"Das ist doch Satire, oder?" Erdogan-Interview von Sigmund Gottlieb sorgt für Häme im Netz

Dienstag, 26. Juli 2016
Sigmund Gottlieb im Gespräch mit Recep Tayyip Erdogan
Sigmund Gottlieb im Gespräch mit Recep Tayyip Erdogan
Foto: Screenshot ARD Mediathek

Mit dem Exklusiv-Interview mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der ARD am Montag ein Überraschungscoup gelungen. Das in die Türkei beorderte Personal sorgte im Netz allerdings für Irritationen: Ausgerechnet der stramm konservative BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb sollte dem türkischen Machthaber auf den Zahn fühlen - und scheiterte in den Augen vieler Beobachter kläglich an dieser Aufgabe.
Abgesehen von der persönlichen Abneigung vieler Kommentatoren ("Da schicken beide Seiten ihren besten Mann") gegen den "schwärzesten Journalisten Deutschlands" muss sich Gottlieb aber auch von professionellen Beobachtern und Kollegen viel Kritik gefallen lassen. Der BR-Chefredakteur habe Erdogan "in Watte gepackt", befindet etwa Der Westen. "Wenn man keine kritischen Fragen beantworten will, sollte man sich grundsätzlich von Sigmund Gottlieb interviewen lassen", twitterte Mathieu von Rohr, stellvertretender Ressortleiter Ausland des "Spiegel". "Bin ich ein schlechter Journalist, weil ich während des Erdogan-Interviews aus Betroffenheit über Gottlieb immer wieder wegschalten musste?", fragt sich "Zeit"-Redakteur Anant Agarwala. "Das war keine Sternstunde des kritischen , wie sich beim 'starken Staatspräsidenten' angebiedert hat", schreibt eine andere Nutzerin.

Natürlich gab es auf Twitter auch zahlreiche sarkastische Kommentare: "Das ist doch Satire, oder?", fragt ein Kommentator. Ein anderer sieht sich gar an das legendäre Wut-Interview von Waldemar Hartmann mit Rudi Völler erinnert: "Ja Sigmund du hast gut lachen. Du sitzt hier und trinkst zwei Weizenbier...". 

Für einen Konter von Gottlieb gibt es aber auch Lob: Als Erdogan sagte, es sei ihm wichtig, dass das Interview nicht geschnitten wird, antwortete Gottlieb: "Keine Angst, wir sind hier nicht im türkischen Staatsfernsehen." dh

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