Condé-Nast-Deutschlandchef Moritz von Laffert "Es muss nicht alles digital werden"

Freitag, 03. Juni 2016
Moritz von Laffert sitzt seit Oktober 2009 auf dem Chefsessel von Condé Nast Deutschland
Moritz von Laffert sitzt seit Oktober 2009 auf dem Chefsessel von Condé Nast Deutschland
Foto: Condé Nast
Themenseiten zu diesem Artikel:

Moritz von Laffert Condé Nast Boris Schramm


Moritz von Laffert, Herausgeber und Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland, betont im Interview mit HORIZONT die Stärken von Print. Auf Erlöse aus digitalen Geschäften verzichten will der Verlag, in dem unter anderem Titel wie "Vogue", "GQ" und "Wired", erscheinen, aber auch nicht. Mit Style.com startet Condé Nast voraussichtlich im September dieses Jahres eine Shopping-Plattform für Luxusartikel.
Erst vor einer Woche schimpfte Boris Schramm, einflussreicher Group-M-Manager und für kluge Analysen bekannt, in HORIZONT über die Transformationsstrategien der deutschen Medienhäuser. Der Abgesang auf Print sei fatal, der Großteil der Rückgänge im Vertriebsmarkt auf fehlende Investitionen ins Kerngeschäft zurückzuführen. Jetzt legt Moritz von Laffert, Herausgeber und Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland, nach – in Schramms Sinne. "Es muss nicht alles digital werden. Einfache Lösungen, selbst wenn sie heute sehr gefragt zu sein scheinen, sind nicht nur für unsere Branche der falsche Weg", sagt der Verlagsmanager im Interview. Moritz von Laffert: "Es gibt eben bestimmte Medienmarken, für die ist der Kanal Print so prädestiniert, dass es fatal wäre, aus falsch verstandenem Zeitgeist immer nur über alles andere zu sprechen. Sehen Sie, unser am stärksten wachsendes Kunden-Segment bei den Printwerbeerlösen sind E-Commerce-Shops! Weil Unternehmen wie Farfetch und Net-a-porter wissen, dass sich hochwertige Print-Umfelder für den Markenaufbau am besten eignen."

Für von Laffert liegt das Potenzial des Digitalen stattdessen möglicherweise in ganz anderen Dingen als bisher. Im E-Commerce zum Beispiel. Mit Style.com startet Condé Nast, 1909 in den USA gegründet und Heimat von Medienmarken wie „Vogue“, „GQ“, „Vanity Fair“ und „Wired“, voraussichtlich im September dieses Jahres eine Shopping-Plattform für Luxusartikel, die unter anderem auch Stücke, die in Modebibeln wie der „Vogue“  vorgestellt werden, auf Lager haben soll.


Moritz von Laffert: "Wir haben bereits über 300 Marken unter Vertrag. Unser Ziel mit Style.com ist es, einen Service sowohl für unsere Leser als auch für unsere Kunden zu bieten und die Wertschöpfungskette über die Zeitschrift hinaus im Sinne der Marke zu inszenieren."


Der Gedanke ist nicht neu. Schon die Münchner MVG hatte einst mit „Hot“ eine sehr weit gehende – und schnell gescheiterte – Integration von Redaktion und E-Commerce versucht, die Kollegen von Burda („Cover“) und Gruner + Jahr („Season“) kapitulierten ähnlich kläglich. Mit Style.com will Condé Nast nun allerdings eine ganz andere Liga erobern: die von Amazon und Zalando bestenfalls, zumindest aber die von Luxusplattformen wie Net-a-Porter und Yoox. Deutschlandchef von Laffert ist daran gelegen, die Dimension des neuen Angebots, das nach dem Start in UK auch den in Europa relevanten deutschen Markt erobern soll, zurechtzurücken.

Moritz von Laffert: „Wir wollen keine Minimallösung aufbauen, sondern ein veritabler Player im Markt werden. Ich kenne kein anderes Medienunternehmen, das bei diesem Thema so entschieden investiert.“
Franck Zayan ist der Präsident von Condé Nasts Shopping-Plattform Style.com
Franck Zayan ist der Präsident von Condé Nasts Shopping-Plattform Style.com (Bild: Condé Nast)

Condé Nast geht damit einen mutigen Schritt und betritt komplett neues Terrain. Um auf dem umkämpften globalen Online-Luxusmarkt Erfolg zu haben, kann der Verlag zwar mit gutem Gewissen, aber nicht ausschließlich auf seine etablierten Zeitschriftentitel vertrauen, die die Leser (markenübergreifend baut das Unternehmen auf 300 Millionen Menschen) auf Style.com lotsen sollen. Um es mit den großen Playern  aufnehmen zu können, muss die Condé-Nast-Plattform der Opulenz und Komfort verwöhnten Luxuskundschaft online ein bequemes Einkaufserlebnis bieten, ebenso eine große Auswahl an verfügbarer (und möglichst exklusiver) Designermode, reibungslose Bestellprozesse, Rabatte für Abonnenten und und und.


Im Vergleich dazu wirken die Herausforderungen, vor denen von Laffert in Deutschland steht, fast wie ein Klacks. Wie vielerorts stagniert auch in München das Printgeschäft, und selbst wenn der 48-jährige Herausgeber mit den Renditen nach wie vor zufrieden ist, muss er auf unterschiedlichen Ebenen neue Umsätze generieren.


Moritz von Laffert: "Das Printgeschäft wächst in Summe nicht mehr, deshalb bauen wir unsere Marken auf unterschiedliche Ebenen aus, um neue Umsätze zu machen. Allerdings darf man nie vergessen: Alle neuen Angebote würden ohne unseren starken Print-Kern nicht funktionieren. Und wir sind gut darin, unser spezifisches Know-how in neue Modelle zu überführen."


Ein wichtiger Wachstumsbereich ist deshalb auch Content Marketing, die Condé Nast Manufaktur wächst seit 2013 jedes Jahr um 30 Prozent und steht damit bereits auf Augenhöhe zum Digitalgeschäft. Angesichts der Zahlen ist die neue und laute Konkurrenz, C3 und Territory, für von Laffert – wenn überhaupt – ein Luxusproblem.


Moritz von Laffert: "Natürlich wäre es einfacher, wir hätten ein nordkoreanisches Monopol – aber wir kommen auch so bestens klar. Unser USP ist der Fokus auf das Premium- und Lifestyle-Segment, der extrem persönliche Kontakt zu unseren Kunden und die Möglichkeit, auf unser globales Condé-Nast-Netzwerk zuzugreifen, das sicher eines der exklusivsten auf der ganzen Welt ist. Deshalb müssen wir nicht an jedem Pitch, der möglich ist, teilnehmen. Stattdessen bieten wir als feine Boutique das, was in einer großen Einheit schnell auf der Strecke bleibt. Wir sind die Maßschneiderei, nicht das Kaufhaus." kan
Meist gelesen
stats