Correctiv David Schraven startet gemeinnütziges Recherchebüro

Dienstag, 01. Juli 2014
-
-

TRAILER CORRECT!V from David Schraven on Vimeo.


David Schraven, bislang Recherchechef der Funke Mediengruppe, startet gemeinsam mit anderen Journalisten Deutschlands erstes gemeinnütziges Recherchebüro. Correctiv will Missständen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nachspüren. Die Anschubfinanzierung übernimmt die Essener Brost-Stiftung.
Correctiv (eigene Schreibweise: CORRECT!V) ist eigenen Angaben zufolge das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum. Mit seinem Team will der ehemalige Investigativchef der Funke Mediengruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") in erster Linie aufwändige Recherchen angehen, die bei klassischen Medienhäusern auf Kostengründen immer seltener möglich sind. "Die alten Geschäftsmodelle funktionieren immer weniger. Die Medien haben Probleme, ihrer Wächterfunktion nachzukommen. Hier setzt Correctiv an", sagt Geschäftsführer und Wächterpreis-Gewinner Schraven. Das Team will in erster Linie Themen wie Machtmissbrauch und Korruption, Umwelt, Bildung, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit, aber auch Rechtsradikalismus und Islamismus beackern.

Außerdem will Correctiv den direkten Kontakt zu den Bürgern suchen und diese näher mit dem Journalismus als vierte Gewalt zusammenbringen. "Deshalb starten wir auch ein Bildungsprogramm, um die Methoden des investigativen Journalismus weiterzugeben und Bürger vor Ort in die Lage zu versetzen, selbst für Transparenz zu sorgen , erklärt Schraven.

Finanzieren soll sich das Büro durch Stiftungsgelder und Spenden von Lesern und Nutzern. Die Anschubfinanzierung in Höhe von 3 Millionen Euro kommt von der Essener Brost-Stiftung. "Mit unserer Initialförderung für Correctiv unterstützen wir eine ambitionierte wie wegweisende Innovation", erklärt Bodo Hombach, Vorstandsmitglied der Brost-Stiftung und ehemaliger WAZ-Geschäftsführer: "Unser Projekt soll neue Wege in der Finanzierung einer aufklärerischen wie unabhängigen Publizistik zeigen, und damit die Spielräume für anspruchsvollen Journalismus auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhalten."

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während bei der Funke Mediengruppe eine Sparrunde die nächste jagt, finanziert der ehemalige WAZ-Chef Bodo Hombach mit Mitteln aus dem Erbe von WAZ-Gründer Erich Brost und seiner Frau Anneliese ein gemeinnütziges Investigativprojekt unter der Leitung des ehemaligen Recherchechefs der Funke Mediengruppe. Die investigativen Recherchen und Geschichten wird das Büro kostenlos an Zeitungen, Magazine, TV- und Radiosender weiterreichen. Darüber hinaus will das Team große Geschichten auch auf seiner eigenen Website correctiv.org veröffentlichen. dh
Meist gelesen
stats