wir an dieser Stelle das Whitelisting von Adblock Plus. Dafür ist, wie öffentlich bekannt, eine technische Aufwandsentschädigung zu entrichten. Über Details zu Verträgen können wir keine Auskunft geben." (2) "Nein."

Google: (1) "Adblock Plus hat angekündigt, dass Suchmaschinen-Anzeigen und gesponserte Ergebnisse bei Google und auf Webseiten von Adsense-Suchpartnern für die ,Acceptable Ads'-Liste geeignet sind. Diese Liste umfasst bereits eine Reihe von Adsense-Suchpartnern sowie Anzeigen auf Amazon, Reddit und Yandex." Der Annahme, dass Google als großer Anbieter gemäß Adblock-Plus-Hinweis an Eyeo zahlt, widerspricht der Sprecher nicht. (2) Nein, davon sei ihm nichts bekannt, so der Sprecher.

Freenet: (1) "Hier können wir aus vertragsrechtlichen Gründen keine Auskunft geben." (2) "Nach unserer Kenntnis sind weder die Freenet.de GmbH noch weitere Unternehmen der Freenet Group an einem der genannten Unternehmen beteiligt."

*Ebay: "Zu Beginn des Jahres haben wir mit Adblock Plus einen Test gemacht, für diesen wurde jedoch nichts bezahlt. Wir standen daher kurzfristig auf deren Whitelist, sind mittlerweile aber kein Teil mehr davon. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir zu keiner Zeit Geld an Eyeo bezahlt haben." (Anmerkung: Ebay war noch bis mindestens 10.7. in der Whitelist eingetragen - nach eigenen Angaben jedoch nur aufgrund eines Versehens seitens Adblock Plus, das Adblock Plus auch bestätigt habe. Mittlerweile (Stand: 15.7.) ist Ebay aus der Whitelist verschwunden.)

Focus.de: (1) "Es besteht keine vertragliche Beziehung und es wurde auch nichts bezahlt." (2) "Nein, es gibt keine Verbindungen."

Gutefrage.net: (1) "Wir testen aktuell Adblock Plus im Rahmen des Adsense-Programms. Wir führen intern Gespräche, wie wir hier nach der Testphase weiter verfahren, beobachten hierzu auch die weitere Marktentwicklung. Über Details der Vereinbarung dürfen wir keine Auskunft geben." (2) "Nein, die Gutefrage.net-Gruppe ist nicht mit den genannten Unternehmen in irgendeiner Weise verbunden."

Meinestadt.de: "Meinestadt.de ist kein Geldgeber von Adblock Plus/Eyeo GmbH. Wir haben Ende 2012 ein Angebot für eine kostenlose Testphase erhalten und diese für Adsense für Search-Anzeigen in Anspruch genommen. Wir haben dafür allerdings keine Geldbeträge gezahlt. Noch während des Tests haben wir entschieden, nicht mit Adblock Plus zu kooperieren und die Zusammenarbeit beendet."

Kalaydo: (1) "Nein", bisher habe man keinerlei Zahlungen geleistet - zumal man sich derzeit mit Adblock Plus noch in der Testphase befinde. (2) "Nein."

Heise.de: (1) "Wir bezahlen nicht dafür, auf der genannten Whitelist zu stehen, und würden das auch nicht tun." (2) "Nein."

Chip.de: "Wir haben nie etwas bezahlt."

Golem.de: (1) "Über Vertragsinhalte geben wir keine Auskunft." (2) "Nein." rp
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