Comedy Das ZDF mausert sich zum führenden Sender für Polit-Humor

Dienstag, 18. Februar 2014
Die "Heute Show" mit Oliver Welke läutete das Comeback der politischen Satire im ZDF ein
Die "Heute Show" mit Oliver Welke läutete das Comeback der politischen Satire im ZDF ein


Lange Zeit war politische Satire im Fernsehen eine Hochburg der ARD. Mittlerweile läuft aber das ZDF dem Ersten den Rang ab. Nach der bei Kritik und Publikum gleichermaßen beliebten "Heute Show" und dem erfolgreichen Neustart von "Die Anstalt" steht mit der Comedy-Show "Vier sind das Volk" nun eine weitere Polit-Comedy-Sendung in den Startlöchern. Außerdem arbeitet die experimentierfreudige Redaktion von "Das kleine Fernsehspiel" an einer Polit-Sitcom für ZDF Neo. 3,11 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von 14 Prozent - in absoluten Zahlen war die Sehbeteiligung der ersten Ausgabe von "Die Anstalt" zwar nicht berauschend, für eine politische Kabarett-Sendung aber sicher aller Ehren wert. Die Sendung mit Max Uthoff und Claus von Wagner trat Anfang Februar die Nachfolge des beliebten TV-Kabaretts "Neues aus der Anstalt" an, nachdem Urban Priol, Frank-Markus Barwasser und Georg Schramm im Sommer 2013 überraschend ihren Rückzug bekannt gegeben hatten. Die Staffelübergabe scheint geglückt zu sein, so weit man das nach einer Sendung bereits beurteilen kann.

Die "Heute Show" hat sich seit 2009 ihren festen Platz in der deutschen Fernsehlandschaft erobert. Aktuell läuft bereits die neunte Staffel der Comedy-Show, die unter anderem mit dem Deutschen Comedy-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Dabei war das ZDF lange Zeit eine zumindest in Sachen politischer Comedy weitgehend humorfreie Zone: 1979 verordnete der damalige Programmdirektor Dieter Stolte der Satire-Sendung "Notizen aus der Provinz" mit Dieter Hildebrandt eine "Denkpause" - das "Deutsche Fernsehlexikon" vermutet einen Zusammenhang mit Stoltes Ambitionen auf den Intendantenposten. Fakt ist: Die Sendung kehrte niemals aus ihrer Denkpause zurück, Hildebrandt trat den Mächtigen fortan mit dem "Scheibenwischer" im Ersten auf die Füße und im ZDF dauerte es fast 30 Jahre lang, bis politischer Humor wieder salonfähig wurde.

Ermutigt durch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit setzt das ZDF mittlerweile aber wieder verstärkt auf politische Comedy: Am 4. April startet die "Vier sind das Volk - Die Polit-Impro": Unter der Leitung von Wigald Boning treten jeweils vier Comedians in Disziplinen wie "Bürger fragen - Politiker antworten" gegeneinander an. Die Idee: Die Komiker sollen den typischen Duktus von Politikern imitieren und damit auch die üblichen Floskeln des Polit-Betriebes entlarven.

Auch im fiktionalen Bereich arbeitet das ZDF derzeit an einem politischen Format: Die Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" entwickelt derzeit eine Polit-Sitcom für ZDF Neo, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Drehbücher schreibt Stefan Stuckmann, der unter anderem als Autor die Bücher für "Switch Reloaded" schreibt. Drehbeginn, Regie und Besetzung stehen noch nicht fest, aber die Meldung zeigt: Das ZDF traut sich wieder was.

Für politisch interessierte Zuschauer sind die neuen Formate angesichts der ritualisierten Politik-Berichterstattung im deutschen Fernsehen auf jeden Fall eine Bereicherung - unabhängig vom Ergebnis der Programmexperimente. dh
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