Das Erste Kai Gniffke sieht ARD-aktuell nicht im Wettbewerb mit sozialen Medien

Dienstag, 19. Juli 2016
Tagesschau-Boss Kai Gniffke
Tagesschau-Boss Kai Gniffke
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Live-Videos zu aktuellen Ereignissen in sozialen Netzwerken sind zunehmend eine Herausforderung für das Fernsehen. Dass das Erste am vergangenen Freitag einen "Tatort" wiederholte, während auf Twitter und Facebook der Putschversuch in der Türkei bereits eine große Rolle spielte, sei aber keine Kapitulation vor den sozialen Netzwerken gewesen, sagte Kai Gniffke, der Erste Chefredakteur von ARD-aktuell, in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Schon während der Tagesthemen haben wir erste Einschätzungen gegeben, anschließend die Zuschauer über Laufschrift auf dem Laufenden gehalten, den Tatort für eine Extraausgabe unterbrochen und im Anschluss daran eine halbstündige Extrasendung gebracht", sagte Gniffke. "Ich sehe uns nicht im Wettbewerb mit den sozialen Medien", antwortete er auf die Frage, ob ein Hase-und-Igel-Wettlauf drohe. "Tempo ist für uns nichts Neues, und schneller als live geht nicht. Insofern ist die Beschleunigung nicht das Problem." Die Herausforderung liege eher in der Masse von Informationen, die mit Handy-Videos von Internetnutzern dazugekommen sei.

Bei Handy-Videos etwa nach Terroranschlägen überprüfe eine Verifikationseinheit, ob das Material authentisch ist. "Bleiben Zweifel an der Echtheit, machen wir das im Nachrichtentext deutlich oder verzichten auf das Material." Bei live getreamten Videos gebe es aber nur die Entscheidung, senden oder nicht. "Streng genommen können wir gar nichts live übernehmen", sagte Gniffke der Zeitung.

Es sei aber eine richtige Entscheidung gewesen, dass die "Tagesthemen" nach dem Attentat in Nizza Ausschnitte eines Handy-Videos des Journalisten Richard Gutjahr zeigte: "Das Video war das Dokument, das man zeigen musste. Zumal es aus einer Perspektive aufgenommen war, aus der man nicht sah, wie Menschen ums Leben kamen. Was aber zu sehen war, vermittelte einen Eindruck von dem Geschehen. Wir haben das Video zudem nicht live gestreamt."

Mit der aktuellen Praxis insgesamt ist Gniffke allerdings unzufrieden: "Wir müssen unsere gesamte Terrorberichterstattung grundlegend überdenken und kritisch hinterfragen. Denn mit jedem Verbreiten von grauenhaften Bildern verstärken wir die Wirkung des Terrors und machen uns ungewollt zu Helfershelfern der Terroristen." dpa

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