Cliqz-Chef Marc Al-Hames "Unsere Nutzer sind kein Freiwild"

Dienstag, 29. März 2016
Marc Al-Hames ist Geschäftsführer von Cliqz
Marc Al-Hames ist Geschäftsführer von Cliqz
Foto: Cliqz/Simone Hoermann
Themenseiten zu diesem Artikel:

Marc Al-Hames Burda Google Facebook Paul-Bernhard Kallen


Es war nicht gerade das, was man aus dem Hause Burda erwartet hätte. Mit Cliqz bringt das zum Verlag gehörende gleichnamige Start-up nicht nur einen neuen Browser, sondern auch eine Anti-Tracking-Technologie in den Markt, die Dienstleister und Datensammler vor gewaltige Probleme stellen soll. "Wir wollen unsere Nutzer nicht als Freiwild preisgeben", sagt Geschäftsführer Marc Al-Hames im Interview mit HORIZONT.
Herr Al-Hames, warum glauben Sie ist es die Aufgabe von Cliqz, stellvertretend für den Nutzer Tracking zu blockieren? Wir denken, nur eine vollständig automatisierte technologische Lösung kann den Nutzer heute einfach und ausreichend schützen. Die meisten Trackingblocker, die es bislang gibt im Markt, erfordern mehr Eigeninitiative und die Fähigkeit, den Browser sehr genau zu konfigurieren. Dazu sind aber nur wenige in der Lage. Wir wollen aber unsere Nutzer nicht als Freiwild preisgeben.
Burda attackiert Google mit Cliqz
Bild: Hubert Burda Media

Mehr zum Thema

Browser, Suchmaschine, Anti-Tracking Wie Burda mit Cliqz das Internet revolutionieren will


Tracking-Dienstleister werfen Ihnen vor, ein falsches Licht auf die Branche zu werfen. Niemand sei in der Lage dazu, Personen zu identifizieren. Wir können dazu nur sagen: Es gibt Anbieter, die übermitteln – teilweise auch unwissentlich – Datenpunkte, mit denen eine Person eindeutig identifiziert werden kann. Wenn diese Daten in Real-Time-Bidding-Plattformen angeboten und weiter angereichert werden, entsteht schnell ein vollständiges Bewegungsprofil. Ob das jemand nutzt, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass es mit vielen Tracking-Daten, die im Übrigen frei auf dem Markt eingekauft werden können, jederzeit möglich ist, jeden von uns zu überwachen.
Je bekannter der Nutzer, desto relevanter für ihn die Werbung, die er zu sehen bekommt – das ist das Argument der Onlinebranche. Cliqz entzieht personalisierter Werbung die Grundlage. Genau, und das aus gutem Grund: Der Deal "Ich zeige dir eine auf dich zugeschnittene Werbung und du gibst mir dafür völlige Transparenz über dein Leben" ist meiner Meinung nach ziemlich aus der Balance geraten. Der Kollateralschaden, der damit einhergeht, ist zu groß, als dass ich ihn für mich und meine Nutzer akzeptieren könnte. Im Übrigen darf man eines nicht vergessen: Werbung hat auch schon sehr gut funktioniert, bevor die Nutzer permanent ausspioniert wurden. Vielleicht sogar besser als heute.


Google ist einer Cliqz-Studie zufolge der größte Trackingbetreiber von allen. Dennoch empfehlen Sie Ihren Nutzern die Suchmaschine, wenn die Ergebnisse von Cliqz nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Das ist nicht sonderlich konsequent. Die Cliqz-Suchmaschine ist für Schnell-Suche direkt im Browser konzipiert. Wer explorativ sucht, kann seine Suche zu einer anderen Suchmaschine weiterleiten. Voreingestellt ist Google, man kann aber auch andere wählen. Dem typischen Cliqz-User bleiben etwa 85 Prozent der Besuche bei herkömmlichen Suchmaschinen und damit auch die Preisgabe von Daten dort erspart. Zusätzlich schützen wir seine Daten beim Besuch von Websites. Denn wir glauben, wenn er einen Artikel auf HORIZONT ONLINE liest, reicht es, wenn HORIZONT die Daten bekommt. Und nicht Google und Facebook und die 187 anderen Tracker.


Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen äußerte sich recht entspannt, was das Geschäftsmodell von Cliqz betrifft. Es werde sich schon noch finden. Können Sie uns sagen, wie Sie Ihr Geld verdienen? Wir konzentrieren uns heute zunächst einmal darauf, Cliqz im Markt zu etablieren. Eines kann ich Ihnen aber versprechen: Die Daten seiner Nutzer wird Cliqz niemals verkaufen. kan
Meist gelesen
stats