DLD 2014 Digitale Welt zwischen Besinnung, Charity und Innovation

Montag, 20. Januar 2014
Jan Koum, Mitgründer von Whats App
Jan Koum, Mitgründer von Whats App

Big Data, künstliche Intelligenz und Technologien, die Menschen "verstehen": Drei Tage lange werfen Medienschaffende, Startup-Gründer, Experten und Investoren beim Digitalkongress DLD einen Blick in die Zukunft der digitalen Welt. Unter dem Motto "Content und Context" beschäftigen sich Gäste wie Jan Koum, CEO des Nachrichtendienstes Whats App, Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales und Journalistin Arianna Huffington in München mit den Chancen und Risiken einer vernetzten Gesellschaft. Dass Huffington, Mitbegründerin und Chefredakteurin der "Huffington Post", am Montag ausgerechnet Autor Paulo Coelho im "Mekka der Technologie" begrüßt, ist dabei fast schon bezeichnend für eine Entwicklung, die sich zunehmend mit dem Einfluss digitaler Trends auf gesellschaftliche Veränderungen auseinandersetzt. Selbst wenn das Gespräch zwischen Huffington und Coelho über die Notwendigkeit der Besinnung auf ein spirituelles "Ich" zwischen all den vorgestellten technischen Neuerungen zunächst befremdet, werden dort wichtige Fragen gestellt: Wie informieren wir uns in Zukunft? Wie kommuniziert der Nutzer? Und wie wollen wir mit unseren Daten umgehen?

Denn es sind auch die Stars des diesjährigen DLD, die sich auf Einladung von Hubert Burda Media mit Themen wie diesen beschäftigen. Jimmy Wales zum Beispiel. Der Wikipedia-Mitbegründer will nicht nur dafür sorgen, das Internet in Afrika zu verbreiten in Nigeria etwa sollen Ende 2014 rund 40 Prozent der Menschen online gehen können; im Jahr 2006 waren es gerade einmal rund 4 Prozent. Zudem kündigt Wales am Montag ein neues Projekt an: Insgesamt eine Milliarde US-Dollar will der Wikipedia-Gründer in Zusammenarbeit mit einem Mobilfunkanbieter für einen guten Zweck spenden. Zehn Prozent jeder Rechnung sollen dabei automatisch einem guten Zweck zufließen. Wales Idee ist nicht neu, aber interessant. Sie orientiert sich an der des Schuhherstellers Toms, der für jedes gekaufte Paar Schuhe gleichzeitig ein weiteres Paar in ein Entwicklungsland schickt.

Auch Jan Koum, Mitgründer und CEO des Nachrichtendienstes Whats App, stellt den Nutzer in den Fokus. Gerade angesichts des NSA-Skandals sei es notwendig, sein Angebot ohne Furcht nutzen zu können. "Wir wissen so wenig wie möglich über den User", sagt Koum, der beim diesjährigen DLD zum ersten Mal überhaupt auf einer internationalen Konferenz spricht. Im Zentrum stehe die Nachricht an sich, und um das Verschicken einer solchen zu ermöglichen, brauche das Unternehmen zwar die Handynummer, allerdings keine persönlichen Daten. Mit dieser Strategie und selbst mit Aussagen wie "Bei uns gibt es keine Werbung, keine Spielchen, keine Gimmicks" ist Wales trotz zunehmender Konkurrenz durch Dienste wie Snapchat äußerst erfolgreich: Über 400 Millionen Menschen weltweit nutzen Whats App aktuell, 30 Millionen sind es allein in Deutschland. Der durchschnittliche User verschickt rund 30 Nachrichten am Tag.

Noch bis Dienstagnachmittag beschäftigen sich die internationalen Besucher des DLD mit Innovationen, Trends und Strategien der digitalen Welt und beleuchten aus verschiedenen Perspektiven die Transformation von Märkten, Medien, Kultur und Gesellschaft. Die Konferenz, die in diesem Jahr 10. Jubiläum feiert, hat sich seit ihrer Gründung als kollektiver Think-Tank etabliert. kl
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