Debatte Über hektische Onliner und verschlafene Printler

Freitag, 14. Februar 2014
Nicht immer ziehen Print- und Online-Redaktion an einem Strang (Foto: Scusi/Fotolia)
Nicht immer ziehen Print- und Online-Redaktion an einem Strang (Foto: Scusi/Fotolia)
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Strang Verlagshaus



Eigentlich sollten sie ja an einem Strang ziehen, die Print- und Online-Redaktionen in den Verlagshäusern. Eigentlich. Doch noch immer meckern die einen zu oft über die anderen. Arbeiten gegen- statt miteinander. Nicht etwa aus Mangel an Sympathie für die Kollegen - sondern weil einfach nur jeder seinen Job gut machen will. Das wiederum ist eine Frage der Wahrnehmung, der Anreize und der Führungsstruktur. Deshalb sind hier die Chefs gefordert.
In Print-Redaktionen und auch von Verlagsmanagern hört man bisweilen Vorhaltungen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Onliner überschätzten die Wirkung ihrer Storys, weil sie die Resonanz durch das Klick-Zählwerk, durch Kommentare in Social Media, durch Tweets und Verlinkungen viel schneller und unmittelbarer erfahren als in statischen Bezahl-Heften und -Apps, die ihre Reichweite und Wirkung zwar langsamer, aber nachhaltiger und auch außerhalb der Netzgemeinde entfalten, in der sich Journalisten berufsbedingt ständig tummeln. Und wegen dieser verzerrten Wahrnehmung, aus journalistischer Ungeduld und Eitelkeit neigten sie dazu, (zu) viele Geschichten (zu) früh im Netz zu veröffentlichen - obwohl es strategisch sinnvoller wäre, sie exklusiv fürs Heft zu verwenden.

Und von den Onlinern hört man umgekehrt: Die Print-Leute verschleppen News, verschlafen Debatten (dabei schläft das Netz doch nie!) und geben die Diskussionshoheit über Themen aus der Hand, weil sie Inhalte fürs Heft "aufheben" wollen, anstatt alle 30 Minuten mit dem nächsten Weiterdreh der Geschichte online zu zeigen, was man kann und weiß.

Dabei zeigt die oft ideologisch geführte Diskussion zwischen Print und Online: Es ergibt keinen Sinn mehr, Verlagsprodukte in Heft und Web zu unterteilen - sondern eher in Bezahlwelt (Print, App und irgendwann wohl auch Teile der Website) und Gratiswelt (Internet). Außerdem sollten Gratis-Sites nicht länger nur ihre Reichweite und Werbeerlöse maximieren, sondern möglichst auch als Werbekanal für und als Eingangstür in die Bezahlwelt dienen. HORIZONT beschreibt, welche Anreiz- und Führungsstruktur dafür hilfreich ist. Abonnenten lesen dies in der Ausgabe 7/2014 vom 13. Februar 2014. rp
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