Das Duell ZDF vs. RTL Wer bietet die bessere Fast-Food-Reportage?

Mittwoch, 07. Mai 2014
Adrett, aber harmlos: "ZDF Zeit" mit Nelson Müller (Foto: ZDF)
Adrett, aber harmlos: "ZDF Zeit" mit Nelson Müller (Foto: ZDF)


Nur rund eine Woche nachdem das neue RTL-Format "Team Wallraff – Reporter undercover" bei Burger King gravierende Hygienemängel und miese Arbeitsbedingungen aufdeckte, legte das Zweite mit dem Duell "ZDF Zeit: McDonald’s gegen Burger King" nach. Welche Sendung bot dem Zuschauer mehr Erkenntnisse über die beiden Fast-Food-Riesen, welche kam beim Publikum besser an? HORIZONT.NET macht den Check ZDF gegen RTL.

Das Konzept

Bei RTL ist der Name Programm. "Team Wallraff – Reporter undercover" macht das, wofür Günter Wallraff seit Jahrzehnten bekannt ist: Journalisten werden als Mitarbeiter in Unternehmen eingeschleust, um Missstände aufzudecken. Dass es bei Burger King und insbesondere beim größten Franchisenehmer, der Yi-Ko Holding, um die Arbeitsbedingungen nicht zum Besten bestellt ist, war bereits bekannt. Das "Team Wallraff" allerdings lieferte für die miesen Methoden auch den Nachweis in Bild und Ton – und deckte noch dazu gravierende Hygienemängel in den von Yi-Ko betriebenen Restaurants auf. Mission erfüllt.

"ZDF Zeit" steht dagegen in der Tradition klassischer Verbrauchermagazine. Hier stehen Information und Aufklärung im Mittelpunkt, nicht die Aufdeckung von Skandalen. Getestet wurden der Preis, der Service, die Transparenz, die Fairness und der Geschmack. So ging das ZDF unter anderem der Herkunft des Fleischs nach, wog vergleichbare Menus feinsäuberlich aus oder lud Testesser zu einer Blindverkostung von Salat, Burger und Pommes. In jeder Kategorie wurden je nach Ergebnis Punkte vergeben, am Ende gewann McDonald’s mit 5:3 gegen Burger King.

Zwar wurden in der Kategorie "Fairness" auch die Missstände bei der Yi-Ko Holding thematisiert, diese standen aber nicht im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund der Enthüllungen von RTL etwas eigenartig mutete dagegen der Ortsbesuch bei den beiden Burger-Ketten an: Während TV-Koch Nelson Müller bei McDonald’s auch die Küche besichtigen und selbst einen Big Mac zusammenbauen durfte, verweigerte Burger King dem ZDF den Blick in die Küche. Die Gründe wurden allerdings nicht thematisiert.

Die Inszenierung

Bei "Team Wallraff" wurden die Enthüllungen in bester Privat-TV-Manier in Szene gesetzt: Die Bilder von im eigenen Saft schmorenden Buletten wurden mit dräuender Musik untermalt, Bilder zum Teil farblich verfremdet, dramatische Kommentare aus dem Off und ein finster dreinblickender Günter Wallraff taten ihr übriges. Der tiefe Griff in die Trickkiste der TV-Inszenierung verfehlte seine Wirkung nicht. Doch auch wenn die Darstellung vieles dramatisierte, wäre Kritik an der Inszenierung angesichts der tatsächlichen aufgedeckten Missstände sicherlich unangebracht.

Die "ZDF Zeit"-Reportage wirkte im Vergleich zu dem RTL-Format dagegen wesentlich unaufgeregter, aber auch ziemlich harmlos. Die Kategorien wurden durch lustige Animationen eingeleitet, Nelson Müller spazierte wie immer adrett gekleidet durch die Filialen, und selbst die Bilder aus einem Lebensmittellabor und einem Betrieb, der Fleischpatties für Burger King herstellt, wirkten hübsch sauber und steril. Nur als es um die Arbeitsbedingungen bei der Yi-Ko-Holding ging, wurden der Tonfall und die Bildsprache etwas düsterer. Insgesamt hätten dem ZDF-Format etwas mehr Realismus in der Darstellung sicher gut getan.

Der Erkenntnisgewinn

Die Enthüllungen von "Team Wallraff" haben hohe Wellen geschlagen und Burger King bereits zu einer Reihe von Maßnahmen gezwungen. Erst am Montag gab das Unternehmen bekannt, dass der Geschäftsführer der Yi-Ko-Holding, Ergün Yildiz, von seinem Posten zurücktritt und durch eine langjährige Burger King-Managerin abgelöst wird. Im Internet tobte tagelang ein Shitstorm. Und RTL gilt dank des Formats auf einmal als Speerspitze des investigativen TV-Journalismus.

Man kann nicht davon ausgehen, dass die ZDF-Reportage für derartige Schlagzeilen gesorgt hätte. Wie schon des öfteren bei vergleichbaren TV-Duellen von ARD und ZDF muteten auch die Kategorien bei "ZDF Zeit: McDonald’s gegen Burger King" teilweise sogar etwas absurd an. Wenn das ZDF zur Bewertung der Preise zum Beispiel vergleichbare Menus auswiegt und dann den Preis pro 100 Gramm ausrechnet, wirkt das schon etwas bemüht. Richtig fragwürdig wurde es bei der Überprüfung der Servicequalität: ZDF schickte eine Football-Mannschaft jeweils in eine zufällig ausgewählte Filiale von Burger King und McDonald’s, stoppte die Zeit bis jeder Spieler sein Essen hatte und ließ die Sportler anschließend die Freundlichkeit der Mitarbeiter bewerten. Dass sich die Servicequalität so kaum objektiv bewerten lässt, liegt auf der Hand.

Immerhin erfuhr man, dass die Patties beider Ketten aus dem vergleichsweise günstigem Fleisch von Milchkühen hergestellt wird und in Berlin in den Softdrinks erhöhte Werte von Gaudolinium nachweisbar sind – was aber nicht an den Burgerbrater liegt, sondern am Trinkwasser in der Hauptstadt. Insgesamt war der Erkenntnisgewinn des ZDF-Formats für den Zuschauer allerdings begrenzt. "Es war ein hartes Duell, aber am Ende bleibt Fast Food halt Fast Food", lautete das versöhnliche Fazit von Sternekoch Nelson Müller. Bezeichnend für die teilweise fragwürdigen Bewertungsmaßstäbe: Im Markenduell des ZDF-Verbrauchermagazins "Wiso" triumphierte vergangenes Jahr Burger King.

Die Einschaltquoten

Auch in punkto Einschaltquoten hatte RTL die Nase vorne: Die Folge von "Team Wallraff" über Burger King hatte am vergangenen Montag insgesamt 3,79 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme gelockt, darunter 1,94 Millionen 14- bis 49-Jährige (15,8 Prozent Marktanteil). "ZDF Zeit: McDonald’s gegen Burger King" schalteten am Dienstag 3,19 Millionen Zuschauer ein. In der jungen Zielgruppe erzielte die ZDF-Sendung mit 1,34 Millionen Zuschauern einen ungewöhnlich guten Marktanteil von 12,6 Prozent.

Fazit

Verkehrte Welt: Während RTL mit "Team Wallraff" für Schlagzeilen sorgt und Burger King in Erklärungsnöte bringt, kommt das ZDF-Duell der Fast-Food-Ketten vergleichsweise harmlos daher. RTL setzt dank der tatkräftigen Hilfe von Günter Wallraff derzeit vielleicht noch keine neuen journalistischen Maßstäbe – aber deutliche Duftmarken. ARD und ZDF sollten sich dagegen selbstkritisch fragen, ob die Markenchecks und -Duelle ihren eigenen hohen journalistischen Ansprüchen standhalten. Der WDR hatte im vergangenen Jahr bereits angekündigt, Ablauf und Kriterien seiner "Markenchecks" zu überprüfen. dh

Stark inszeniert, aber mit Biss: "Team Wallraff" (Foto: RTL)
Stark inszeniert, aber mit Biss: "Team Wallraff" (Foto: RTL)

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