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DAZN-CEO James Rushton
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DAZN-CEO James Rushton "Die Offenheit des deutschen Marktes hat mich umgehauen!"

DAZN-CEO James Rushton
James Rushton mischt derzeit mit DAZN den globalen Sportrechte-Markt auf. Der im vergangenen Jahr in der DACH-Region gestartete Streaming-Dienst der Perform Group zeigt künftig weite Teile des europäischen Vereinsfußballs inklusive Bundesliga, Champions League und Europa League. Für die hohe Investitionsbereitschaft und die konsequente Fanzentrierung erhält DAZN nun von HORIZONT Sportbusiness die Auszeichnung als "Medium des Jahres".
von Ingo Rentz, Sonntag, 08. Oktober 2017
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    Vor der Preisverleihung, die am 5. Oktober in Frankfurt stattfand, hat sich HORIZONT Online mit Rushton zum Gespräch getroffen. Im Londoner Hauptquartier der Perform Group erzählte der 39-Jährige davon, wie DAZN geplant und aufgebaut wurde, wie bei dem Start-up mit Fehlern umgegangen wird und auf welche Technologien das Unternehmen setzt. All das können HORIZONT-Abonnenten im Sportbusiness-Magazin nachlesen, das der der aktuellen Printausgabe beiliegt. Im folgenden Interview erklärt Rushton, wie er die Konkurrenzsituation in Deutschland einschätzt.

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    Herr Rushton, sind deutsche Sportfans schwieriger zum Bezahlen zu bewegen als Nutzer in anderen Märkten? Statistiken zufolge ist der deutsche Pay-TV-Markt unterentwickelt. Nur 30 Prozent der Haushalte haben Pay-TV – bleiben 70 Prozent, die wir noch überzeugen können. Aber unterscheiden sich deutsche Sportfans grundsätzlich von Sportfans in anderen westlichen Märkten? Nein. Also warum ist die Pay-TV-Durchdringung in Deutschland so niedrig? Das hat nichts mit den Konsumenten zu tun, sondern damit, wie der Markt auf die Konsumenten zugegangen ist. Wenn man gegenüber den Fans offen und fair ist, wird der Pay-TV-Markt auch wachsen. Deshalb ist unser Vorschlag an die Fans: Probiert uns aus und findet heraus, ob ihr uns mögt. Gibt es wirklich keine Unterschiede zwischen deutschen und anderen Sportfans? Doch, einen: In Deutschland springen uns während des Registrierungsprozesses wesentlich mehr Nutzer ab als in anderen Märkten. Das liegt daran, dass die deutschen Konsumenten vorsichtiger in Bezug auf ihre Daten sind. Aber ich denke, mit der steigenden Akzeptanz von Over-the-Top-Services wird sich das ändern.
    HORIZONT Sportbusiness Preisträger 2017
    © Picture Point / DKB / Britta Pedersen, Picture Alliance

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    Macht man die Menschen mit Sport am ehesten zu Kunden? Das Schöne an Sport ist: Es ist kein Kann, sondern ein Muss! Ich zum Beispiel habe die ersten beiden Staffeln von Game of Thrones gesehen und bin bis heute nicht vorangekommen. Mit den Spielen von meinem Lieblingsclub Birmingham City (Anmerkung der Redaktion: Rushton war dort früher Commercial Director) könnte mir das nicht passieren.
    Wird DAZN schneller 5 Millionen Abonnenten erreichen als Sky? Wir sprechen nicht über unsere konkreten Ziele. Wir haben immer gesagt, dass wir eine kritische Größe erreichen müssen, weil wir in einem Massenmarkt unterwegs sind. Auf die DACH-Region bezogen glauben wir, dass 5 Prozent der Haushalte ein entscheidender Punkt sind. Wenn wir innerhalb von mindestens 5 Jahren fünf Prozent der Haushalte mit Internetanschluss erreichen, sind wir in einer guten Position. Danach würden wir wahrscheinlich ein signifikantes Wachstum sehen, weil DAZN dann bereits in den Haushalten etabliert wäre. Wie meine ich das? Als meine Mutter mich gefragt hat, was ich tue, habe ich gesagt: Ich baue das Netflix des Sports. Sie hat das sofort verstanden, weil sie bereits Netflix-Kundin war.
    „Wir wollen zeigen, dass das, was wir tun, gut ist für die deutschen TV-Zuschauer und für die deutschen Sportfans.“
    James Rushton
    Heißt das, Sie wollen, dass Netflix, Amazon und andere Player wachsen, weil DAZN dann auch wächst? Richtig. Wir wollen auch, dass Sky wächst, weil Sport-Bezahlfernsehen in der DACHRegion wachsen muss. Und wir wünschen uns eine höhere Verbreitung von Free-TV, damit die Sportberichterstattung in der Breite wächst. Wie gesagt: Schaut man sich den Pay-TV-Markt an, sieht man, dass locker noch Platz ist für einen weiteren Player wie DAZN. Wir gehen aggressiv vor beim Rechtekauf und ich will gar nicht bestreiten, dass wir ein disruptives Unternehmen sind. Aber aus Kundensicht ergänzen wir den existierenden Markt.

    Wie nehmen Sie die Konkurrenzsituation auf dem deutschen Markt wahr? Die deutsche Sportübertragungs-Industrie ist insgesamt sehr respektvoll und man kann sehr unkompliziert mit den Unternehmen arbeiten. Ehrlich gesagt, hat mich die Offenheit des Marktes umgehauen! Wir sind wie gesagt ein disruptives Unternehmen, aber wir arbeiten sehr professionell mit den traditionellen Anbietern zusammen, wie unsere Partnerschaft mit Sky bei der Champions League zeigt. Wir wollen zeigen, dass das, was wir tun, gut ist für die deutschen TV-Zuschauer und für die deutschen Sportfans.

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