D3Con-Diskussion Adblocking goes mobile – zumindest international

Mittwoch, 15. März 2017
"Viele Fehler aus der Desktop-Welt vermieden": G+J-Manager Oliver von Wersch
"Viele Fehler aus der Desktop-Welt vermieden": G+J-Manager Oliver von Wersch
Foto: BVDW

Die Debatte um die Berechtigung von oder die Bedrohung durch Adblocker erreicht zumindest in Deutschland die nächste Phase – und zwar die des besonnenen Pragmatismus. Zwar behakeln sich die Kontrahenten nach wie vor mit scharfen Worten sowie technologischen und juristischen Waffen. Doch der reine Streit ist Sachthemen gewichen.

So zeigen sich auf der einen Seite die Publisher gelassener als noch vor ein, zwei Jahren. Denn die Quote des durch Adblocker nicht auslieferbaren Desktop-Inventars sinkt weiter leicht und liegt im BVDW-Durchschnitt derzeit in Deutschland bei nur noch 17 Prozent. Die Inhaltsperren der großen Sites und die Adblocker-Blocker, die gezielt geblocktes Inventar vermarkten, zeigen erste Wirkung. Außerdem wandern immer mehr Onlinenutzer ins mobile Internet – und hier liegen die Blockadequoten erst bei 1 bis 2 Prozent.

"Wir haben im mobilen Bereich zum Glück viele Fehler aus der Desktop-Welt vermieden", sagte Oliver von Wersch (Gruner + Jahr) am Dienstag auf der Adtech-Konferenz D3Con in Hamburg. So gebe es auf dem Handy-Display zum Beispiel nicht jene Werbe-Überfrachtung mit parallel unterschiedlichen Formaten, wie man sie im stationären Internet oft sah und sieht. Zudem sei es ungleich komplexer, Adblocker auf mobilen Browsern zu installieren.

Mobile – das ist das Stichwort für Christian Dommers von Eyeo, dem Betreiber des größten Werbeunterdrückers Adblock Plus. Denn auch er konstatiert in Deutschland eine stagnierende Blockadenutzung auf dem Desktop. Deshalb konzentriert sich Eyeo nun auf Mobile. "Hier positionieren wir uns angesichts der Fragmentierung der Systeme und Provider als deren Technologiepartner und arbeiten an unserem eigenen mobilen Browser", so der Eyeo-Mann. Vor allem mit Blick aufs Internationalgeschäft, mit dem die Kölner 95 Prozent ihrer Umsätze erzielen. In Asien lägen die mobilen Adblocker-Quoten bei 30 Prozent, frohlockt Dommers.

Und kündigt – wie schon so oft seit fast zwei Jahren – den Start eines von Eyeo angeblich unabhängigen "Acceptable Ads Committee" an, in dem internationale Vertreter von Nutzer- und Datenschutzorganisationen sowie Werbekunden und Publisher über "akzeptable" Werbe- und auch Videoformate befinden sollen. "Man kann sich auf unsere Whitelist nicht einkaufen" und damit von Blockade freikaufen, beteuert Dommers. Genau diese Praxis hatte das Oberlandesgericht Köln im Sommer verboten; Eyeo ist dagegen in Berufung gegangen.

"Wir müssen uns jetzt auf Mobile konzentrieren und aufpassen, dass wir dort nicht dieselben Fehler machen wie auf dem Desktop", sagt auch Daniela Tollert von Group M. Will heißen: Werbekunden, Agenturen und Vermarkter sollten darauf achten, weniger störende und dafür relevantere Content-haltige Formate und Botschaften zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Dosierung selektiver auf den richtigen Platzierungen auszuspielen. "Wir müssen hier schon vorher anfangen, bei der Beratung", sagt Tollert. rp

Meist gelesen
stats