DJV und BDZV im Streitgespräch "Der DJV macht schon auch viel Getöse"

Freitag, 05. Februar 2016
Schenken sich nichts: DJV-Chef Frank Überall (l.) und BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf
Schenken sich nichts: DJV-Chef Frank Überall (l.) und BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf
Foto: dpa/BDZV, Montage HORIZONT
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Frank Überall Tarifverhandlung BDZV Georg Wallraf WDR


Am kommenden Mittwoch geht es los: Im Frankfurter Airport Club werden sich ein Dutzend Verlagsvertreter und mehr als zwei Dutzend Gewerkschaftsleute zum ersten Mal gegenübersitzen. 4,5 Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten fordern die Journalistenvertreter. Die Verlage lehnen das rundherum ab. Sie sagen: Diesen Spielraum gibt es nicht. DJV-Chef Frank Überall und Georg Wallraf, Verhandlungsführer der Zeitungsverleger, im Streitgespräch.
Herr Überall, die Tarifverhandlungen führt beim DJV Kajo Döhring. Aber auch Sie haben lange für die Freien beim WDR Tarifverhandlungen geführt. Sind diese Runden mit ihren tradierten Mustern mehr als eine lästige Pflichtübung?
Überall: Manchmal muss man sich schon fragen, ob so viele Verhandlungsrunden sein müssen. Die Erfahrungen zeigen: Ja, es muss sein. Weder die Journalisten noch die Verlage sind auf Rosen  gebettet, also gilt es, unabhängig von gegenseitiger Sympathie hart zu diskutieren. Wir sind beide einem Mandat verpflichtet, wobei ich mir wünschen würde, dass das Mandat der Verlage auf  breiterer Basis stünde. Dem BDZV angehören zu können, ohne dem Tarif zu unterliegen, halte ich  persönlich für verhaltensoriginell.
Wallraf: Sie wissen so gut wie ich, dass Verlage mit OT-Mitgliedschaft nicht zwingend untertariflich zahlen. Was ich an den Gewerkschaften kritisiere, ist die mangelnde Bereitschaft, von festgefahrenen Wegen abzuweichen, die neue Welt zur Kenntnis zu nehmen und das in Tarifverträgen zu berücksichtigen. Ich nenne nur unseren Vorschlag zu erfolgsabhängigen Vergütungen in der letzten Tarifrunde. Mit so etwas tun sich Gewerkschaften ganz schwer, obwohl  das in einem modernen Zeitungsunternehmen ein gutes Instrument zur Motivation wäre. Verdienen Redakteure zu viel?
Wallraf: Wenn ich die Gehälter mit denen im privaten Rundfunk vergleiche, stelle ich fest: Zeitungsredakteure liegen an der oberen Grenze der Marge. Unser Problem ist ein ganz anderes:  Wir haben einen Flächentarifvertrag. Es gibt aber Verlage in ertragsschwachen Gegenden und andere in wirtschaftlich starken wie dem Südwesten. Wenn ich Mindestarbeitsbedingungen festlegen will, muss ich daher den kleinsten gemeinsamen Nenner finden und kann nicht, wie die Gewerkschaften es gerne hätten, ertragsstarke Regionen zum Maßstab machen.
Überall: Wobei es sowohl im Südwesten Verlage gibt, denen es schlechter geht, als auch im Nordosten welche, denen es besser geht. Insofern ist und bleibt der Flächentarif eine gute Sache. Und wenn Sie sagen, Zeitungsredakteure lägen tariflich an der Spitze: Warum wandern dann so viele in andere Branchen ab – wegen der Arbeitsverdichtung, wegen der Zukunftsaussichten, aber auch mit dem Argument leistungsgerechter Entlohnung?

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Warum BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf den DJV vorwirft "viel Getöse" zu machen und was er von Arbeitsniederlegungen hält, lesen Sie im kompletten Streitgespräch in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 5/2016, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

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