Content-Kurs Xing wird Publikationskanal für Wirtschaftsköpfe

Donnerstag, 23. Juni 2016
 Xing baut sein Content-Angebot aus
Xing baut sein Content-Angebot aus

Personen-Abos: Das Online-Karrierenetzwerk Xing erweitert sein inhaltliches Angebot um spezielle Profil- und Präsentationsseiten für ausgewählte Wirtschaftsautoritäten. Gleich zum Start publizieren über 60 „Branchen-Insider“ – so lautet denn auch das Label des neuen Formats – eigene Beiträge und Links zu externen Texten oder Videos.

Zum erlauchten Kreis, der nach und nach erweitert werden soll, gehören Opel-CEO Karl-Thomas Neumann (beziehungsweise seine PR-Leute), der Finanzexperte Dirk Müller („Mr. Dax“) und die DLD-Chefin Steffi Czerny – aber auch Fachthemen-Journalisten etwa von „FAZ“ und „Focus“. In den zunächst vier Rubriken Internet/Technologie, Banken/Finanzen, Marketing/Medien und Wirtschaft/Management können sie ihren Häusern Aufmerksamkeit bescheren, deren Sites Traffic zuführen und natürlich den eigenen Marktwert erhöhen.

Die Xing-Seite von Tina Egolf
Die Xing-Seite von Tina Egolf (Bild: Xing)
Die Nutzer wiederum können die Beiträge einzelner „Insider“ abonnieren (ohne mit ihnen vernetzt sein zu müssen) sowie mit den Experten und anderen Usern diskutieren. Dies erinnert zum einen an das „Pulse“-Influencer-Programm des weltweit größten Karrierenetzwerks Linkedin. Und zum anderen an Sonderfunktionalitäten, die auch allgemeine soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter bestimmten Nutzerkreisen – Organisationen, Promis und Multiplikatoren – einräumen, um für mehr Rummel auf den Plattformen zu sorgen. Mit dem neuen personenbezogenen Produkt erweitert Xing seine Content-Sparte mit bislang über 25 Branchennewslettern, rund 200 Medienmarken-Sites (darunter auch HORIZONT) und dem themenbezogenen Debattenformat Klartext. Und übernimmt damit – wie andere Plattformen auch – mehr und mehr Verlagsfunktionen. Inhaltlich sollen sich die Formate Klartext und Insider die Themenbälle zuspielen. Verantwortlich für beide Produkte sind Herausgeber Roland Tichy und Chefredakteurin Jennifer Lachman.

Wirtschaftsjournalistische Sites wie die von „WiWo“, „Manager Magazin“ und „Bilanz“ dürften die Xing-Umtriebe mit großem Interesse verfolgen, nicht nur, weil alle um die Aufmerksamkeit ähnlicher Leser konkurrieren. Auch der redaktionelle Kampf um Wirtschaftsköpfe und Experten als Autoren dürfte sich verschärfen in einer Zeit, in der alle Sites immer öfter auch Gastschreiber zur Feder bitten. Zählen dürfte für diese auch die digitale Gesamtreichweite – und hier liegt Xing (gesamt, nicht nur die beiden Formate) mit 6,9 Millionen Unique Usern weit vor anderen Wirtschaftssites (Agof Digital Facts 2016-03).

Starkes Wachstum für LinkedIn
Bild: LinkedIn

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Das Ziel der Content-Offensive: Mehr Nutzer (bisher: 10,6 Millionen), mehr angemeldete Mitglieder (bisher: 10 Millionen) und mehr zahlende Premium-Kunden (bisher: 903.000) für das im deutschsprachigen Raum größte Karrierenetzwerk. Die Hoffnung: Je intensiver sich die Mitglieder auf Xing tummeln, desto eher schließen sie auch Abos ab.

Außerdem sollen durch die neuen Inhalte sowohl die Umfeldqualität der Plattform als auch die Verweildauer einer attraktiven, nicht anonym agierenden und gut adressierbaren Zielgruppe steigen. Man darf also mehr denn je annehmen, dass Xing eines Tages mit der Werbevermarktung beginnt, vielleicht mit Sponsoring der Themen-Rubriken. Nach wie vor will die Burda-Tochter (50,3 Prozent) davon jedoch offiziell nichts wissen. Man habe bereits ein funktionierendes (Pay-) Geschäftsmodell, heißt es weiterhin. rp

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